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Kommissar Özakin gerät in Bangkok zwischen die Fronten eines Bandenkriegs.

"Mordkommission Istanbul: Einsatz in Thailand"

Zur Grenzüberschreitung gezwungen

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Aus Sicherheitsgründen wich das Team der Reihe "Mordkommission Istanbul" nach Thailand aus. Und kehrte mit einem zünftigen Actionthriller zurück.

Bislang, inzwischen schon seit zehn Jahren, bewegte sich Kriminalpolizist Mehmet Özakin (Erol Sander) in Istanbul auf heimischem Terrain. Nun aber wird der dedektif zum Außendienstler mit Migrationshintergrund. Gemeinsam mit Mustafa Tombul (Oscar Ortega Sánchez) soll er den thailändischen Schwerverbrecher Worawit Luang (Solarsin Ngoenwichit) aus der Türkei nach Bangkok überführen. Er sträubt sich, denn anders als in der Türkei gilt in dem asiatischen Land die Todesstrafe, die Özakin ablehnt. Allein, sein Protest bleibt wirkungslos. Luang wird in Thailand Kasem Glomgool (Vithaya Pansringarm) übergeben, der nicht nur dienstlich an Luang interessiert ist.

Doch damit beginnt das Abenteuer erst. Auf der Rückfahrt zum Hotel werden Özakin und Tombul entführt und in den tiefsten Urwald verschleppt. Dort erwartet sie Fawaini Luang (Mamhee Nakprasitte), die Schwester Worawits und dessen Partnerin an der Spitze einer Gangsterorganisation, die Drogen-, Menschen- und Waffenhandel betreibt. Sie wird Tombul als Geisel behalten - und droht ihn zu töten, sollte Özakin ihren Bruder nicht binnen 72 Stunden aus dem Hochsicherheitsgefängnis befreien. Özakin zögert nicht, gegen die örtlichen Gesetze zu verstoßen, um das Leben des Freundes zu retten. Die Aufgabe ist an sich schon kaum lösbar, aber der Drehbuchautor Marco Rossi stellt Özakin noch ein paar zusätzliche Hürden in den Weg. Er wird von Militärs aufgehalten, von der Polizei und einer gegnerischen Bande gejagt. Und im Hintergrund zieht jemand einige Fäden, den Özakin für tot gehalten hatte. 

Der turbulente Ausflug der beiden Fernsehkommissare Özakin und Tombul hat einen produktionstechnischen Hintergrund. Bislang wurden die Filme der Reihe „Mordkommission Istanbul“, die auf Romanen der Krimiautorin Hülya Özkan basieren, an den Originalschauplätzen in Istanbul gedreht. Doch die schöne, fotogene Stadt am Bosporus ist zum unsicheren Terrain geworden. Zuvor schon war der Drehstab für eine Folge nach Izmir ausgewichen, jetzt wanderte die Produktion ganz aus.

Der Orts- geht mit einem Genrewechsel einher. Statt detektivischer Feinarbeit und kultivierter Lebensart bietet die aktuelle Doppelfolge aktionsgeladene Spannung und tendiert eher in Richtung „James Bond“ und „Jason Bourne“. Auf produktionstechnisch niedrigerem Level, aber in seiner Art kompetent, abwechslungsreich und unterhaltsam gemacht. Wie bei allen Filmen dieses Subgenres - ein James Bond reist stets ohne Gepäck, hat aber bei Bedarf immer einen adretten Abendanzug parat - darf man an die Logik keine allzu strengen Maßstäbe anlegen. Autor Rossi und Regisseur Peter Ladkani verstehen sich darauf, die Unstimmigkeiten durch Tempo wie auch durch innere Spannung zu überspielen. Nicht nur im Bereich der kriminalistischen Konflikte und Intrigen. Stammzuschauer der Reihe wissen, dass sich etwas angebahnt hat zwischen Özakin und der Rechtsmedizinerin Derya Günzel (Melanie Winiger). Nun aber kreuzt Mina Lorentz (Nadeshda Brennicke) den Weg des Kommissars, ihrem Ausweis zufolge Anwältin beim Internationalen Gerichtshof. Es knistert spürbar zwischen den beiden. Wird er der Versuchung erliegen?

Das Erste präsentiert den Zweiteiler, der en suite ausgestrahlt wird, mit Recht als Feiertagsprogramm, steht er doch in gewisser Weise in der Tradition der großen Abenteuerfilme, die sich für ältere Zuschauer mit Weihnachten verbinden. Aber das gilt nur unter dem programmgestalterischen Gesichtspunkt - inszenatorisch und kameratechnisch ist „Einsatz in Thailand“ auf der Höhe der Zeit und kann sich buchstäblich sehen lassen. Bleibt nur die Frage, wohin es Özakin als nächstes verschlägt, sollte ihm die Türkei, und das steht zu befürchten, weiterhin verschlossen bleiben. Vielleicht geht er ins deutsche Exil? Damit schlösse sich für Hauptdarsteller Erol Sander ein Kreis - als „Sinan Toprak“ war er 1999 bei RTL der erste türkischstämmige Kommissar in einer Serientitelrolle, der Beginn seiner Karriere im deutschsprachigen Raum. 

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