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Drachengeschwader im dritten Teil von „Drachenzähmen leicht gemacht“.

Neu im Kino

Drachenliebe

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Neu im Kino: Ein grandioser dritter Teil bereichert das „Drachenzähmen“ um echte Wikingerromantik.

Neueste Forschungen sollen bestätigen, was man immer schon wusste – bis romantische Geister im 19. Jahrhundert auf einmal das Gegenteil verzapften. Die Wikinger waren ganz unleidige Zeitgenossen, mordende Saufbrüder, die sich besonders gerne an Schwächeren vergingen. Kurzum, sie waren wie die schlimmsten Feinde von „Wickie und den starken Männern“ in der Trickserie, die Bande des „schrecklichen Sven.“ Na, wenn schon.

Schon die ersten beiden Teile von „Drachenzähmen leicht gemacht“ waren gut genug, eine weitere Generation von den nordischen Seefahrervölkern träumen zu lassen. Der dritte und prächtigste Teil aber ist nun wirklich ein romantisches Epos, das den Namen verdient. Es ist eine der schönsten Liebesgeschichten im Animationsfilm seit Bambi auf seine Feline getroffen ist und Susi auf Strolch.

Fünf Jahre ist der letzte Film her, Zeit genug, um mit den Hauptfiguren auch die Geschichte reifen zu lassen. In der Spielzeit ist allerdings nur ein Jahr vergangen, Drachenzähmer Hicks und sein mythischer Freund Ohnezahn sind nun im reiferen Teenageralter. Der erste fühlt sich seit dem Tod des Vaters noch immer nicht ganz zum Anführer der Dorfgemeinschaft berufen, umso erfolgreicher ist er als Drachenbefreier. In einer imponierenden Einstellung sieht man schon zu Beginn des Films einen Himmel voller unterschiedlichster Drachenarten. So plädiert Hicks – einstweilen auf verlorenem Posten – für den Exodus nach einem in der Mythologie beschriebenen gelobten Land, der „geheimen Welt“ des Filmtitels.

Sein Nachtschattenfreund hat andere Sorgen. Er ist zum ersten Mal verliebt; ein Tagschattenweibchen, eine komplementäre Artgenossin seiner seltenen Spezies, hat sich in die Gegend verirrt. Die schönsten Szenen des Films sind wortlose Balz-Kaskaden, das alte Pas de deux, das schon Chaplin oder Keaton tanzten in ihrem Liebeswerben, schüchtern-verspielt gegen majestätisch-elegant. Wer das schon nach der Beschreibung kitschig findet, dem gefällt auch klassischer Disney nicht. Der kanadische Filmemacher Dean DeBlois, der vor den Drachenfilmen Disneys liebenswerten „Lilo & Stitch“ inszenierte, orientierte sich sichtlich an Klassikern wie der „Pastoral“-Sequenz aus „Fantasia“ oder den Liebesszenen aus „Bambi“ mit dem Wolkenflug der Rehe. Bessere Figurenanimation hat man in der nun auch schon vier Jahrzehnte umfassenden Geschichte der 3D-Animation noch nicht gesehen.

Schon die vorangegangenen „Drachenzähmen“-Teile waren ein denkbarer Gegenentwurf zum lauten Stil des Dreamworks-Studios mit seinen plappernden Tieren und kalauernden Shrek-Gespenstern. Diesmal gibt es mehrere nahezu dialogfreie Sequenzen über mehrere Minuten, die gleichsam die Nadel von der Schallplatte nehmen. Und die formelhafte – wenn auch rasante – Geschichte um einen bösen Drachenfänger zum Innehalten bringen. Mit einem Mal ist das so imponierende Gewimmel vergessen – zumal noch eine zweite Liebesgeschichte aus der Menschenwelt dazu kommt. Die sich lange anbahnende romantische Verbindung zwischen Hicks und seiner Freundin Astrid überfordert allerdings die Filmemacher ein wenig; sie wollen die Unschuld ihrer Figuren noch nicht opfern – zumal Astrid gleichzeitig zur zweiten Actionheldin aufgebaut werden soll. So obliegt es – ganz im Sinne der romantischen Bildtradition – den Landschaften und Lichtstimmungen, den emotionalen Gehalt zu transportieren. Abermals beriet Meisterkameramann Roger Deakins die virtuellen Kameraleute und Lichtsetzer.

Es geht zu wie in Disneys „101 Dalmatiner“, wo sich erst die Hunde und dann ihre Halter ineinander verlieben. Offensichtlich wollte man die Geduld der ganz kleinen Zuschauer nicht überstrapazieren. Tatsächlich gibt es wenige Filme, die man wirklich für alle Generationen gleichermaßen empfehlen kann.

Zum Film

Drachenzähmen – leicht gemacht: Die geheime Welt. Regie: Dean DeBlois, 104 Min.

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