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Scarlett Johansson auf der Golden Globe-Skala 2020.
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Scarlett Johansson auf der Golden Globe-Skala 2020.

Hollywoods Filmverband unter Druck

Sexismus und Rassismus bei den Golden Globes: Stars boykottieren Filmpreis

  • Katja Thorwarth
    vonKatja Thorwarth
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Die Golden Globes sind nach den Oscars Hollywoods wichtigste Filmpreise - doch schon lange gibt es Kritik an den Verleihern.

Los Angeles - Jetzt auch noch Tom Cruise. Ausgerechnet der 58-jährige Golden Globe-Preisträger hat dem US-amerikanischen Filmverband mit einer Protestaktion neue Negativ-Schlagzeilen beschert. Alle seine drei Globe-Trophäen hat der Hollywood-Star an die Organisation zurückgegeben, berichteten mehrere US-Medien am Montag (10.05.2021) übereinstimmend. Cruise hatte die Preise für seine Rollen in „Geboren am 4. Juli“ (1990), „Jerry Maguire - Spiel des Lebens“ (1997) und „Magnolia“ (2000) erhalten.

Golden Globes: Krise eskaliert

Eigentlich trumpfen die Golden Globes ja mit großen Stars wie eben Tom Cruise, Brad Pitt, Meryl Streep oder Angelina Jolie gerne auf. Seit 1944 hat die Gala im Kontext der vergebenen Film- und TV-Preise den Ruf als Hollywoods lockere Trophäen-Party, mit Promis und reichlich Champagner. Allerdings gab es auch immer wieder Kritik an der Hollywood Foreign Press Association (HFPA): Vorwürfe wie mangelnde Diversität und fragwürdige Praktiken der wahlberechtigten Journalisten wurden laut. Jetzt eskaliert die Krise der Golden Globes.

„Selma“-Regisseurin Ava DuVernay hat die Aktion von Tom Cruise umgehend gelobt. Der Schauspieler habe ein deutliches Zeichen gesetzt, gegen die „sexistischen, homophoben und rassistischen Praktiken von Ausschließung, Schikane und Voreingenommenheit“ des Verbands Front zu machen, schrieb Ava DuVernay auf Twitter.

Golden Globe-Verband um Schadensbegrenzung bemüht

Doch nicht nur Cruise, auch NBC, sonst immer der Haussender der Golden Globes, zog nun Konsequenzen. Man werde die Globe-Gala im Jahr 2022 nicht auszustrahlen, hieß es. Der Globe-Verband HFPA müsse Zeit und Arbeit investieren, um größere Reformen umzusetzen. Gäbe es entsprechende Veränderungen, würde NBC die Gala im Januar 2023 wieder übertragen.

Die HFPA war sogleich um Schadensbegrenzung bemüht. „So schnell und so sorgfältig wie möglich“ wolle sie „längst überfällige“ Veränderungen durchführen, versprach die Organisation in einer Mitteilung. Auf einer Liste mit Eckdaten für die kommenden Monate hieß es etwa, man wolle Diversitäts-Berater einstellen, weitere Mitglieder finden und einen neuen Vorstand wählen.

Keine Schwarzen in Preis-Jury von Auslandsjournalist:innen

Hauptvorwurf gegenüber der HFPA sind die fehlende Diversität und intransparente Mitgliedschaftskriterien. Ein zentraler Kritikpunkt: Der Preis-Jury von Auslandsjournalist:innen gehören keine Schwarzen an. Die knapp 90 Mitglieder hatten bereits in der vergangenen Woche Reformen versprochen, so etwa die umgehende Aufnahme von 20 neuen Mitgliedern, vorrangig Afroamerikaner:innen. Auch soll es neue Richtlinien geben, etwa in Bezug auf Einladungen zu Filmevents. Die Annahme von Werbegeschenken wäre künftig verboten.

Die Neuerungen werden jedoch von Stars wie Scarlett Johansson und Mark Ruffalo sowie wichtige Firmen in Hollywood als unzulänglich kritisiert. Johansson (36, „Marriage Story“) sagte bereits am Samstag (08.05.2021), sie habe bei HFPA-Pressekonferenzen häufig sexistische Fragen gestellt bekommen: „Das ist exakt der Grund, weshalb ich es seit vielen Jahren ablehne, an deren Konferenzen teilzunehmen“, erklärte Johansson bei „Variety“.

Netflix und Amazon gehen zu Golden Globes auf Abstand

Netflix und Amazon kündigten an, die Zusammenarbeit mit dem Verband weiter ausgesetzt zu lassen. Auch die „Time‘s Up“-Organisation gegen Diskriminierung und ein Zusammenschluss von wichtigen PR-Firmen gingen zuletzt auf Abstand.

Die Globe-Absage des Senders NBC wurde nun von der „Time‘s Up“-Bewegung als großer Erfolg gefeiert. „Dies ist ein entscheidender Moment für Hollywood“, hieß es in einer Mitteilung. Das gemeinsame Vorgehen gegen die „mächtigen, aber stark fehlerhaften“ Auszeichnungen zeige, dass man tatsächlich gerechtere Bedingungen erwirken könne. (ktho/dpa)

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