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Renee Zellweger, als „Judy“ mit einem Golden Globe geehrt.

Filmauszeichnungen

77. Golden Globes: Was zu erwarten war

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Die Golden Globes krönen wieder einmal Filme, die eher konservativ sind.

Das alte Hollywood – nirgends zeigt es sich so hilflos gegenüber dem aktuellen Medienwandel wie bei den Golden Globes. Gerade bei dieser Preisverleihung, wo man doch eigentlich Film und Fernsehen zusammenbringen möchte, weiß man am wenigsten anzufangen mit den neuen Internet-Produkten. Spielfilme von Netflix und Amazon konkurrieren, auch wenn sie für das Heimkino entstehen, in der Kino-Kategorie. Da kommen sie aber kaum auf einen grünen Zweig.

So verlor Noah Baumbachs doch überragendes Ehedrama „Marriage Story“ in der Kategorie „bestes Drama“ gegen den technisch raffinierten, aber inhaltlich konservativen Kriegsfilm „1917“ von Sam Mendes; Martin Scorseses überschätztes, aber noch immer bedeutendes Netflix-Epos „The Irishman“ zählte zu den Verlierern des Abends, auch als Regisseur unterlag er gegen Mendes.

77. Golden Globes

Bestes Filmdrama– „1917“

Beste Komödie/Musical– „Once Upon a Time in Hollywood“

Bester Schauspieler Filmdrama– Joaquin Phoenix („Joker“)

Beste Schauspielerin Filmdrama– Renée Zellweger („Judy“)

Bester Schauspieler Komödie/Musical– Taron Egerton („Rocketman“)

Beste Schauspielerin Komödie/Musical– Awkwafina („The Farewell“)

Bester Nebendarsteller– Brad Pitt („Once Upon A Time in Hollywood“)

Beste Nebendarstellerin– Laura Dern („Marriage Story“)

Beste Regie– Sam Mendes („1917“)

Bester Filmsong– „I’m Gonna Love Me Again“ aus „Rocketman“ (Elton John, Bernie Taupin)

Bester nicht-englischsprachiger Film– „Parasite“ (Südkorea) (dpa)

Dabei folgte die in ihrer Arbeit wenig transparente Gilde der Auslandsjournalisten bei ihrer Preisvergabe geschmacklich ansonsten wieder dem Erwartbaren. Quentin Tarantinos umwerfendes Rendezvous mit der klassischen amerikanischen Filmkunst, „Once Upon a Time in Hollywood“, konnte ebenfalls als „Bester Film“ gewinnen, weil man den Genremix zur Komödie erklärt hatte.

Guter Gebrauch des Formats

So viel Glück hatte das Backstage-Musical-Biopic „Fosse/Verdon“ in der Fernsehsparte nicht. Bei den Miniserien gibt es – wer weiß warum – keine Trennung zwischen Drama und Komödie/Musical, so dass der Straßenfeger „Chernobyl“ konkurrenzlos dastand. Tatsächlich machte wohl kein Mehrteiler zuletzt so geschickt Gebrauch von den diesem Format eigenen Möglichkeiten, Spannungspunkte zu setzen: Auch wer die historischen Fakten kannte, fieberte jeder weiteren Folge entgegen.

Man nennt sie die Vorboten der Oscars, tatsächlich sind die Golden Globes zumindest vorlaut – indem sie all jene auszeichnen, die ihren Preis ohnehin schon bestellt zu haben scheinen. Das Biopic „Judy“ ist vielleicht überhaupt nur entstanden, damit Renée Zellweger darin singen, lachen und weinen kann wie kaum jemand sonst – und am Ende einen Preis gewinnt. Und das Oscar-Gold leuchtete auch schon in Joaquin Phoenix’ Augen, als „Joker“ beim Festival von Venedig Premiere hatte. Zwingend auch die Auszeichnungen für Brad Pitt (aber wieso soll sein Part bei Tarantino nur eine Nebenrolle sein? Er stiehlt den Film) und für Laura Dern: Als Anwältin krönte sie in „Marriage Story“ einen perfekten Film. Auch wenn die Golden Globes als Oscar-Vorboten nicht immer taugen, zumindest als Erinnerung sind sie etwas wert – an Filme, die man im Kino nicht verpassen sollte.

Filmkritik: Filmemacher Nicolas Pesce reduziert in seinem Relaunch einen japanischen Horrorklassiker auf den amerikanischen Normalzustand: „The Grudge“.

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