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Uzi Arad, ehemaliger Mossad-Agent

"Inside Mossad? Israels Agenten", Arte

Golda Meir musste keinen Befehl geben

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Autor Duki Dror kann mit seinem Film zeigen, dass der Mossad den ihm zugeschriebenen Ruf zu Recht hat.

Wie macht man einen Dokumentarfilm über Geheimagenten?  Ihre Operationen sind schließlich nicht sichtbar, und die Folgen ebenfalls nicht immer. Autor Duki Dror behilft sich bisweilen erwartungsgemäß mit Symbolbildern, Spielzeug-Soldaten auf Landkarten oder Schatten. Und er kann, da heute über die vergangenen 70, 80 Jahre genügend Filmmaterial zur Verfügung steht, auf einen reichen Fundus an Bildern zurückgreifen. Aber alles das hätte nicht gereicht, um einen spannenden Film zu drehen. Duki Dror aber hatte das seltene Glück, dass seine Zeitzeugen auspackten. Und kann mit seiner sehenswerten Arbeit zeigen, dass der Mossad den ihm zugeschriebenen Ruf zu Recht hat.

Jetzt reden sie. Jahre, Jahrzehnte nach Ende ihrer Dienstzeit. Die sie mit Verrat, Mord und Totschlag verbrachten, mit Folter vielleicht auch, aber darüber reden sie nicht. Sie sagen ja längst nicht alles, was sie wissen. Sie nennen kaum einmal Namen, wiewohl  sie sich gut erinnern. Aber Diskretion ist ihr Geschäft: Geheimagenten. 

„Inside Mossad– Israels Agenten“ heißt Drors Film, und es ist dem Autor gelungen, einige Mitarbeiter des vielleicht effektivsten Geheimdienstes des Planeten vor die Kamera zu bekommen.  Der Mossad wurde 1950, zwei Jahre nach der Staatsgründung Israels etabliert, um das Land im In- und Ausland zu schützen. Bald wurde aus dem Dienst eine schlagkräftige Organisation, die an allen Ecken und Enden der Erde mitmischte.

Nun sitzen sie da, alte Männer, manche drahtig, andere schwammig, und lassen die Weltgeschichte Revue passieren – bei der sie nicht nur ein Wörtchen mitredeten: Rafi Eitan, zum Beispiel, einer der Gründer des Mossad und der Mann, der Adolf Eichmann fing. Er habe ihn in Buenos Aires auf der Straße angesprochen und mit den Worten „Momentito, Senor“ zu Boden gerungen. 

Und Eitan erzählt, wie er den  SS-Obersturmbannführer Otto Skorzeny, eine Nazi-Größe, rekrutiert habe. Denn Israel wollte verhindern, dass deutsche Techniker  – meistens ehemalige Nazis – Ägyptens Staatschef Gamal Abdel Nasser beim Bau einer Rakete behilflich wären. Filmausschnitte zeigen einen Dialog mit Skorzeny über die Frage, ob er Angst habe, das Schicksal Eichmanns zu erleiden. Er aber zog den Verrat an seinen alten Gesinnungsgenossen vor, und die Szene seiner Beerdigung  1975 gehört zu den aufschlussreichen Momenten des Films, denn da zeigten Nazis den Hitlergruß – nicht ahnend, dass sie einen Verräter ehrten. 

Dror fragt nach  Zweifeln, Misserfolgen – von Erfolgen berichten seine Gesprächspartner ohnehin. Aber da hört er wenig.  Ram Ben-Barak, Mossad-Chef 2009 bis 2011 und bei aller Nüchternheit, „Coolness“ eher, erkennbar stolz darauf, seinem Land gedient zu haben, sagt, dass nur „einer unter tausend“ für den Job geeignet sei. Tzwi Zamir gehörte dazu, Leiter des Mossad 1968 bis 1974 und zuständig, als palästinensische Terroristen israelische Sportler während der Olympischen Spiele in München 1972 ermordeten. Zwmir ist noch heute empört über den Dilettantismus der deutschen Behörden, und er lässt durchblicken, dass er auch den folgenden Rachefeldzug gegen die Terroristen leitete: „Golda Meir gab mir keine Befehle dazu – weil ich keine brauchte.“ 

Eitan gewährt einen Einblick in die Psyche der Agenten. Nichts habe ihn damals gestört, wenn es darum ging, „unsere Ziele zu erreichen“. Man müsse die Fähigkeit besitzen, „in bestimmten Situationen ein ganz anderer Mensch zu sein“. Wie schwer das bisweilen fiel, deutet die einzige Frau an, die Dror Rede und Antwort steht, Tamar nennt sie sich und findet es „nicht empfehlenswert“, als Frau im Ausland zu spionieren: Sie war 1973 nach Ägypten eingeschleust worden, mit einem Kollegen spielte sie in der Gesellschaft ein Paar – und wurde es auch real – bis ihr Führungsoffizier die Beziehung beendet habe. 

Aber dem Wohle des Staates Israel wurde eben alles untergeordnet. Die Agenten berichten von ihren Einsätzen im Iran, wo sie bis zu Khomeinis Machtübernahme mit dem Geheimdienst Savak kooperierten (dazu gehörten übrigens auch die „Jubelperser“ am 2. Juni 1967 in Berlin), sie schildern die Infiltration in den Südsudan, um das Vordringen der Araber zu verhindern, und ihre Verwicklungen in den Bürgerkrieg im Libanon – wo die mit Israel verbündeten christlichen Falangisten ein Massaker im Flüchtlingslager Sabra und Schatila anrichteten: Ex-Agent Yehiam Mart, 25 Jahre dabei, sagt dazu den Satz, der die Haltung von seinesgleichen auf den Punkt bringt:  „Man kann die Hisbollah nicht mit den Begriffen und Verhaltensnormen des belgischen Schriftstellerverbandes besiegen.“

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