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Wo wären wir heute ohne „Die Simpsons“?

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Es gibt kein richtiges Leben ohne „Die Simpsons“

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Wer „Die Simpsons“ nicht mag, hat etwas im Leben nicht verstanden. Eine Hommage an die Familie aus Springfield. Die Serienkolumne „Nächste Folge“.

Frei nach Theodor W. Adornos berühmtem Satz kann man sagen: Es gibt kein richtiges Leben ohne „Die Simpsons“.

Gesellschaftskritisch, zynisch und dabei immer überaus komisch. So präsentiert sich die Familie aus Springfield seit 30 Jahren. Der Humor und die Themen haben Generationen geprägt. Und beim Thema „Simpsons“ darf man auch einmal absolut werden: Wer diese Serie nicht mag, hat etwas im Leben nicht verstanden.

Wo wären wir heute ohne „Die Simpsons“? Würden wir dann alle einfach ganz normal „Mist“ oder „Verdammt“ sagen, wenn etwas schief geht? Und nicht, ganz homer-esk, ein lautes, verzweifeltes „Neinnn!“ ausrufen? Wie blöd wäre das denn bitte?

Und mal ganz ehrlich: Es gehört einfach zum guten Ton, dass man auf Fragen, in denen das Wort „klug“ vorkommt, ein Lied anstimmt und „K-L-U-K“ buchstabiert. Alles andere wäre schlicht unhöflich.

„Die Simpsons“ sind nicht „Kult“ – wie es so oft heißt – sondern Kultur. Und wie mit allen kulturellen Errungenschaften hat zwar nicht jeder Ahnung davon, sollte sich dem aber nicht entziehen. Dafür sind „Die Simpsons“ eine zu gelungene Gesellschaftskritik.

Bösartige Abrechnung mit der US-amerikanischen Alltagskultur

Angelegt ist die Serie als bösartige Abrechnung mit der US-amerikanischen Alltagskultur. Nicht alles, aber das meiste, funktioniert auch international. Insbesondere das überzeichnete Bild des Kleinbürgertums, das die Familie Simpson darstellt. Mutter Hausfrau, Vater unzufriedener und inkompetenter Arbeitnehmer, drei Kinder, ein böser Junge, ein gutes Mädchen und ein vernachlässigtes Baby. Die Familie ist der Kern, aus dem heraus gesellschaftliche Missstände aufgezeigt und völlig ad absurdum geführt werden.

„Die Simpsons“ bleiben immer aktuell. Man kann 25 Jahre alte Folgen ansehen, und es geht um Themen, die uns heute auch jeden Tag beschäftigen. Zum Beispiel wenn Homer sagt: „Ich bin ein weißer Mann zwischen 18 und 49. Alle Welt hört auf mich, ganz egal welchen Unsinn ich verzapfe.“

„Die Simpsons“ sind die Serie der Moderne. Da kann kein „Game of Thrones“, kein „Breaking Bad“, kein „The Wire“ mithalten. Dort wurden zwar große Geschichten erzählt. Aber „Die Simpsons“ erzählen „unsere“ Geschichte, die Geschichte der westlichen Welt, und haben dabei einen klaren Blick auf die Funktionsweisen dieser Gesellschaft. Siehe die Voraussage eines Präsidenten Donald Trump, in der Folge „Barts Blick in die Zukunft“ aus dem Jahr 2000.

„Die Simpsons“ bei Disney+

Ja, „Die Simpsons“ haben nachgelassen. Die ein oder andere Folge ist noch richtig gut, aber der Rest fühlt sich schon seit Staffel 23 dauerhaft wie Füllerfolgen an. Aber das ist schon nicht mehr wichtig. „Die Simpsons“ sind als Serie ein Kulturgut, das es so kein zweites Mal gibt. Sätze der Serie schaffen es als geflügelte Worte in den täglichen Sprachgebrauch, jeder kennt die gelben Figuren.

Es gibt kein richtiges Leben ohne „Die Simpsons“, weil sich die Serie so sehr nach „zu Hause“ anfühlt. Und da ist dann auch wieder der Zusammenhang mit Adorno (der Originalsatz ist der Abschluss eines Aphorismus, der den Schwierigkeiten gewidmet ist, sich in modernen Zeiten irgendwo häuslich einzurichten). „Die Simpsons“ sind nicht die beste, kritischste oder komplexeste Serie. Sie punkten mit dem Wohlfühlfaktor, denn sie sind ein Zwischending zwischen grotesker und deprimierender Gesellschaftskritik à la „South Park“ und Heile-Welt-Familienserie.

Disney+, der neue Streaming-Anbieter, der Netflix und Amazon Prime Konkurrenz machen wird, wird 30 Staffeln der „Simpsons“ im Programm haben. „Juhuu!“ Der Dienst startet am 12. November in den USA, Kanada und den Niederlanden, eine Woche später folgen Australien und Neuseeland. Wann Disney+ auch in Deutschland verfügbar ist, ist noch nicht klar. „Neinnn!“

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