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In der Nacht von Sonntag auf Montag werden in Los Angeles die Oscars verliehen. Überlebensgroße Figuren stehen schon einmal vor dem Dolby Theatre und warten auf die Oscar-Nacht.
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In der Nacht von Sonntag auf Montag werden in Los Angeles die Oscars verliehen. Überlebensgroße Figuren stehen schon einmal vor dem Dolby Theatre und warten auf die Oscar-Nacht.

Oscars

Es gibt doch mehr als „The Revenant“

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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Auch in diesem Jahr gibt es genug Filme, deren Macher sich nichts vorzuwerfen brauchen – und die doch wohl übergangen werden. Das Derbe wird wohl die Oscars dominieren. Der FR-Filmkritiker erklärt, wem er einen Oscar geben würde.

Oscar-Verleihungen sind wie die meisten Hollywood-Filme: Man weiß, was man erwarten kann und ist ab und an dann doch überrascht, wie es ausgeht. Im Guten wie im Schlechten. Auch in diesem Jahr gibt es genug Filme, deren Macher sich nichts vorzuwerfen brauchen – und die doch wohl übergangen werden.

Sowohl das Missbrauchsdrama ?Spotlight? als auch der bislang schlüssigste Wirtschaftsthriller aus dem Finanzwesen, ?The Big Short?, sind untadelige Filme, auch wenn es bessere „beste Filme“ gab – doch die wurden gar nicht nominiert („Alles steht Kopf“, „Carol“). Gewinnen aber wird trotzdem ?The Revenant? – jener Film, den der Kritiker des Magazins „New Yorker“ den „Donald Trump“ in diesem Trio nannte: „eitel, derb und tosend“.

Sicher, es gäbe unter den Nominierungen noch etwas Derberes (Georges Millers wunderbar gemachter ?Mad Max: Fury Road?), aber „The Revenant“ dürfte es wohl werden. Und mit ihm wird auch Leonardo DiCaprio endlich sein eigen nennen, was er schon längst hätte haben können, wenn er sein überragendes Talent etwas häufiger in künstlerische Filme eingebracht hätte.

Aber wird man wirklich noch einmal den „besten Regisseur“ vom letzten Jahr, Alejandro G. Iñárritu ehren? Auch das ist zu befürchten, obwohl es schön wäre, stattdessen Adam McKay für die klirrende Konzentration von „The Big Short“ auszuzeichnen oder George Miller für die Krönung seines inhaltlich anspruchslosen aber formal bedeutsamen „Mad Max“-Lebenswerks.

Als beste Hauptdarstellerin hätten sicher auch die Akademiemitglieder gerne Charlotte Rampling für „45 Years“ ausgezeichnet, eine Glanzleistung auch nach 43 Jahren Berufserfahrung. Leider konnte sie es nicht lassen, im Januar im französischen Radio die Debatte über fehlende Schwarze unter den Nominierten als „Rassismus gegen Weiße“ zu bezeichnen, denn vielleicht seien die Schwarzen diesmal ja nicht gut genug gewesen. Nach den Wogen, die ihre Äußerung schlug, kann man sich fragen, ob sie sich überhaupt noch unter die Gäste traut. Afroamerikanischen Kollegen dürfte sie dort ohnehin kaum begegnen, Will Smith und Spike Lee haben bereits ihren Boykott erklärt.

So stünden die Chancen gut für Cate Blanchett in „Carol“, aber da sie schon zwei Oscars hat, ist jetzt Brie Larson an der Reihe. Im Drama „Raum“ spielt sie eine Mutter, die fünf Jahre mit ihrem Sohn in einem Zimmer eingesperrt ist – eine Tour de Force, wie man sie gerne honoriert.

Auch bei den Nebendarstellern dürfte das lesbische Liebesdrama „Carol“ übergangen werden, so eindrücklich Rooney Mara spielte (absurd genug, dass sich das Nebenrolle nennt, es ist eine gleichwertige Hauptrolle). Als Favoritin gilt Alicia Vikanda in „The Danish Girl“, doch der Kritiker setzt auf Jennifer Jason Leigh: Tarantinos „The Hateful Eight“ verdankt alles ihren Großaufnahmen, finster, bodenlos und doch immer faszinierend.

Hoffentlich beste Fotografie

Für die besten Filme des Jahres bleiben die weniger prominenten Kategorien: „Alles steht Kopf“ gewinnt für das beste Originaldrehbuch und den besten Animationsfilm, „Carol“ für das beste adaptierte Skript. Und hoffentlich auch für die beste Fotografie, was dem letztjährigen Träger des Marburger Kamerapreises, Ed Lachman, sehr zu gönnen wäre.

Mit gleich zwei Preisen dürfte die Filmakademie filmische Auseinandersetzungen mit dem Holcoaust auszeichnen: Der Interviewfilm „Claude Lanzmann: Spectres of the Shoah“ setzt den großen Dokumentaristen mit seinen eigenen Stilmitteln ins Bild – und könnte „bester Dokumentar-Kurzfilm“ werden. Als bester fremdsprachiger Film sollte „Son of Saul“ gewinnen: Aus der Perspektive eines Auschwitz-Insassen führt dieser Film mit originär filmischen Mitteln ins Zentrum des Schreckens – und lebt doch mehr von der Vorstellung als von der Abbildung. Aus unverständlichen Gründen abgelehnt von der Berlinale, reüssierte das Drama 2015 in Cannes, einen deutschen Kinostart gibt es immer noch nicht. Das allerdings sollte sich nach der Verleihung am kommenden Sonntagabend ändern…

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