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Film

Geschichten aus dem heiligen Bezirk

Schönheit und Schmerz liegen in "Caramel", dem Debütfilm der libanesischen Regisseurin Nadine Labakis, nahe beieinander. Von Michael Kohler

Von xxmk

In Nadine Labakis einladendem Debütfilm geht man als Mann hinein und kommt als Mäuschen wieder heraus. Ein solches Tier darf der maskuline Teil des Publikums nämlich im Schönheitssalon der weiblichen Heldin spielen und erhält so unerwartet Einlass in einen heiligen Bezirk. Schon der Vorspann lockt mit süßen Geheimnissen: Zarte Hände kneten das titelgebende Karamell in die gewünschte Form, um die zähe Masse später zum Epilieren zu verwenden.

Schönheit und Schmerz liegen im Salon "Si belle" nicht nur in dieser Hinsicht nahe beieinander. Vor nicht allzu langer Zeit schaute Tonie Marshall in "Schöne Venus" hinter die Spiegel eines französischen Schönheitsinstituts, da passt es, dass Labakis "Caramel" im kriegsversehrten Beirut, dem ehemaligen Paris des Nahen Ostens, spielt. Im Wesentlichen bevölkern drei Freundinnen das "Si belle", um einander ihre Schwierigkeiten in Liebesdingen zu erzählen - oder auch eisern zu verschweigen.

Die Besitzerin, Layale, von der Regisseurin selbst gespielt, hat eine Affäre mit einem verheirateten Mann, die schöne Nisrine (Yasmine Al Masri) bangt ihrer Hochzeitsnacht entgegen, weil sie keine Jungfrau mehr ist, und für Rima (Joanna Moukarzel) erfüllt sich ihre Liebe zum gleichen Geschlecht allein im Verborgenen. Das alles sind mehr oder weniger offene Geheimnisse, die im Schönheitssalon sicher aufgehoben sind.

Keine Schaumschlägerei

Nicht nur wegen der vielen Spülbecken muss man bei dieser Konstellation gelegentlich an eine Seifenoper denken. Allerdings ist Labaki alles Schaumschlägerische fern, ihre Sache ist eher das Fein-Cremige, mit dem sich die Mühsal des Alltags für einige Augenblicke verzaubern lässt. Unter dem orientalischen Schmelz bleiben die Möglichkeiten und Grenzen eines nahöstlichen Frauenlebens gleichwohl ständig präsent.

Labaki widmet sich ihnen mal gerade heraus, wie beim Besuch einer Spezialklinik für die Rekonstruktion von Jungfernhäutchen, mal eher wie durch einen reizvollen Schleier. Alles in allem wirkt dieses Beirut beinahe idyllisch, vielleicht hat Labaki deswegen noch die etwas dick aufgetragene Geschichte einer Demenzkranken in die Erzählung aufgenommen.

Am gelungensten ist "Caramel" immer dann, wenn sich in kleinen Gesten die im Wandel begriffenen Geschlechterverhältnisse offenbaren. Man muss einfach gesehen haben, wie der Lieferjunge jeden Abend vergeblich auf ein Zeichen Rimas wartet, oder wie sich eine bildschöne Kundin ihre langen Haare auf Schulterlänge stutzen lässt und diesen Moment des Aufbruchs vor einer spiegelnden Schaufensterscheibe feiert.

Am Ende wagt sich dann doch ein Mann aus Fleisch und Blut in den Salon: Ein Streifenpolizist, der Layale seinen Strafzettel so umständlich wie einen Liebesbrief überreichte und seitdem bevorzugt vor dem "Si belle" nach dem Rechten sieht. Als er sich schließlich in die Hände seines Schwarms begibt, wird er es nicht bereuen. Zwar verliert der Gesetzeshüter seinen Schnurrbart, doch wer weiß, was er im Gegenzug dafür gewinnt.

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