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TV-Kritik

„Die Geschichte von Pferd und Mensch. Equus“ (Arte): Sentimentale Reise

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Dokumentation über einige Aspekte der gemeinsamen Geschichte von Mensch und Pferd.

Menschheitsgeschichte ist Pferdegeschichte, heißt es am Ende dieses in der Intonation von Off-Text und Musik vergleichsweise pathetischen Dokumentarfilms. Wenn das stimmte, dann bestünde allerdings die Menschheitsgeschichte aktuell überwiegend aus Sport und Freizeit. 

Zumindest in modernen kapitalistischen und industrialisierten Gesellschaften werden Pferde als Energielieferanten und Transportmittel kaum noch gebraucht, und ihr Fleisch sowie Produkte aus Stutenmilch sind eher Nahrungsmittel für Minderheiten. Pferde sind bei Turnieren und auf Rennbahnen zu finden, spielen in der Freizeitgestaltung vieler Menschen eine wichtige Rolle, aber in der beruflichen Sphäre nur mehr von wenigen.

Die enge Verflechtung von domestizierten Pferden mit der Menschheit scheint sich seit anderthalb Jahrhunderten stark ausgedünnt zu haben. Davor aber war die Partnerschaft haltbar und von unermesslichem Nutzen vor allem für die Menschen. Der Frage, wie die Pferde das einschätzen und was sie davon hatten, wird in dem Film nicht weiter nachgegangen. 

Ähnlich wie bei Mensch und Hund

Dennis Wells und Niobe Thompson gehen in ihrer Dokumentation weit zurück in vorgeschichtliche Zeiten, zu den Forschungsgegenständen von Archäologen, Paläontologen und Paläontologen. Sie zeigen die Rekonstruktion eines Urpferdchens, das noch gar nicht wie ein Pferd aussieht, und verfolgen die morphologischen Veränderungen dieser Tierart, bis es diese vielfältigen Gestalten und Qualitäten hat, mit denen es heute über den Erdboden trabt. 

Sie deuten auf die enorme Brauchbarkeit des Pferdekörpers für die Menschen, die während der ersten Jahrtausende der gemeinsamen Geschichte Pferde vor allem jagten und aßen. Und sie erzählen Geschichten von der Domestizierung der Pferde, die vor ungefähr 6000 Jahren in Zentralasien begann. 

Sie erzählen von frühen Pandämien wie dem schon prähistorischen Auftauchen der Pest, schweifen ein wenig vom Thema ab, zeigen dann aber doch immer wieder Reiter, wehende Mähnen, galoppierende oder grasende Pferde unterschiedlichster Statur und Größe. Das ist hübsch und recht sentimental, aber verzeihlich. Denn wer mit Pferden zu tun hat, dem sind die gegenseitigen Gefühle immer das Zentrum der Beziehung; das ist ähnlich wie bei Mensch und Hund.

Pferde spielen im Krieg eine große Rolle

Was der Film nur am Rande streift, ist die Arbeit, die das Pferd im Laufe der Menschheitsgeschichte geleistet hat. Auf dem Acker, beim Ziehen von Lasten und vor allem (und mit enormen Erfolgen) im Krieg. Denn leider ist die Menschheitsgeschichte immer auch Kriegsgeschichte gewesen, also Eroberungs- und Massenmetzel-Geschichte, und da spielen Pferde eine enorme Rolle.Die Streitwagen und Reiterheere der Frühgeschichte, der Antike und des Mittelalters, Magyaren und Hunnen, Ritter und andere Kavalleristen haben Pferde als Kriegswaffe und Zugtiere gebraucht. 

Das ist nicht die Schuld der Pferde, hätte aber in einem Film über die gemeinsame Geschichte von Pferd und Mensch einer ausführlicheren Würdigung bedurft. Stattdessen geht es dann um nordamerikanische native Americans und um Narrative über Rennen und über Stolz und andere schöne Sachen. Warum auch nicht, schließlich ist Samstagabend.

Die Geschichte von Pferd und Mensch. Equus, Dokumentarfilm von Dennis Wells und Niobe Thompson, 2018, 20. April, 20:15 Uhr, Arte

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