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Gere zu Besuch im Regierungsviertel

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Richard Gere ließ sich von Grünen-Politikerin Claudia Roth durchs Regierungsviertel führen.
Richard Gere ließ sich von Grünen-Politikerin Claudia Roth durchs Regierungsviertel führen. © dpa

Prominenter Besuch in Berlin: Schauspieler Richard Gere ist nicht nur wegen der Berlinale in Deutschland. Sein Einsatz für die Rechte der Tibeter führt den Schauspieler auch in die Politik.

Von Jennifer Wagner

Die Begrüßung ist, selbstverständlich, herzlich. Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth und Schauspieler Richard Gere fallen sich vor dem Jakob-Kaiser-Haus lachend in die Arme. Auf dem Weg zu ihrem Büro legt der 67-Jährige der Grünen-Politikerin immer wieder einen Arm um die Schulter – sie seien „alte Freunde“, schwärmt Gere mit einem Hollywood-Lächeln. Der Schauspieler verbindet bei diesem Berlin-Besuch das Nützliche mit dem Politischen: Am Mittwoch besucht er seine Freundin Roth im Bundestag, am heutigen Donnerstag wird er sogar von der Kanzlerin empfangen – und am Freitag stellt er seinen neuen Film „The Dinner“ auf der Berlinale vor.

Richard Gere hat ein Anliegen: Seit den frühen 1980er Jahren engagiert sich der Schauspieler für die Menschenrechte der Tibeter, er ist mittlerweile gar Vorsitzender der International Campaign For Tibet. Der Verein setzt sich für Demokratie und die Sicherung der Menschenrechte in Tibet ein sowie für den Schutz von Kultur und Umwelt auf dem „Dach der Welt“.

Gere hofft, Deutschland als Partner dafür zu gewinnen, die Situation für die Tibeter zu verbessern. Die Bergregion gehört offiziell zur Volksrepublik China. Für viele Tibeter ist ihr Land von China besetzt. So floh etwa der Dalai Lama, geistliches Oberhaupt der Tibeter und ein Freund von Richard Gere, 1959 nach Indien. Dort residiert die tibetische Exilregierung, die nicht aufgibt, die Souveränität der Region zu verlangen.

Umstrittener Aktivismus

Dass es Gere mit diesem Anliegen bis ins Kanzleramt schafft, ist nicht selbstverständlich. Erwarb sich Merkels Vorgänger Gerhard Schröder durch Inszenierungen wie seinen „Wetten, dass?“-Auftritt zwischen Hollywoodstars auf Gottschalks Couch schnell den Beinamen des Medienkanzlers, zählt derlei Glamour nicht zu Merkels Regierungsstil. Es gab Begegnungen mit Facebook-Chef Mark Zuckerberg, mit dem sie über Hassparolen im sozialen Netzwerk sprach, und ein Mittagessen mit U2-Sänger Bono beim UN-Gipfel in New York, um über Afrikahilfe zu reden. Vor einem Jahr empfing sie Schauspieler George Clooney mit dessen Frau, Menschenrechtsanwältin Amal Clooney, im Kanzleramt, um über die Flüchtlingssituation zu sprechen. Auf der Berlinale hatte er zuvor die Politik Merkels gelobt.

Politischer Aktivismus von Hollywoodstars ist jedoch stets umstritten geblieben: reine Imagepflege, zu oberflächlich, wirkungslos – so die Vorwürfe. Gere spricht immerhin schon seit Jahrzehnten mit internationalen Gremien über die Situation in Tibet, wie auch mit dem Europäischen Parlament. Das habe durchaus seine Wirkung, ist sich der deutsche Geschäftsführer der Campaign for Tibet, Kai Müller, sicher. „Wir rufen Politik und Öffentlichkeit dazu auf, auf die chinesische Regierung einzuwirken“, sagt Müller der FR. „Die in Berlin stattfindenden Gespräche sind in diesem Sinne ein ermutigendes Zeichen.“

Solche Treffen schaffen nämlich vor allem eins: Aufmerksamkeit. „Wenn sich Prominente für Menschenrechte einsetzen und ihre Prominenz dafür nutzen, sich mit hochrangigen Politiker zu treffen, bringt das das Thema wieder in die Medien“, bestätigt Wolfgang Büttner, Sprecher von Human Rights Watch. „Natürlich ist es auch eine Unterstützung für diejenigen, die sich in dem jeweiligen Land für Menschenrechte einsetzen.“ Zudem bestehe die Möglichkeit, dass das jeweilige Thema wieder auf die Agenda des kritisierten Regimes komme.

Dass auch Gere nach seinem Kanzlerinnentreff deren Politik lobt, ist jedoch fraglich. Tibet ist kein drängendes Thema auf Merkels Agenda. Zudem stehe Berlin grundsätzlich zur Ein-China-Politik, wie Regierungssprecherin Ulrike Demmer betonte. „Das gilt natürlich auch in Bezug auf Tibet.“

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