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Christopher Plummer.
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Christopher Plummer.

Nachruf auf Christopher Plummer

Gentleman und Tausendsassa

  • Daniel Kothenschulte
    vonDaniel Kothenschulte
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Zum Tod des großen kanadischen Charakterdarstellers Christopher Plummer.

In einigen Salzburger Hotels kann man Christopher Plummer in Endlosschleife sehen. Auf einem eigenen Fernsehkanal bietet man Touristen da „The Sound of Music“ an, das in den USA so beliebte Musical, das im deutschsprachigen Raum kaum jemand mag. Der Darsteller des knorrigen Kapitäns von Trapp sah es die meiste Zeit seiner langen Karriere ähnlich, die er durch diesen Film auf ein Mittelmaß geeicht sah. Erst 2011 zeigte der Kanadier eine gewisse Milde gegenüber seinem einstigen Durchbruch zum Weltstar: „Die Leute waren unnatürlich sentimental gegenüber diesem Film, deshalb war ich immer dagegen. Aber vor ein paar Jahren bin ich zu einer Osterfeier gegangen und musste das ganze verdammte Ding mit den Kindern durchsitzen. Ich war ein Gefangener! Und dann dachte ich, es hat doch alles, die hübschen Lieder, die Nazis, die Nonnen und die Kinder. Es ist zeitlos, und ich bin dankbar dafür.“

Auch seinen einzigen Oscar erhielt er nicht für eine besonders anspruchsvolle Rolle. Immerhin machte ihn sein Auftritt als Ewan McGregors schwuler Vater in „Beginners“ mit 81 Jahren zum bislang ältesten Empfänger der Trophäe. Aber das Kino war für diesen großen Gentleman wohl eher das prominente Schaufenster gegenüber seiner wahren Liebe, dem Theater.

In seiner kanadischen Heimat, beim Shakespeare-Festival in Ontario, spielte er nahezu alle großen Hauptrollen in dessen Dramen. Auf dem Broadway gelangen ihm Erfolge in Brechts „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ und als Titelheld in der Musicalversion des „Cyrano“. Ohne seine Theatererfahrung hätte er auch kaum die wohl kurioseste Herausforderung seiner Filmkarriere meistern können – den Nachdreh einer ganzen Hauptrolle in Ridley Scotts „Alles Geld der Welt“ als Kevin Spacey herausgeschnitten wurde. „Ich musste die Rolle so schnell lernen und dachte nur, wie schaffe ich das? Aber das sind eben die Jahre im Theater. Da wird man auf solche Notfälle trainiert. Die ganze Theatererfahrung ist ein einziger Notfall“. Umso entspannter erlebte man Christopher Plummer in seinen Filmrollen: Als Sherlock Holmes in „Mord an der Themse“ (1979), als charismatischer Schurke im Bankraub-Thriller „Dein Partner ist der Tod“ (1978), als brillanter TV-Anchorman in „The Insider“ (1999).

Gandalf lehnte er ab

Der Urenkel eines kanadischen Premierministers brachte eine natürliche Noblesse in viele seiner Rollen ein, eine Qualität, die ihn zur ersten Wahl machte, wenn es alternde Weisheit zu besetzen galt: Da konnte er es sich auch leisten, die Rolle des Gandalf im „Herrn der Ringe“ nur deshalb abzulehnen, weil er nicht vier Jahre in Neuseeland leben wollte.

Aber auch als er noch eher die „zweite Geige“ spielte, machte er sich unvergesslich: Als Rudyard Kipling an der Seite von Sean Connery und Michael Caine in John Hustons Klassiker „Der Mann, der König sein wollte“. Als Herodes in Zeffirellis „Jesus von Nazareth“ oder als Dr. Goines in Terry Gilliams „Twelve Monkeys“. Gilliam war es auch, der Plummer eine seiner originellsten Rollen auf den Leib schrieb, die Titelfigur in „Das Kabinett des Doktor Parnassus“. Christopher Plummer streifte sich all diese Charaktere so leichthändig über, als sei Schauspielerei so einfach wie eine Kostümprobe. Mit 91 Jahren ist er am vergangenen Freitag an den Folgen eines Sturzes gestorben.

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