Als Coach im Einsatz: Sängerin Nena.
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Als Coach im Einsatz: Sängerin Nena.

"The Voice of Germany"

Gemeinsam beim Gospel

Nena und Kim Sanders wälzten sich bei „The Voice Of Germany“ eng umschlungen glückstrunken auf dem Boden – und dieser Gefühlsausbruch wirkte nicht mal wie eine kitschige Pose, sondern schien echt und natürlich.

Von Torsten Wahl

Bei „The Voice of Germany“ haben sich immer noch alle ganz doll lieb – doch dieses Kuschelkonzept ist spannender als erwartet. Denn „The Voice“ setzt auch beim Zuschauer positive Energien frei, als wäre diese Casting-Show ein Gospelabend, bei dem sich alle an den Händen fassen und von der Kraft der Musik erlösen lassen.

Dabei steckt „The Voice of Germany“ ja eigentlich in der Zwickmühle, denn der Modus erlaubt nicht nur das Feiern, sondern verlangt das Feuern. Doch das Preisen der Sänger steht obenan: Coach Rea Garvey weiß selbst, dass es eigentlich langweilig und hohl klingt, wenn er beteuert „Ihr seid alle Gewinner“ – und doch ist es nicht falsch. Denn bei „The Voice of Germany“ sind inzwischen tatsächlich nur noch starke Stimmen und originelle Charaktere im Rennen, die dem Bewerbern der Dieter-Bohlen-Klippschule künstlerisch weit überlegen sind.

Mit welch sanften Kraft Kim Sanders Roberta Flacks Ballade „Killing My Softly“ sang, welchen Furor der flippige Mittvierziger Percival bei der Stadion-Hymne „The Seven Nation Army“ verbreitete oder mit welcher Entrücktheit Behnam im Schneidersitz Johnny Cashs „Hurt“ sang, das dürfte keinen kalt gelassen haben. Trotzdem sind die Kandidaten nicht nur Kollegen, sondern Konkurrenten.

Respektvoller Umgang

Doch von Anfang an verweigerten sich vor allem die fünf Coaches dem allzu martialischen Rahmen, der beispielsweise Duette als „Battles“ verkaufen wollte. Ob Nena, Xavier Naidoo, The BossHoss oder Rea Garvey, sie sticheln höchsten untereinander, gehen aber stets respektvoll mit ihren Schützlingen um, bauen sie auf und reden sie stark. Das allein setzt sich wohltuend von den immergleichen Lästereien bei Bohlens RTL-Show ab.

So ist „The Voice of Germany“ tatsächlich eine Casting-Show für alle diejenigen geworden, die ansonsten keine Casting-Show mehr sehen können – sie ist einfach erwachsener, reifer, stilvoller und vor allem viel musikalischer. Wer mit den fünf Coaches und den mittlerweile noch zwölf Sängern seit Wochen mitgegangen ist, dabei wirkliche Entwicklungen miterlebt hat, der wünscht sich einen noch radikaleren Schritt: Einfach das krampfige „Rauswählen“ und die blöde „Und du bist raus“-Inszenierung abschaffen und ab sofort alle bis zum Schluss drinlassen. Denn nur so bleibt der Abend so vielstimmig wie bisher.

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