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Geld oder Gau

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Von: Arno Widmann

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Anne Will.
Anne Will. © Screenshot

Raus aus der Kernenergie wollen alle. Für den Einsatz gegen Libyen sind alle. Und die Frage zwischen Geld oder Gau stellt sich eigentlich auch nicht. Bei Anne Will spielt nur einer das „Rumpelstilzchen“.

Raus aus der Kernenergie wollen alle. Für den Einsatz gegen Libyen sind alle. Und die Frage zwischen Geld oder Gau stellt sich eigentlich auch nicht. Bei Anne Will spielt nur einer das „Rumpelstilzchen“.

Arnulf Baring, 1932 in Dresden geboren, war wieder dabei. In der Rolle, die er kann und für die er geliebt und gehasst, vor allem aber wohl bezahlt wird: das Rumpelstilzchen. Er sieht das selbst so: „Hier sitze ich zwischen lauter Idealisten und sehe mich gezwungen das Rumpelstilzchen zu spielen.“ Rumpelstilzchen half der Müllerstochter Stroh zu Gold zu spinnen. Baring hat das Märchen missverstanden und so spinnt er noch aus dem schönsten Gold sein Stroh. So etwas kommt vor.

Außer Arnulf Baring saßen bei Anne Will: Wolf von Lojewski, Theo Sommer, Daniel Goeudevert und Hiltrud Schwetje. Letztere war schön und klug wie damals als sie noch Schröders Hillu war. Sie, 1948 in Hannover geboren, erklärte einem ständig „falsch!“, „falsch!“ dazwischen brüllenden Baring, dass die japanischen Kernkraftwerke auf Erdbebenstärke 8,2 eingerichtet waren, nicht weil man neun für ein völliges Ding der Unmöglichkeit hielt, sondern weil die Anlagen erheblich teurer geworden wären, wenn man sie auf neun hätte einrichten müssen.

„Wir müssen uns entscheiden zwischen Geld oder Gau“, erklärte daraufhin Theo Sommer, geboren 1930 in Konstanz, Ex-Chef der Zeit. Er konnte der Alliteration nicht widerstehen. Erst ein paar Minuten vorher hatte er klargemacht, dass es keine Sicherheit gebe, dass die Kernkraft also nicht beherrschbar sei. Wenn dem so ist, haben wir nicht die Alternative zwischen Geld oder Gau. Am Ende steht allemal der Gau.

Raus aus der Kernenergie wollten alle. Die einen lieber sofort, die anderen bleiben noch gerne ein paar Jahrzehnte auf der Brücke. Daniel Goeudevert, 1942 in Reims geboren, Ex-Literaturstudent und Automobilmanager, meinte, solange die Kraftwerkunfälle weit weg stattfänden, werde die Menschheit wenig daraus lernen. Ein Unfall in Japan werde die USA nicht erschüttern. Die haben schon erklärt, dass sie in den nächsten Jahren 35 neue Kernkraftwerke bauen werden. Sie erden davon erst abkommen, wenn ihren Anlagen in Kalifornien etwas passiert.

„Die Politik“, so Goeudevert, „braucht immer erst Katastrophen, um das Erforderliche zu tun. Sie kann es nicht tun, um eine Katastrophe zu verhindern. Die Politik hat die Führung längst abgegeben. An die Wirtschaft. Es wäre die Aufgabe der Politik, die Wirtschaft in ihre Schranken zu weisen. Aber die Politik ist die Geisel der Wirtschaft“.

Ach so: Für den Einsatz gegen Libyen waren alle. Alle kritisierten die Enthaltung der Bundesregierung.

Anne Will, Sonntag (20.03.2011), ARD, 22 Uhr

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