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Kreisbildung bei der Rostocker Kripo.

Polizeiruf, ARD

Sie geht zu weit und geht weiter

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Beim Rostocker Polizeiruf "Für Janina" geht es um den Mord an einer jungen Frau zur Wendezeit.

Der Rostocker NDR-Polizeiruf verfolgt durchaus nicht nervend eine übergeordnete Dramaturgie, die nicht nur darin besteht, dass Bukow und König, Charly Hübner und Anneke Kim Sarnau, versehentlich und immer weniger versehentlich einander nahe kommen. Es zeigen sich auch seit jeher Gesetzeskonflikte, die Kriminalbeamten schlecht zu Gesicht stehen. Diesmal geht König zu weit. Bukow sagt ihr, dass sie zu weit geht. Sie geht weiter. Das ist eine krasse Grenzüberschreitung, es wird aber auch als krasse Grenzüberschreitung erzählt. So kann das nicht weitergehen.

So kann das nicht weitergehen, denkt allerdings auch König, als die verzweifelte Mutter einer zur Wendezeit ermordeten jungen Frau bei der Kripo vorspricht. Der Fall blieb damals ungelöst, der Verdächtige wurde freigesprochen, in „Für Janina“ bleibt es aber nicht lange ein Geheimnis, dass dieser Mann tatsächlich der Täter gewesen sein muss. Eine DNA-Analyse  kann es heute auch beweisen, nur hilft es nach dem Freispruch juristisch nichts mehr. 

Für Bukow und König hat es schon schlecht angefangen. Wegen der gefährlichen Körperverletzung aus der Folge „Angst heiligt die Mittel“ (2017) wird König zu Tagessätzen von insgesamt 9600 Euro verurteilt, Bukow zu 8400 Euro wegen Falschaussage. Sie nimmt es als die Härtnerin, die sie ist. Er rauscht wütend ab und kann das auch gar nicht finanzieren. Dann kommt die Mutter, von Hildegard Schmahl mit der ihr eigenen unpathetischen Stahlhärte gespielt. „Ich akzeptiere keine unaufgeklärten Mordfälle“, sagt König. „Ficken Sie sich“, sagt Bukow später. Da haben sich die Kriminalbeamten längst verwickelt, jeder auf seine Weise.

Der Bogen wird überspannt 

Lässt sich der Täter, der heute ein beschauliches Familienleben führt, zum Geständnis zwingen oder überreden und irgendwie hineinlabern? Lässt sich eine weitere Tat aufstöbern und nachweisen, hilft sozialer Druck, der rechtlich natürlich bereits in die Grauzone gehört, nein, jenseits liegt? „Für Janina“ dreht sich weit mehr um die Polizisten als um ihn, den Peter Trabner konsequent (und zur Hälfte logisch) hartleibig und hartherzig zeigt. Man kann ihm formal nichts, mehr will er nicht. 

König dagegen will „die Gerechtigkeit wieder herstellen“, so sehr will sie das, dass ausgerechnet Bukow allen Ernstes sagen muss: „Gesetz ist Gesetz“. In einer Welt, in der ein Justizminister, ohne Schaden zu nehmen, Gerichte dazu auffordern kann, sich „am Rechtsempfinden der Bevölkerung“ zu orientieren, wird einem blümerant, während man den Polizisten zuschaut. Den Polizisten wird auch blümerant, na ja, zum Teil, na ja, einem. 

Der Bogen wird überspannt, aber auch ein Publikum, das Gewaltenteilung nicht für eine Lästigkeit am Rande hält, muss sich nicht abserviert fühlen, denn „Für Janina“ zieht auch die dramaturgischen Konsequenzen. Kein auflockerndes Scherzwort, keine Currywurst an der Bude, und Bukow und König werden auch kaum mit dem Chef feiern gehen, dessen argloses Lob des Teamgeistes eine schaurige Ironie ist. 

Geschickt setzt der Regisseur Eoin Moore das von ihm und Anika Wangard geschriebene Buch um. Alles bleibt dicht an den Figuren und an der Situation, bei einem recht eindrucksvollen Verzicht auf naheliegende Allgemeinheiten.

„Polizeiruf: Für Janina“, ARD, So., 20.15 Uhr.

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