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Am Ende dieses grimmigen Melodrams ist eine Familie moralisch und teilweise auch physisch vernichtet.
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Am Ende dieses grimmigen Melodrams ist eine Familie moralisch und teilweise auch physisch vernichtet.

"Tödliche Entscheidung"

Gegen das eigene Blut

Ein Film wie eine griechische Tragödie. Sidney Lumet auf der Höhe seiner Kunst. "Before the devil knows you're dead", wie er im Original heißt, ist ein grimmiger Thriller über Moral und Vernichtung. Mit Trailer

Von xxmk

Unter Spöttern gilt der Oscar für das Lebenswerk als Zwitter zwischen Trostpreis und Grabmitgift. Aus diesem Blickwinkel betrachtet ist Sidney Lumets neuester Film mehr als eine triumphale Rückkehr: Er ist eine Auferstehung.

"Tödliche Entscheidung" zeigt den Regisseur auf der Höhe seiner Kunst, die verlässlich das Vertrauen zu Menschen und Institutionen beschwört und dennoch stets mit ihrem Versagen rechnet.

Am Ende dieses grimmigen Melodrams ist eine Familie moralisch und teilweise auch physisch vernichtet, eine tragische Folge falscher Entscheidungen und dummer Zufälle entwickelt sich nach dem Muster griechischer Tragödien. Es geht schief, was schiefgehen kann: Selten wurde Murphys Gesetz derart unerbittlich in Szene gesetzt.

Seit seinem Kinodebüt "Die Zwölf Geschworenen" hat der 83-jährige Regisseur von über vierzig Filmen ein verblüffendes Arbeitspensum absolviert und erst im letzten Jahrzehnt etwas zurückstecken müssen. Zu seiner besten Zeit trieb Lumet seine Dreharbeiten so rastlos voran, dass Paul Newman vermutete, er würde selbst bei einem Bordell-Besuch in zweiter Reihe parken.

Auch in "Tödliche Entscheidung" verliert Lumet keine Zeit mit langwierigen Vorbereitungen: Auf einen ehelichen Beischlaf folgt ein aus dem Ruder gelaufener Raubüberfall, Eros und Tod liegen wie so oft ganz nah beieinander, dann springt die Handlung um drei Tage zurück, und langsam erschließen sich die Zusammenhänge.

Die treibende Kraft des Films ist Andy Hanson (Philip Seymour Hoffman), ein gut verdienender Angestellter mit ruinösem Suchtproblem, der seinen jüngeren Bruder dazu anstiftet, den Juwelierladen ihrer Eltern zu überfallen. Hank (Ethan Hawke) hinkt mit den Unterhaltszahlungen für Ex-Frau und Tochter hoffnungslos hinterher und lässt sich davon überzeugen, dass außer der Versicherung niemand Schaden nehmen wird.

Auf der Strecke dieses zum Scheitern verurteilten Plans bleiben zunächst die Mutter der beiden Brüder sowie ein kurzfristig angeheuerter Komplize - doch natürlich ist damit erst der Anfang einer fatalen Kettenreaktion gemacht.

Ein Dominostein fällt gegen den Nächsten, wobei Lumet das Geschehen gerade nicht als Versuchsanordnung arrangiert, sondern aus der Perspektive einer skeptischen Anteilnahme inszeniert. "Die Welt ist ein schlechter Ort", so resümiert ein reptilienhafter Hehler im Film seine Lebenserfahrung, "einige schlagen daraus Kapital, andere gehen daran zu Grunde."

Die ungleichen Brüder gehören offenbar nicht zu den Glücklichen und Gewissenlosen, vielmehr scheint die böse Welt in den Schoß der Familie zurückzukehren. Aus welchen Quellen sich das Unheil speist, bleibt letztlich unerforscht, doch schwebt Albert Finneys strenge Vaterfigur wie eine latente Drohung über dem Geschehen.

Man sieht noch einmal, warum Lumets Filme über fünfzig Oscar-Nominierungen auf sich vereinen und warum die Hälfte davon auf die Darsteller entfiel. "Tödliche Entscheidung" ist ein großartiges Schaulaufen. Kein Wunder, denn dem Ensemble sitzt ein mitfühlender Teufel im Genick.

Tödliche Entscheidung, Regie: Sidney Lumet, USA 2007, 117 Minuten.

Film-Trailer

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