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Fast jeder Mann ist bewaffnet.
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Fast jeder Mann ist bewaffnet.

ARD Doku "Im Land der Piraten"

Die gefährlichste Reise seines Lebens

  • VonDaniel Haufler
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Für seine Reportage „Im Land der Piraten“ begibt sich Reporter Ashwin Raman in Somalia vier Wochen lang auf die Spur von Piraten in Somalia. Die ARD zeigt die Doku über eine gefährliche Reise durch ein kriegsgebeuteltes Land.

Zwanzig Leibwächter mit Maschinengewehren und dicken Patronengürteln über den Schultern begleiten den Fernsehreporter Ashwin Raman in fünf Geländewagen. Er ist auf seinem Weg von der angeblichen Piratenhochburg Galkayo an die Küste Somalias nach Hobyo. Die Leute sind nervös und vorsichtig, halten lieber an, wenn eine Situation unübersichtlich scheint. Das ist auch gut so, denn kaum am Strand angelangt, werden sie beschossen, als sie sich einem gekaperten Frachter nähern, der dort auf dem Trockenen liegt. Es folgen Verhandlungen und der Rückzug.

Vier Wochen lang ist Raman im Frühjahr 2012 für seine Reportage „Im Land der Piraten“ unterwegs. „Es wird die gefährlichste Reise meines Lebens“, sagt er gleich zu Beginn und man glaubt es ihm sofort. Ab dem Moment seiner Ankunft begleiten ihn Bodyguards auf Schritt und Tritt. Als er im Hotel in Mogadischu eintrifft, überreichen sie ihm eine Pistole. Man weiß ja nie. Im Hotel selbst ist er immerhin sicher – weil er der einzige Gast ist. Nach Somalia kommt nur, wer hier unbedingt herkommen muss. Im Land tobt ein brutaler Bürgerkrieg zwischen dem Regime und der islamistischen Al-Shaabab-Miliz. Wer ein Beispiel für einen gescheiterten Staat sucht, hier ist es.

Die Hand abgehackt

Während das Land im Chaos versinkt, hat sich an der Küste ein neuer Geschäftszweig etabliert: Piraterie. 40 Tanker und Frachter sowie über 1.000 Geiseln sind derzeit in der Gewalt somalischer Piraten. Die Ursachen sind hinlänglich bekannt. Die Fischfangflotten westlicher, asiatischer und arabischer Staaten haben die Gewässer vor Somalia so gut wie leer gefischt. Zudem verseuchen illegal dort verklappte Giftfässer das Meer. Das Land droht die billigste Müllhalde der Welt zu werden. Raman trifft am Strand ein paar Fischer, die in Verschlägen hausen und ihm tote Fische zeigen, die hier tag für tag an Land gespült werden. Sie fahren dennoch immer noch aufs Meer hinaus, um zu fischen. Viele ihrer Leidensgenossen tun das nur noch, um Schiffe zu kapern.

Diese ehemaligen Fischer sind allerdings nur Handlanger. Die Geschäfte kontrollieren Kriminelle, die sich kein bisschen um das Wohl der Menschen scheren. Raman zeigt Bilder von entführten Vietnamesen und Chinesen, die ihm somalische Kollegen zugespielt haben. Schmale Gestalten hocken auf schmutzigen Decken, vor ihnen baut sich ein maskierter Mann auf, der drei Millionen Dollar Lösegeld verlangt. Danach bittet der Kapitän des gekaperten Fischtrawlers die Eigner des Schiffes doch zu zahlen, damit die Geiseln freikommen. Geiseln, die seit 2006 festgehalten werden. Später sollen ihm die Entführer sogar ein Hand abgehackt haben, um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen.

Essen mit dem Piratenboss für 620 Dollar

Überraschenderweise erklärt sich ein Piratenboss bereit, sich mit Raman zu treffen. Eine Falle? Es sieht nicht so aus. Der Reporter wird zu einem Restaurant gebracht, bekommt einen Fächer mit der Nationalflagge in die Hand gedrückt. Dann wird ein Festmahl mit großen Fisch- und Kamelfleischplatten gereicht. Schließlich erscheint sogar der Piratenboss. Über das Schicksal einzelner Schiffe oder Geiseln möchte er jedoch nicht reden. Er will nur das Ausland dafür verantwortlich machen, dass er Pirat werden musste. Dann geht er. Natürlich hinterlässt er weder Adresse oder Telefonnummer, sondern nur die Rechnung fürs Essen: 620 Dollar, die Raman lieber anstandslos begleicht.

Währenddessen kreuzt vor der Küste eine Fregatte der deutschen Marine auf Piratenjagd – mit mäßigem Erfolg, wie Raman anschaulich zeigt. Und wie es der Kapitän selbst sieht. Denn auch den Soldaten ist klar, dass sie das Problem nicht lösen können. Das ginge nur an Land. Doch dorthin verirrt sich außer dem deutschen Reporter und dem Welternährungsprogramm kaum noch jemand. Als Raman nach Hause fliegt, erfährt er, dass ein anderer Journalist gerade entführt worden ist, von den Leibwächtern, die auch ihn beschützt haben.

Im Land der Piraten, 22.45 Uhr, ARD

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