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Daenerys Targaryen (Emilia Clarke).

„Game of Thrones“

Das Ende des Fan-Services

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Achtung Spoiler! „Game of Thrones“ gelingt mit der vorletzten Episode ein epischer Auftakt fürs Finale. Leider gefällt das den Fans nicht. Die Ereignisse in Westeros in der Nachkritik.

Wenn ein Targaryen geboren wird, werfen die Götter eine Münze. Dieses Sprichwort, das sich darauf bezieht, ob besagter Targaryen irre wird oder nicht, gibt es in Westeros seit den Zeiten der Eroberung durch die Drachenlords. Denn viele von ihnen zeigten sich während ihrer Herrschaft als grausame, irrationale, ja, geistesgestörte Führer*innen. Nun ist Daenerys' Münze gefallen. 

In der Schlacht gegen Cersei Lannister um King's Landing und Krone gewinnen Daenerys' Soldaten, vor allem durch ihren Drachen Drogon, schnell die Oberhand. Die Lannister-Armee kapituliert und wirft ihre Waffen von sich. Die Glocke, als Zeichen für die Kapitulation, wird geläutet. Das Bild geht auf Daenerys. Und dann bricht die Hölle los. Die irre Drachenkönigin brennt ganz King's Landing, inklusive Rotem Bergfried mit ihrem Drachen nieder, tötet alles und jeden, den sie mit den Flammen erwischen kann. Männer, Frauen, Kinder, auch die eigenen Leute. Die Münze ist gefallen.

Die Entwicklung zur Mad Queen ist eindeutig

Viele Fans sind mit dieser Handlungsentwicklung mehr als unzufrieden. Daenerys ist eine der beliebtesten Figuren in „Game of Thrones“ und das Fandom will sie daher nicht als Mad Queen sehen. Aber endlich haben die Macher von „Game of Thrones“ auf vorsichtige, uninspirierte Schreibe verzichtet, sich von dem Drang nach Fan-Service, also Geschichten die den Vorstellungen der Fans entsprechen sollen, verabschiedet, und so eine großartige vorletzte Folge geschaffen, die Lust auf das Finale macht.

Das Entsetzen vieler Fans über die fünfte Folge ist unverständlich, insbesondere der oft zu lesende Vorwurf, dass die „Gute“ Daenerys „plötzlich“ irre geworden wäre. Die Zuschauer müssten eigentlich bemerkt haben, dass die Show seit Langem diese Entwicklung vorbereitet hat. Das Abgleiten in den Wahnsinn wird nicht nur durch ihr immer grausameres und irrationales Verhalten deutlich, sondern wird in der Serie auch ständig durch Visionen und Prophezeiungen angedeutet. Ihr Verstand zerbricht endgültig daran, dass Jon Snow einen Thronanspruch hat. Diesen will er zwar nicht, aber die Angst davor, dass Berater wie Volk Jon lieber auf dem Thron sehen wollen, verkraftet die Drachenkönigin nicht. Ein Kritikpunkt ist mit Sicherheit, dass man der Entwicklung tatsächlich hätte mehr Zeit widmen können, ihren Wahnsinn deutlicher hätte erklären und mit mehr Hintergrund versehen können. Dann wäre eine bessere Geschichte daraus geworden. Aber da können wir ja immer noch auf die Bücher hoffen.

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Und: Was kostet Westeros?

Die HBO-Serie leidet seit Langem unter einigen schwachen Plotpoints. Man wurde vorsichtiger, platter, vereinfachte hier und da. Besonders die lang erwartete Schlacht um Winterfell enttäuschte: Der Night King wurde einfach umgebracht. Ohne Erklärung einer Motivation oder einer ausführlichen Hintergrundgeschichte. Wo war der Night King nach dem ersten Angriff der White Walker vor 8000 Jahren? Warum greift er jetzt plötzlich wieder an?

Diese Aspekte wurden nicht aufgegriffen, weil man sich ja selbst nicht das Wasser abgraben will: In naher Zukunft will HBO eine Prequel-Serie zu der Herkunft des Night Kings auf die TV-Bildschirme bringen. Und man wäre ja schön blöd, jetzt schon irgendetwas zu verraten. Das ist sehr bitter für „Game of Thrones“, da man so aus Marketinggründen eine unrunde Geschichte bekommt.

Jaime, Cersei und Sandor Clegane bekommen ein würdiges Ende

Die fünfte Folge lässt wieder hoffen. Besonders gelungen war unter anderem, dass man endlich die Auflösung von Daenerys Vision im House of the Undying, im Finale der zweiten Staffel, bekommen hat. Damals sah man die Drachenkönigin im Thronsaal des roten Bergfrieds, der bedeckt ist von Schnee. Es gab viele Theorien darum, was sich hinter dieser Vision verbirgt – ein Vorzeichen auf Jon Snow? Seit Montag wissen wir: Der Schnee ist die Asche, zu der die Mad Queen King's Landing verwandelt hat.

Auch viele andere Storylines sind mehr als gut gelöst worden. Der rührende Abschied der Lannister-Brüder ist eine Tränengarantie. Der lang erwartete Clegane-Bowl findet endlich statt, der Kampf ist kurz, hart, brutal und endet damit, dass sich der Bluthund opfern muss, um seinen Zombie-Bruder zu töten.

Cerseis gemeinsamer Tod mit Jaime ist wundervoll, romantisch und dieser beiden großartigen Charaktere würdig. Er stirbt wie er es sich immer gewünscht hat, in den Armen der Frau, die er liebt. Und sie, die einsame Löwin, die Kämpferin, kriegt zum Schluss nochmal ihre große Liebe an ihre Seite gestellt.

Zum Schluss wird es nochmal mystisch und kryptisch. Arya begegnet einer „fahlen Mähre“. Das könnte ein Bezug zu einer anderen Prophezeiung sein, und damit ein Vorzeichen für Daenerys‘ Schicksal. Aber wir werden es nächste Woche sehen. George R.R. Martin hat ein bittersüßes Ende versprochen. Mit dem Abschied von Storys, die einfach nur möglichst vielen Fans gefallen sollen, und dem Hinwenden zu Entwicklungen, die eine großartige Geschichte ausmachen, tragisch, unerträglich, menschlich, kann man nun auf ein gelungenes Finale hoffen.

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