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Daenerys spricht vor ihrer Armee von totaler Machtergreifung.

„Game of Thrones“-Finale

GoT mit großartigem Abschluss

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Jemand, den Macht nicht interessiert, sollte herrschen. Und was ist eigentlich westlich von Westeros? Die letzte Folge „Game of Thrones“ in der Nachkritik.

Das war‘s. „Game of Thrones“ ist vorbei. Nach 4214 Minuten ist die Geschichte um Krieg, Liebe und den Thron abgeschlossen. Das Ende setzt ein politisches Zeichen, ein Wandel kommt nach Westeros. Es ist ein würdiges Ende für eine große Geschichte.

Nach der Schlacht um King‘s Landing, bei der Daenerys Targaryen die ganze Stadt einfach auslöschte, wird die Verstörtheit und die Erschütterung ihrer engsten Vertrauten deutlich. Der Wahnsinn der Drachenkönigin, jetzt wohl eher Königin der Asche, ist endgültig. In einer flammenden Rede an ihre verbliebenen Unbefleckten und Dothraki betont sie nochmal ihre Ziele: Alles und jeden zerstören und mit Feuer und Blut unterwerfen, der sich nicht freiwillig ihrer Herrschaft ergibt. Sie sieht das natürlich als „Befreiung“. Es wird deutlich, dass es keine Möglichkeit mehr gibt, dass sie eine rationale und gerechte Herrscherin wird.

Für den Zuschauer wird es an dieser Stelle entscheidend und spannend. Arya und Tyrion, inzwischen ein Gefangener, versuchen dem tief verstörten und verzweifelten Jon die Gefahr klar zu machen, die von der wahnsinnigen Königin ausgeht. Aber er will an Daenerys glauben, sie sei doch „seine Königin“.

Vor dem Eisernen Thron kommt es schließlich zur Entscheidung. Die Pflicht ist das Ende der Liebe. Jon ersticht Daenerys. Der Drache Drogon schmilzt daraufhin in Trauer den Eisernen Thron, als Symbol für alles, was Daenerys in den Wahnsinn getrieben hat, ein.

Tyrion kann Jon im Gespräch in der Gefängniszelle deutlich machen, was das Problem an Daenerys Herrschaft ist: Wer Daenerys folgt, folgt einem Mythos. „Ganz gleich wohin sie auch geht, es sterben böse Menschen, und wir stehen jubelnd neben ihr. Und sie wird dadurch immer sicherer und immer gewisser, dass sie das Gute und Richtige tut. Sie glaubt es sei ihre Bestimmung, eine bessere Welt zu erschaffen.“ Und auf dieser Mission tötet sie nun jeden, der sich ihr in ihren Augen in den Weg stellt. Was sie zu einer schrecklichen, tyrannischen Herrscherin macht. Man tut so lange das Richtige, bis man es eben nicht mehr tut. Und bei Daenerys fehlte jedes Korrektiv, weil ihr die Menschen aufgrund ihrer früheren Taten folgen und automatisch davon ausgehen, dass das,was sie tut, die „Bösen“ trifft.

Die Geschichte um die Drachenkönigin hat so einen großartigen Abschluss gefunden und synoptisch die Problematik von Herrschaft, richtig und falsch und – vor allem – blinder Folgsamkeit deutlich gemacht. Die Bildgewalt der Szenen, in der die Drachenkönigin vor dem Roten Bergfried zu ihren Soldaten spricht, hat Züge einer Leni Riefenstahl-Inszenierung.

Wer wird nun König?

Wochen später sind Tyrion und Jon in Gefangenschaft von Daenerys Gefolgsleuten, die nach dem Tod ihrer Königin nicht mehr so Recht wissen, wohin mit sich – denn dazu führt nun mal blinder Gehorsam. Sie wollen Rache für den Mord und den Verrat an ihrer Königin, sehen sich aber nicht in der Position, ein Urteil zu vollstrecken. Ein König (oder Königin?) muss bestimmt werden.

Samwell Tarly, der Demokratie vorschlägt, wird dafür herzlich ausgelacht. So weit ist man in Westeros noch nicht, auch wenn das Fanherz kurz geglüht hat.

Tyrion, der zum Schluss der finalen Staffel seine Intelligenz wiedergefunden hat, macht während der Überlegungen, wer König oder Königin von Westeros sein soll, die Wichtigkeit von Geschichte deutlich. Geschichte, nicht Banner, Lords oder Gold, das ist, was ein Reich ausmacht, was sie alle verbindet, und woraus man lernen kann. Und die personifizierte Geschichte ist Bran Stark.

König Bran der Gebrochene, der erste seines Namens, regiert von nun an Westeros. Der verkrüppelte Junge, heute der Dreiäugige Rabe, wird von dem kleinen Rat aus den verbliebenen großen Lords und Ladys von Westeros zum König ernannt.

König Bran läutet ein neues Zeitalter ein. Denn dadurch, dass er keine Kinder bekommen kann, wird das System der Erbmonarchie (erstmal) zerschlagen. Darauf können sich die Lords und Ladys einigen: Auch der nächste König oder Königin soll wieder bestimmt werden. 

Sansa Stark verlangt, dass der Norden ein eigenes Königreich wird. Dass die anderen Lords und Ladys das ohne Protest hinnehmen, ist ein wenig unglaubwürdig, insbesondere von Yara Greyjoy hätte man doch Einwände erwartet. Aber vielleicht sind einfach alle kriegsmüde. Sansa wird in einer ergreifenden Szene zum Schluss als Königin des Nordens gezeigt. Das einstmals naive Mädchen, das nur Königin neben einem König werden wollte, das sich von patriarchalischen Strukturen vereinnahmen und blenden ließ, ist nun selbst Königin. Das unterstreicht doch nochmal den Feminismus in „Game of Thrones“, der teilweise zu kurz kam.

„Was ist eigentlich westlich von Westeros?“ Arya Stark bleibt ihrem Charakter treu. Sie ist eine Abenteurerin, eine mutige Frau, die sich nicht im friedlichen Westeros niederlassen will. Sie segelt gen Westen, um zu entdecken.

Eine Botschaft, die zum Nachdenken anregt

Jons Geschichte endet quasi da, wo sie begann: Er wird als „Kompromissstrafe“ wieder zur Mauer geschickt. Jon hadert sehr mit dem, was er getan hat. Man leidet mit dem Charakter, der so lange in der Staffel farblos blieb, und sich weigerte, einzusehen, dass er kritischer mit Daenerys angestrebter Herrschaft umgehen muss. Er reitet zum Schluss mit den Wildlingen gen Norden. Vielleicht kann er irgendwann Frieden mit sich schließen.

Tyrion wird als Strafe erneut zur Hand ernannt, denn er will die Verantwortung nicht mehr tragen, zu viele Fehler habe er gemacht. Die Strafe besteht also nun darin, dass er die Fehler wieder gut machen muss. Vielleicht ist er gerade aus diesem Grund auch die beste Wahl für den Posten. 

Jemand, den Macht nicht interessiert, sollte herrschen. Das ist die Botschaft von „Game of Thrones“. Das Ende ist stimmig und, wie George R.R. Martin versprochen hat, bittersüß. Es bleibt ein Gefühl von Leid, aber auch von Hoffnung zurück.

Mehr Zeit hätte der Serie gut getan. Es gab auch in der letzten Folge „Game of Thrones“ Handlungslücken, fragwürdige Autorenentscheidungen und Momente, die einfach zu schnell abgehandelt wurden. Aber zum Schluss lässt sich sagen: Es war eine große, ergreifende Geschichte, die in einer holprigen letzten Staffel in den letzten zwei Folgen das Ruder herumgerissen, und einen sinnvollen und zum Nachdenken anregenden Abschluss gefunden hat.

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