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Königin Cersei. Die erste ihres Namens. Man soll sie nicht mögen.
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Königin Cersei. Die erste ihres Namens. Man soll sie nicht mögen.

„Game of Thrones“

Cersei Lannister ist eine feministische Heldin

  • Sonja Thomaser
    vonSonja Thomaser
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Zur letzten Staffel „Game of Thrones“: Vorab-Nachruf auf Cersei Lannister. Unserer Kolumne „Nächste Folge“.

Es ist leicht, Cersei Lannister (großartig gespielt von Lena Heady) zu hassen. Sie wird als selbstsüchtige und gemeine Person wahrgenommen. Für die meisten „Game of Thrones“-Fans ist sie eindeutig die „Böse“ in der Geschichte. Diese platte Betrachtungsweise von „Game of Thrones“ liegt nicht zuletzt an der Omnipräsenz und der Kommerzialisierung der Serie, die versucht, eine komplexe Geschichte auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zu bringen, massenkompatibel, für alle verständlich, mit Gut und Böse in klar verteilten Rollen.

Cersei Lannister ist nicht die „Böse“. Sie ist auch nicht die „Gute“. So etwas gibt es in „Game of Thrones“ nicht. Aber eines ist so gut wie sicher: Cersei wird das Spiel der Throne nicht überleben. Muss sie auch nicht. Denn sie hat ihre Rolle erfüllt: als feministische Heldin. Und so sollte sie auch gewürdigt werden.

Cersei muss anders handeln, als es die Männer in Westeros tun können. Ihr werden Positionen und Mitspracherecht verwehrt. Niemand würde sie als Frau jemals ernst nehmen, Macht und Einfluss kann sie auf den von Männern ausgetretenen Wegen nicht erlangen. Als Frau soll sie gebären, dem Manne zu Diensten sein, und als Königin darf sie vielleicht noch die eine oder andere repräsentative Aufgabe übernehmen. Wenn sie in dieser Welt aber etwas erreichen will, gehört werden will, muss sie hinterlistige Komplotte schmieden. Und das gelingt Cersei ausgezeichnet.

Cersei Lannister soll man nicht mögen

Patriarchalische Strukturen herrschen in Westeros und in der Realität gleichermaßen: Von Frauen wird Demut erwartet, dass sie ihr Schicksal hinnehmen. Frauen sollen passiv sein, und erst Recht nicht etwas für sich selbst tun, nur damit es ihnen besser geht. Wenn sie schon unbedingt aktiv werden müssen, dann ist das nur als selbstlose Tat willkommen. Cersei aber wehrt sich, rächt sich, steht für sich ein, und das mit allen Mitteln. Das ist der Grund, warum Fans ihr Boshaftigkeit vorwerfen. Dabei verkennen sie, dass sie mit diesem Vorwurf eben dieses Prinzip des Patriarchats übernehmen, das will, dass Cersei mit dem Unrecht lebt, das ihr geschieht, es erträgt, damit man sie bemitleiden und mögen kann. Eine Frau ist nicht liebenswürdig, nett, selbstlos? Dann ist sie eine von den „Bösen“.

Cersei soll man nicht mögen. Man sollte sie einfach für ihre Leistungen, ihren Mut und ihren Intellekt respektieren. Cersei wurde von einem abwesenden Vater erzogen, der sich den strategischen Nutzen seiner Tochter zu eigen machte. Bei Familienangelegenheiten und Entscheidungen hatte sie kein Mitspracherecht. Im Gegenteil: Um das Ansehen der Familie zu steigern, wurde sie gegen ihren Willen mit König Robert Baratheon verheiratet, der sie nie liebte, vielmehr betrog und schlug. Während der Ereignisse im Krieg musste sie die Ermordung von zwei ihrer Kinder miterleben. Sie wurde aufgrund all dieser Ereignisse stärker und lernte Taktiken, ihr Leben nicht von dem ihr aufgezwungenen Schicksal diktieren zu lassen. Cersei Lannister überwindet im Alleingang jahrhundertelang gewachsene patriarchalische Strukturen. Sie lässt sich nicht einschüchtern, hat keine Angst und weiß was sie will. Das ist nicht „böse“, das ist bedeutend, stark und revolutionär.

Keine Revolution läuft unblutig ab. Erst recht nicht in der fiktiven Welt von Westeros. Cersei Lannister ist eine feministische Vorreiterin für all die Herrscherinnen, die nach ihr kommen werden.

Königin Cersei. Die erste ihres Namens. Die den Ehemann, der sie misshandelte, ermorden ließ. Die die Menschen, die sie eingesperrt und gefoltert haben, in die Luft sprengte. Möge sie als feministische Revolutionärin in Erinnerung bleiben.

Die 8. Staffel „Game of Thrones“ beginnt am Montag und ist auf Sky zu sehen.

Die Kolumne „Nächste Folge“ nimmt Streaming- und TV-Serien in den Blick.

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