Jurypräsident Thomas D ist mit Kritik zurückhaltend.
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Jurypräsident Thomas D ist mit Kritik zurückhaltend.

„Unser Star für Baku“

Der Funke springt nicht über

Das Potenzial von „Unser Star für Baku“ ist eigentlich größer. Musikalisch sind die Kandidaten diesmal eher so lala. Die Jury lässt den Zuschauer allein. Und das Voting erinnert ans Mannschaftwählen im Sportunterricht.

Von Sarah Mühlberger

Das Potenzial von „Unser Star für Baku“ ist eigentlich größer. Musikalisch sind die Kandidaten diesmal eher so lala. Die Jury lässt den Zuschauer allein. Und das Voting erinnert ans Mannschaftwählen im Sportunterricht.

Das ist natürlich Meckern auf hohem Niveau, liebes „Unser Star für Baku“, trotzdem warst du in den letzten beiden Wochen stärker. Du bist wirklich eine gute Show, das sagen dir ja auch alle immer wieder. Du hast ein großes Herz für deine Kandidaten und eine wunderbar altmodische Art, Musik und Gesang ernst zu nehmen. Bewahre dir das. Aber gestern Abend hast du einfach nicht dein ganzes Potenzial gezeigt. Sorry!

Manches lag am Drumherum: Die Moderationsüberleitungen zwischen Steven Gätjen und Sandra Rieß sind mitunter unfassbar behäbig. Unglücklicherweise hat Rieß außerdem die Aufgabe, jeden von der Bühne zurückkehrenden Kandidaten erst innig zu umarmen und ihn dann etwas besonders Uninspiriertes zu fragen. Damit wirkt sie unfreiwillig wie die Karikatur einer Backstage-Interviewerin, wie man sie zuhauf bei deutschen Sendern sieht, die man bei einer Show wie „Unser Star für Baku“, die „anders“ sein will, aber eigentlich nicht vermutet.

Die Jury äußert sich zwar euphorisch, wenn ein Kandidat überzeugt, sagt aber sonst in vielen Worten nur sehr wenig. Es ist ja erst einmal schön, dass Häme und Schmähungen wie bei „Deutschland sucht den Superstar“ in dieser Show tabu sind. Nur: ein bisschen Einordnung wünscht man sich schon, wenn man denn schon eine „Jury“ hat. Stattdessen gab Jury-Chef Thomas D gestern einem Kandidaten mit, er habe sich „einen großen Song“ ausgesucht. „Ich weiß nicht, ob er nicht vielleicht zu groß war, das müssen die Leute da draußen entscheiden.“ Das war schon seine strengste Kritik an diesem Abend.

All das fiel gestern nur deswegen auf, weil es musikalisch eher lala war. Bei „Unser Star für Baku“ suchen sich die Kandidaten ihre Songs selbst aus. Wer weiß, wo die eigenen Stärken liegen und die Liedauswahl entsprechend anpasst, hat schon mal ganz gute Chancen. Für den allerersten Auftritt wählen die Sänger natürlich ihren allerstärksten Song aus, den, mit dem sie am leichtesten glänzen konnten. Bei den zweiten Auftritten werden die Unterschiede zwischen den Kandidaten größer, manche entpuppen sich als Enttäuschung, manche als wirklich gut. Das Gesangsniveau gestern Abend war dementsprechend durchwachsen.

Das Sympathie-Telefonvoting am Anfang, das über die Auftrittsreihenfolge entscheidet und stattfindet, noch bevor die Kandidaten auch nur einen Ton gesungen haben, erinnert ein wenig ans Mannschaftwählen im Sportunterricht: Talent ist wichtig, aber eben auch, ob einer nett ist – oder wenigstens nett anzusehen. Letzter will niemand sein. Dieses Schicksal traf gestern Rachel und Leonie doppelt, sie waren nicht nur Sympathie-Letzte, sondern am Ende auch Gesamt-Letzte, in der nächsten Woche sind sie nicht mehr dabei.

Auf Platz eins landete Roman, vor und nach seinem Auftritt. Roman singt ganz gut, sieht aus wie Justin Timberlake und ist Liebling der Jury. Roman ist einer, den man sofort ins Team wählt.

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