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Cicely Tyson im Sommer 2019.
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Cicely Tyson im Sommer 2019.

Nachruf auf Cicely Tyson

Für eine höhere Schönheit

  • Daniel Kothenschulte
    vonDaniel Kothenschulte
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Zum Tode der zielstrebigen US-Schauspielerin Cicely Tyson.

Dankbare Rollen für afroamerikanische Schauspielerinnen waren in Hollywood nahezu unbekannt, als Cicely Tyson in den fünfziger Jahren ihre ersten Rollen spielte. Sie hat sie sich buchstäblich erobert, was ihre Filmographie, die bis ins vergangene Jahr reicht, fast zu einer Parallelgeschichte des Befreiungskampfs gemacht hat.

In einem ihrer letzten Filmauftritte in der erst 2020 erschienenen Serie „Cherish the Day“ spielt sie mit 95 eine stets unabhängig gebliebene alte Dame. In einer Szene schwärmt sie vom Glück des Lesens, und es scheint, als spräche sie über sich selbst: „Das Schöne an Büchern ist, dass man im Leben erreichen kann, was man da liest.“ Bei ihrer eigenen Drehbuchlektüre legte Tyson stets hohe Qualitätsmaßstäbe an – und vermied es in imponierender Konsequenz, sich an Belangloses zu verschwenden.

Zu sexy als Landarbeiterin?

Dabei stand dem Star-Model der Zeitschrift „Ebony“ am Anfang sogar seine strahlende Schönheit im Weg. In einem Interview erinnerte sie sich, was sie sich alles anhören musste, als sie 1972 für eine kleinere Rolle in Martin Ritts Sozialdrama „Das Jahr ohne Vater“ vorsprach: „‚Sie sind zu jung, zu hübsch, zu sexy, zu dies und zu das‘, und ich sagte: ‚Ich bin eine Schauspielerin!‘“ Am Ende des Castings bekam sie dann die Hauptrolle einer alleinerziehenden Landarbeiterin in der Depressionszeit. Ihre äußere Schönheit spielt sie im Film förmlich beiseite zu Gunsten einer höheren Schönheit – was ihre eine Oscar-Nominierung eintrug. Noch spektakulärer wirkte ihre Wandlungsfähigkeit in der Filmbiographie „Die Geschichte der Jane Pittman“. Hier spielt sie eine 110-jährige ehemaligen Sklavin, die sich 1962 in der Bürgerrechtsbewegung engagiert. „Diese Rolle hätte ich auch in einem Keller oder einem Schaufenster gespielt“, sagte Tyson seinerzeit. „Sie bestimmt, wohin ich gehe“.

Deutsche Fernsehzuschauer erlebten Tyson unter anderem als Binta in der Serie „Roots“, der Mutter der Hauptfigur Kunta Kinte. In Oprah Winfreys Talkshow erklärte sie ihre Arbeitsweise mit dem Schöpfen aus eigener Lebenserfahrung. „Die schlechten Erfahrungen sind mir als Erinnerungen sogar noch wertvoller als die guten. Denn ich habe sie ja überlebt, und das gibt mir meine Stärke.“

Auch wenn Tyson die dankbareren Rollen oft beim US-Fernsehen fand, wo afroamerikanische Stoffe dauerhafter als im Kino präsent blieben, war sie auch ein Leinwandstar. Sie spielte in George Cukors Spätwerk „Der blaue Vogel“, im Katastrophenfilm „Airport 80“, in „Grüne Tomaten“ oder „The Help“. 2019 wurde sie mit einem Ehren-Oscar für ihr Lebenswerk ausgezeichnet, drei Jahre zuvor hatte ihr Präsident Obama den höchsten zivilen Staatspreis, die Medal of Freedom verliehen. Bei der Verleihung sagte er: „Cicelys Überzeugungen und Würde halfen uns, die Würde im Erinnerungsschatz jeder einzelnen amerikanischen Familie zu sehen.“ Am Donnerstag starb Cicely Tyson 96-jährig im Kreis ihrer Familie.

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