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Katharina (Katja Flint) mit Tochter Daniela (Zoe Moore).

TV-Kritik: „Frösche petzen nicht“ (ARD)

Fünf Jahre auf Eis

Der NDR zaubert den unterhaltsamen Krimi "Frösche petzen nicht" aus den Untiefen seines Programmarchivs hervor. Privatdetektiv Eddie Klever legt sich darin mit großen Weltkonzernen an.

Von Tilmann P. Gangloff

Es ist schon erstaunlich, was der NDR immer wieder aus den Untiefen seines Programmarchivs hervorzaubert. Dabei war diese noch aus der Ära Doris Heinze stammende Krimikomödie über einen kleinen Privatdetektiv, der sich mit großen Weltkonzernen anlegt, durchaus sehenswert.

Das NDR-Liebesdrama „Letzter Moment“ (ARD-Premiere am 11. Juni) ist immerhin 2010 vorab bei Arte gezeigt worden, aber der unterhaltsame Krimi „Frösche petzen nicht“ erlebt erst jetzt, fünf Jahre nach der Entstehung, seine TV-Premiere. Dabei ist Manfred Stelzers Film (das Drehbuch schrieb er gemeinsam mit Thomas Oliver Walendy) eine handlungsreiche Hommage an die Krimis der „Schwarzen Serie“.

Privatdetektiv Eddie Klever ist zwar kein Philip Marlowe, macht seinem Namen – Klever spricht sich wie clever - aber durchaus Ehre. Außerdem ist der ehemalige Volkspolizist, der sich einen Frosch namens Frosch als Haustier hält (daher wohl der Titel), ein Mann mit klaren moralischen Maßstäben: Als er durch Zufall Zeuge eines Mordanschlags wird, geht er der Sache mit Hilfe eines früheren Kollegen (Peter Kurth) auch ohne Auftrag nach. Der Fall ist zunächst völlig undurchsichtig, aber schließlich stellt sich raus, dass sich Eddie mit übermächtigen Gegnern angelegt hat.

Pierre Besson versieht den leicht heruntergekommenen Schnüffler, dem gleich zu Beginn der Strom abgestellt wird, mit viel Würde und noch mehr Zielstrebigkeit; auf dem Weg zur Lösung lässt er sich weder durch begehrenswerte Begegnungen noch durch Drohungen aufhalten. Auch wenn Klever „Casablanca“ zitiert: Besson versucht gar nicht erst, Humphrey Bogart zu sein.

Film funktioniert auch Jahre später

Das macht aber nichts, denn Katja Flint ist noch weiter davon entfernt, Lauren Bacall nacheifern zu können. Sie spielt Katharina Malinowski, die Witwe des Mannes, der mit seinem Bruder eine Lösung für das europäische Energieproblem gefunden hat. Somit erklärt sich auch das Wort, das er mit letzter Kraft Klever zuraunt: Aton wurde von den Ägyptern als Sonnengott verehrt; Malinowski hat in der Sahara riesigen Grundbesitz erworben. Es spricht für die Qualität des Drehbuchs, dass der Film auch Jahre später noch funktioniert, obwohl Stelzer und Walendy damals nichts von der Fukushima-Katastrophe und der anschließenden Beschleunigung des Atomausstiegs ahnen konnten; das Projekt Desertec ist erst während der Dreharbeiten gegründet worden. 

Sehenswert ist „Frösche petzen nicht“, redaktionell noch von Doris Heinze betreut, auch aufgrund der Bildgestaltung: Dank Alexander Fischerkoesens fließender Kamerabewegungen sieht man dem Film nicht an, dass er fünf Jahre lang auf Eis gelegen hat. Außerdem gelingt dem dank einer Vielzahl bemerkenswerter Krimis und Komödien ausgesprochen erfahrenen Stelzer ein gelungener Genre-Mix, was nicht zuletzt an der sorgfältigen Darstellerführung liegt.

Besson versieht seinen Eddie Klever mit sympathischer Selbstironie, Katja Flint bringt Melodramatik ins Spiel, und durch Katharinas Teenagertochter gibt es auch pubertäre Aufmüpfigkeit; Zoe Moore, Tochter des Regisseurs Eoin Moore, hat zuletzt in der Titelrolle des ARD-Märchens „Die kleine Meerjungfrau“ wieder bewiesen, welch’ beachtliches Nachwuchstalent sie ist. Unterm Strich macht dennoch die kluge Konstruktion des Drehbuchs den Reiz des Films aus, zumal die Autoren ihre Geschichte durch viele Details ergänzen. Außerdem schicken sie Klever mehrfach auf amüsante Umwege, die ihn unter anderem in die Arme einer Prostituierten (Claudia Hübschmann) führen. In erster Linie aber lebt der Krimi von der Tatsache, dass der Fall mehrere Nummern zu groß für den Privatdetektiv ist.

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