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Wird man je erfahren, was Leonardo di Caprio in diesem Film wirklich tut?
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Wird man je erfahren, was Leonardo di Caprio in diesem Film wirklich tut?

"Der Mann, der niemals lebte"

Frivolität der Oberfläche

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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Bin-Laden-Jagd als Science Fiction - der Thriller von Ridley Scott.

Bei diesem Krieg wollte Hollywood seine Sache gut machen. Wenn schon beweiskräftige Bilder aus dem Irak Mangelware blieben und Aufnahmen der eigenen Verluste unterdrückt, dann lieferte man diese Bilder eben nach: Eingebunden in künstlerisch so bemerkenswerte Dramatisierungen wie Paul Haggis Film "Im Tal von Elah" oder das in Deutschland nicht gezeigten Dokudrama "Redacted" von Brian De Palma. Das breite Publikum indes verschmähte das seltene Gut.

"Body of Lies" heißt Ridley Scotts Spielfilm zum "Krieg gegen den Terror" im Original. Darin verbirgt sich ein bitterböses Wortspiel: Der englische Begriff für Beweismaterial, "body of evidence" ist umgedreht zu "Leiche der Lügen". Es ist ein Wortspiel, das den ganzen abscheulichen Krieg benennen könnte: Begonnen, um einen falschen Beweis anzutreten, produzierte er stattdessen Berge von Leichen, die jede für sich nur neues Unrecht belegten.

Allerdings: Scott hatte gar keinen politischen Film im Sinn, eher eine fiktive Spionagegeschichte vor dem Hintergrund der Jagd nach Osama bin Laden. Der deutsche Titel unterstreicht das Phantastische an dieser Parabel: "Der Mann, der niemals lebte", das klingt wie Hitchcocks "Der Mann, der zu viel wusste". Und er verrät zugleich, was Leonardo di Caprio als moderner Spezialagent in "Bourne"-Manier im Schilde führt: Die Erfindung eines zweiten Bin Laden (der echte heißt im Film Al Saleem). Mit diesem scheinbaren Konkurrenten will man den verzweifelt gesuchten tatsächlichen Terror-Netzwerker aus seinem Versteck locken.

In den Spionagekrimis von Autoren wie John Le Carré finden sich ähnliche Geschichten zu allen erdenklichen Konflikten. Doch die Gleichsetzung von Terror und Krieg ist auch für das Genre ein Problem. Was die Welt seit 2001 erlebt, ist eben nicht ein Krieg gegen eine Weltmacht wie die ehemalige UdSSR, die ein klares und ebenso leicht zu karikierendes Gesicht besaß. So sehr sich die Achsenmächte des Irakkriegs auch bemühten, dem so genannten Terrornetzwerk Al Kaeda ein Antzlitz zu geben als weltgefährdenden Organisation, so sichtbar blieb doch immer die Fiktion. Eine gute Spionagegeschichte hingegen entfaltet ihre Mysterien vor dem Hintergrund einer eng umrissenen politischen Realität. Fehlt diese, dann geht die Phantasie durch. Angesichts der Realität des Todes in Irak und Afghanistan wirkt diese Form allerdings ausgesprochen frivol.

Trailer: "Der Mann, der niemals lebte"

Scott, der Regisseur des "Blade Runner", liebt die Oberflächen. Wie sein "Black Hawk Down" schwelgt "Der Mann, der niemals lebte" in der faszinierenden Science-Fiction-Realität einer durch Satelliten bis ins letzte einsehbaren Welt. Und wenn DiCaprio als ein zweiter Jason Bourne durch die Krisengebiete hetzt und dabei eine ständige Handyverbindung zu seinem Vorgesetzten beim CIA (Russell Crowe) unterhält, scheint die Macht der Überwachungstechnik grenzenlos. Nur, wenn denn diese Zukunft schon begonnen hat - warum läuft dann um alles in der Welt der echte Bin Laden noch immer frei herum? Wie entgeht er dem allsichtigen Satellitenauge im real gewordenen Computerspiel? Wie meist in seinen Filmen bleibt Scott die Antworten schuldig, starke Bilder jedoch nicht. Das verstörendste von ihnen ist das Motiv des Originaltitels, "Body of Lies": Eine Kinderleiche, in der eine versteckte Bombe gefunden wird.

Der Mann, der niemals lebte, Regie: Ridley Scott, USA 2008, 128 Minuten.

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