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Freunde in der Not

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Von: Tilmann P. Gangloff

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Die Bockwurst immer dabei: Das Berliner Original Krüger (Horst Krause) im österreichischen Urlaubsparadies.
Die Bockwurst immer dabei: Das Berliner Original Krüger (Horst Krause) im österreichischen Urlaubsparadies. © ARD Degeto/Conny Klein

Der dritte Film mit Horst Krause als alter Grantler, der sich bei Auslandsreisen von liebgewonnenen Vorurteilen verabschieden muss, führt nach Österreich.

Erst die Türkei, dann Griechenland, nun Österreich: Paul Krüger kommt ganz schön rum. Zum dritten Mal sorgt Marc-Andreas Bochert dafür, dass sich der grummelige Berliner (Horst Krause) von liebgewonnenen Vorurteilen verabschieden muss. Erfolgten die Reisen in den Süden noch Krügers Enkelin zuliebe, weil er sie in „Krüger aus Almanya“ nach türkischer Sitte mit einem Einheimischen verloben und in „Krügers Odyssee“ ihren Vater in einem griechischen Kloster aufstöbern sollte, so ist der dritte Trip ein Freundschaftsdienst.

Karin (Manon Straché), die Wirtin der Stammkneipe von Krüger und seinen beiden Kumpanen Bernd (Fritz Roth) und Ecki (Jörg Gudzuhn), will die letzte Chance auf einen Neuanfang ergreifen: Sie hat einen Österreicher kennen gelernt, schwebt im siebten Himmel und will die Wirtschaft schließen. Krüger ist empört, schließlich ist das Lokal für ihn und seine Kumpane ein zweites Zuhause. Bernd hingegen ist am Boden zerstört: Just jetzt wollte er Karin einen Heiratsantrag machen. Also bittet er Krüger, ihn nach Österreich zu begleiten, um sie umzustimmen.

Im Nachbarland ahnen die beiden Freunde recht bald, dass mit dem galanten Falkenheyn-Waldstätten (Serge Falck) irgendwas nicht stimmt. Mit Hilfe des Café-Besitzers Poldi (Johannes Silberschneider), der mit dem von Krüger bevorzugt „Falkenheini“ genannten Herrn noch eine alte Rechnung offen hat, finden die Freunde raus, dass der Charmeur ein klassischer Heiratsschwindler handelt; aber Karin ist viel zu verliebt, um den Freunden Gehör zu schenken.

Dritter Krüger ist im Grunde ein Krimi

Waren die ersten beiden „Krüger“-Filme Roadmovies, die nicht zuletzt von der Konfrontation diverser Klischees mit der Wirklichkeit lebten, so erzählt „Küss die Hand, Krüger“ im Grunde eine Krimigeschichte. Die verschiedenen Ressentiments kommen eher nebenbei zur Sprache, sind aber liebevoll in die Handlung eingearbeitet, so dass nie der Eindruck entsteht, Bochert erwähne sie bloß, weil sie zur Marke der „Krüger“-Reihe gehören (der Regisseur hat das Drehbuch diesmal gemeinsam mit Maureen Herzfeld und Martin Kluger geschrieben). Dass auch die Deutschen Ziel von Bocherts Spott sind, zeigt Bernds geerbter Mercedes: mit Wackeldackel und Klopapier in gehäkelter Verpackung sowie Wunderbaum am Spiegel. Und natürlich gibt es auch wieder einen Schnittgag: topgepflegt sei der Wagen, versichert Bernd; und schon bleibt er stehen.

Trotzdem ist „Küss die Hand, Krüger“ kein Reisefilm. Erste Station ist zwar der Wolfgangsee, aber der Rest der Handlung spielt sich mit Ausnahme zweier Ausflüge nach Wien in Salzburg ab. Dennoch sorgen Regie und Kamera selbstredend für viel Augenfutter; als Krüger gegen Ende einen alten Traum seiner verstorbenen Frau erfüllt und eine Runde im Wiener Riesenrad dreht, erfreut Kameramann Daniel Koppelkamm mit Aufnahmen, die das Herz jedes Touristikers hüpfen lassen. Aber die Bilder dienen keinem Selbstzweck; zwei Salzburger Seilbahnfahrten zum Beispiel hängen direkt mit der Überführung des Gauners zusammen, und die Prater-Romantik ist ganz wesentlich für die Botschaft des Films. Außerdem sind die Stadt- und Landansichten nie wichtiger als die Personen und ihre Darsteller. 

Es ist erneut eine große Freude, Horst Krause und Fritz Roth zuzuschauen, auch wenn man sicher einwenden kann, dass sich die Figur „Krüger“ nur um Nuancen vom pensionierten „Polizeiruf“-Polizisten Horst Krause unterscheidet, dem Regisseur Bernd Böhlich einst den Namen seines Darstellers gab und der in bislang fünf Komödien von „Krauses Fest“ (2007) bis „Krauses Glück“ (2016) allerhand Abenteuer mit seinen Schwestern erleben durfte. Der in sich ruhende brandenburgische Schauspieler ist mittlerweile 76 und endgültig so etwas wie die personifizierte Entschleunigung. Allerdings hat sich sein Krüger im Verlauf der drei Filme entwickelt: Der Misanthrop aus dem Türkei-Abenteuer hat sich zu einem vergleichsweise gelassenen Zeitgenossen gewandelt, der sich durch nichts erschüttern lässt; außer durch die Aussicht, dass seine geliebte Stammkneipe schließen könnte.

Fritz Roth als zwischen Hoffen und Bangen schwankender Freund und Boule-Partner ist erneut ein vorzüglicher Mitspieler. Manon Straché bedient zwar alle Klischees der Berliner Schnauze und spielt die auf Wolke sieben schwebende Wirtin mit derart großer Hingabe, dass sie auch jedem Lustspiel zur Ehre gereichen würde, doch der verliebten Wirtin gebühren mildernde Umstände. Außerdem könnte man anmerken, dass die Inszenierung ein ähnliches Tempo vorlegt wie die alten Herrschaften, aber alles andere würde vermutlich auch seltsam anmuten.

Immerhin  setzt die von allerlei Johann-Strauß-Walzern durchwirkte Musik (Stefan Maria Schneider) gelegentliche ironische Kontrapunkte und überrascht mit gelegentlichen Blues-Elementen; auf diese Weise gibt sie dem Film genau die richtige Note. Die beiden Botschaften der Geschichte sind ebenfalls sympathisch verpackt. Letztlich, stellt Krüger irgendwann fest, unterscheiden sich Deutsche und Österreicher nur in einem Punkt: Beide sitzen gern in der Kneipe und lästern, aber die einen trinken dabei Bier und die anderen Wein.

Die zweite Botschaft hat sich schon mit der Riesenradfahrt angedeutet und wird endgültig klar, als Krüger seiner Enkelin Annie (Anna Hausburg) eine Hochzeitsreise nach Österreich spendiert: Erfüllt euch eure Träume, solange ihr noch jung genug seid.

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