Richter Max Althammer (Franz Xaver Kroetz) verhandelt skurrile Fälle.
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Richter Max Althammer (Franz Xaver Kroetz) verhandelt skurrile Fälle.

"Über Land: Die Fahrerin", ZDF

Freistaatlich bayerisches Amtsgericht

  • Harald Keller
    vonHarald Keller
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Franz X. Bogner bleibt in seiner Serie über einen strafversetzten Richter in der bayerischen Provinz seinem Stil und seinen Motiven treu.

Wenn die Geschichte der deutschen Serienproduktionen aufgearbeitet wird, darf der Name Franz X. Bogner nicht fehlen. Seine Serie „Irgendwie und Sowieso“ ist bis heute Kult. Es folgten weitere serielle Erzählungen, in denen der vielfach preisgekrönte Bogner bayerische Schauplätze zwischen München und fiktiven Gemeinden wie Schexing mit kauzigen, lebensnahen Originalen bevölkerte. Fast schon naturgemäß waren diese Stoffe im Bayerischen Fernsehen zu finden. Mit der vorerst auf drei Teile angelegten Produktion „Über Land“ wechselt Bogner nun zum ZDF.

Seinem Stil und seinen Motiven bleibt Bogner treu. Wie zuvor in „Der Kaiser von Schexing – Ein Bürgermeister aus Bayern“ kehrt die Hauptfigur eingangs von einer mehrjährigen Weltreise zurück, und ein „Café Meineid“ gibt es auch, nur dass es hier „Café Paragraph“ heißt. Serviert werden dort außer Weißbier der „Meineidteller“ (sic!), „Unschuldslamm“ und das „Schwurgericht“.

Im „Café Meineid“ trafen sich Personal und Zaungäste des Münchner Amtsgerichts. Dorthin strebt Richter Max Althammer (Franz Xaver Kroetz), als er sich nach dreijähriger Berufsabwesenheit bei seiner Ex-Freundin, der inzwischen zur Gerichtspräsidentin aufgestiegenen Bettina Schack (Suzanne von Borsody) zurückmeldet. Die Chefin hegt offenbar noch Gefühle für den eigensinnigen Kollegen, schmollt aber und kreidet ihm an, dass er all die Zeit nichts von sich hören ließ.

Die Strafe folgt auf dem Fuße. Nicht in München darf er Recht sprechen, sondern er muss hinaus in die Provinz. Schwierig, denn er hat seinen Führerschein verloren, woran Schack nicht ganz unschuldig ist. Kurzerhand heuert er Taxibesitzerin Frieda Mirko (Maria Simon) an, die aus der früheren DDR stammt, auf Stasi-Erfahrungen zurückblickt und deshalb auf jegliche Art polizeilicher Ermittlungen allergisch reagiert. In einem rollenden Schmuckstück, einem gepflegten Citroën DS, schwebt Althammer über Land.

Sein erster Gerichtstag umfasst die Anklage gegen einen Heimatsvereinsvorsitzenden, der beschuldigt wird, drei Glühlampen gestohlen zu haben, was er abstreitet. Der geschädigte Elektrogroßmarkt habe das vermeintliche Diebesgut als kostenlos annonciert. Länger dauert die Wahrheitsfindung in der zweiten Angelegenheit. Eine Bäuerin hat als Alternative zur herkömmlichen Landwirtschaft ein Leasing- und Mietmodell für Hoftiere entwickelt. Zum Ärger der örtlichen Tierschützer. Einer von denen ließ den Viehbestand frei. Wobei viele den Tod fanden.

Fürsprecher der Schweigsamen

Die Reihe erzählt den Zeitläuften entnommene kleine Geschichten, entspanntes Nebenbei-Fernsehen für den Wochenendnachmittag. Althammer, dessen Name vielleicht nicht zufällig an den Richter Stierhammer aus dem 70er-Jahre-Publikumsfavoriten „Königlich Bayerisches Amtsgericht“ erinnert, ist ein Gerechtigkeitsmensch. Er hat seine Gesetze parat, interpretiert sie aber kreativ und lässt dabei den gesunden Menschenverstand nicht außer acht. Windbeutel und Wichtigtuer sind ihm ein Gräuel, ihnen begegnet er mit sanftem Spott oder gar offener Ablehnung.

Vor den Schranken des Gerichts stehen gelegentlich Menschen, denen die eloquente Wortführung nicht in die Wiege gelegt wurde. Glücklicherweise finden sie meist in Althammer einen zugeneigten Fürsprecher. Verkörpert Althammer eine moderne Form bayerisch-bäuerlicher Schlitzohrigkeit, erhält er in der taffen Frieda Mirko einen mürrischen, sein sonniges Wesen parierenden Widerpart.

Typisch Bogner also, nur leider nicht vollends überzeugend, weil bisweilen unaufmerksam im Detail. Da trifft Frieda Mirko zufällig zur selben Zeit auf dem Hof der gerade im Gerichtssaal weilenden Bäuerin (Judith Richter) ein wie ein Strolch, der dort Beweise fälschen möchte. Wiewohl Mirko in stiller Umgebung mit dem Auto vorfährt, bemerkt der Bursche nichts, und es gelingt ihr sogar, ihn bei seiner Tat zu fotografieren. Nicht sehr glaubwürdig. Und die kurz darauf an Althammer gesandten Aufnahmen stimmen mit der Filmszene nicht überein. In kommenden Serienlexika wird die Rubrik „Goofs“ (Filmpatzer) nicht leer bleiben.

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