Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Heute gehören bunte Gaypride-Paraden zur kulturellen Vielfalt.
+
Heute gehören bunte Gaypride-Paraden zur kulturellen Vielfalt.

TV-Kritik: „I want to break free!“

Freiheit unterm Regenbogen

  • Daland Segler
    vonDaland Segler
    schließen

Arte nimmt den Christopher Street Day zum Anlass einer zweiteiligen Reihe über die Geschichte der Lesben- und Schwulenbewegung.

An diesem Wochenende feiert die Welt den Christopher Street Day. Der erinnert an eine Revolte der Schwulen in einer New Yorker Bar namens Stonewall, wo Polizisten dabei scheiterten, die Homosexuellen zu schikanieren. Arte nimmt den Feiertag zum Anlass, eine zweiteilige Dokumentation über die Geschichte der Lesben- und Schwulenbewegung aufzulegen, Der erste Film trägt den von Freddie Mercurys Queen-Hymne entlehnten Titel „I want to break free!“.

Dabei verzichten die Autoren darauf, bis in die Antike zurückzureisen; sie beschränken sich klugerweise auf die Nachkriegszeit und zeichnen den elend langen Weg vom gezwungenen Verstecken bis zur Befreiung nach, der ein Weg der Medien-Entwicklung zugleich ist. Denn zunächst wirkten die in der Zeit nach dem Krieg massenhaft verbreiteten Heftchen, etwa über Bodybuilding, als Mittel der Verständigung. Das Kino spielte eine immer wichtigere Rolle, so wurde Marlon Brando in seiner Lederjacke als „Der Wilde“ in László Benedeks Film zu einer Ikone der Homosexuellen. Der Zeichner Tom of Finland griff die Erscheinung des virilen Mannes in der schwarzen Kluft auf und schuf damit das Bild für Generationen von Schwulen – bis in die Filme Rainer Werner Fassbinders hinein, etwa „Querelle“.

Zu kurz kommen die Lesben zu Wort

Freilich galt auch im Kino Homosexualität als Tabu. Wurde ein Mann doch als schwul dargestellt, musste er ein Schurke, ein Feind, zumindest gefährlich sein. Das verlangte der bis 1967 (!) geltende berüchtigte Hays-Code. Um ihn zu umgehen, versuchten die Autoren und Regisseure, ihr Interesse im Subtext unterzubringen; der Film bietet einleuchtende Beispiele etwa aus „Cocktail für eine Leiche“, „Geächtet“ und natürlich „Ben Hur“ – gerade die Sandelenfilme boten Gelegenheiten, muskulöse Männerkörper vorzuführen. Dabei waren einige prominente Drehbuch-Autoren wie Gore Vidal oder Truman Capote selbst schwul, und als nette Anekdote erzählt Regisseur Maxime Donzel die wahre Geschichte des Filmtitels „Frühstück bei Tiffany“: Das war nämlich der Preis, den ein schwuler Soldat von einem Kameraden für einen Liebesdienst verlangt hatte – ohne zu wissen, dass die Adresse keine Bar, sondern ein Juwelier war...

Das Gewicht der Dokumentation liegt etwas zu sehr – man ist im Fernsehen – auf dem Kino als Medium und der Geschichte der männlichen Homosexuellen, zu kurz kommen die Lesben zu Wort. Doch schließlich fanden nicht wenige Schwule das andere Geschlecht faszinierend, und es gab ja neben den Ledermännern auch die Herren, die sich als Damen gaben. Lesbische Liebe wurde in der männlich dominierten Gesellschaft immer auch mit dem Auge des Voyeurs betrachtet, durfte aber Jahrzehnte lang nicht zum öffentlichen Thema werden. Tony Scotts Film „Begierde“ mit dem androgynen David Bowie, Catherine Deneuve und Sigourney Weaver markierte da einen Einschnitt.

Als entscheidenden Schritt zu mehr Freiheit der gesamten LGBT-Bewegung („Lesbian, Gay, Bisexual und Trans“) empfinden heute Prominente wie die französische Komikerin Océan Rose Edouardo Molinaros Film „Ein Käfig voller Narren“. Die Transvestiten-Helden gaben zugleich einen Schub für die heute überall als anerkannte Unterhaltungskünstler auftretenden „Drag Queens“. Inzwischen gibt es für sie einen Wettbewerb, veranstaltet von der Königin der Drag Queens: Rupaul, die ein Mitstreiter gar als „Dalai Lama für Schwule“ tituliert.

Diese Künstler weisen eine große menschliche Qualität auf: Die Fähigkeit, zu sich selbst auf Distanz gehen und über sich selbst lachen zu können – trotz all des Leids und der Unterdrückung, die erfahren musste, wer nicht der Norm entsprach. Deshalb gelten in der Community der Schwulen und Lesben auch Künstlerinnen mit einer Leidensgeschichte als Idole, allen voran vielleicht Joan Crawford, deren Interpretation des Liedes „Somewhere Over the Rainbow“ schließlich das Symbol der Bewegung inspiriert hat: die Regenbogenfahne.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare