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Der Apache Winnetou (Nik Xhelilaj, l.) und Old Shatterhand (Wotan Wilke Möhring) sind Freunde geworden und der Ingenieur ist fasziniert von den Fähigkeiten der Indianer.
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Der Apache Winnetou (Nik Xhelilaj, l.) und Old Shatterhand (Wotan Wilke Möhring) sind Freunde geworden und der Ingenieur ist fasziniert von den Fähigkeiten der Indianer.

Winnetou-Dreiteiler

Mit Fransen ins Abenteuer

  • Judith Köneke
    VonJudith Köneke
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Lagerfeuerromantik und Action in drei Teilen, RTL hat die Winnetou-Klassiker aufwendig neu verfilmt.

Wumms, ein Stempel aufs Papier und er ist angekommen. Amerika, Ellis Island, irgendwann in den 1860er Jahren. „Guten Tag, mein Name ist Karl May.“ Der junge Ingenieur, mit sächsischem Universitätszeugnis in der Tasche, will beim Bau der Pacific Railway helfen. Seine Erwartungen sind hoch. An seinem Schreibtisch in Leipzig hat er „von großen Projekten in fremden Ländern geträumt“. Die matschige Westernstadt Roswell ist zunächst sein Zuhause. So beginnt der Dreiteiler „Winnetou – Der Mythos“ lebt, der an den Weihnachtstagen ausgestrahlt wird. RTL hat sich an ein Remake der Kinoklassiker aus den 1960ern gewagt.

Statt Lex Barker ist Wotan Wilke Möhring nun der deutsche Einwanderer, der sich durch seinen kräftigen Schlag gleich ein wenig Respekt bei seinen fiesen Kollegen verschafft und trotzdem höflich bleibt. „Ich muss Sie darauf hinweisen, dass ich im Verein geboxt habe.“ Auch die Indianer erkennen seine starke Faust und geben ihm den Namen, der ihn berühmt macht: Old Shatterhand. Winnetou (Kreshnik „Nik“ Xhelilaj) und dessen Stammesbrüder und -schwestern der Apachen lernt er kennen, nachdem er bei einem Kampf von einem Pfeil verwundet wurde. Winnetous Schwester Nscho-Tschi (Iazua Larios) pflegt ihn gesund.

Dermaßen herzlich aufgenommen und gerettet, will Shatterhand den Apachen helfen. Denn die Eisenbahngesellschaft will ihre Trasse durch Indianerland bauen. Verständlich, dass der Indianerfreund damit nicht gerade offene Türen einrennt. Es kommt zuerst zu einer wilden Schießerei und einem Showdown auf einer hölzernen Eisenbahnbrückebrücke – eine gelungene Computeranimation.

Wer auf Westernklischees wie Schießereien, Abenteuer und unendliche Weiten hofft, wird bei der Neuauflage von Philipp Stölzl („Der Medicus“) nicht enttäuscht. Die mehr als fünf Stunden bieten Lagerfeuerromantik, Gefechte sowie, auch das gehört dazu, waghalsige Ritte durch scheinbar unberührte Natur. Die eindrucksvolle Naturkulisse werden viele Winnetou-Fans wiedererkennen. Denn gedreht wurde in Kroatien, in dessen weiten Tälern, hohen Bergen, tiefen Schluchten und leuchtend blauen Seen schon die alten Filme spielten. Auch die bekannten Filmmelodien von Martin Böttcher sind zu hören, von Heiko Maile und dem Deutschen Filmorchester Babelsberg neu arrangiert.

Während sich Winnetou und Old Shatterhand im ersten Teil noch annähern, sind sie in „Das Geheimnis vom Silbersee“ zu besten Freunden geworden und Shatterhand lernt immer mehr von dem Indianerstamm, neben ihren Werten, versucht er sich auch ihre Fertigkeiten anzueignen. Pferde einfangen klappt noch nicht so gut. „Er macht noch mehr Lärm beim anschleichen, als eine Büffelherde“, verrät Winnetou seiner Schwester. Doch die Belohnung bleibt nicht aus. Shatterhand bekommt einen Lederanzug, den mit Fransen, geschenkt.

Nscho-Tschi wird wenig später von mexikanischen Banditen entführt, die auf der Suche nach dem Silbersee-Schatz sind. Inmitten der Verfolgungsjagden wird immer deutlicher, dass sich zwischen Nscho-Tschi und Old Shatterhand etwas anbahnt. Obwohl man ihn nie mit einer Frau sieht, gibt Winnetou praktische Lebenshilfe: „Wenn du finden Liebe, du nie mehr lassen los.“ Wen dieser Satz verwundert: Die Häuptlingsfamilie spricht gebrochen deutsch, also eigentlich ja gebrochen amerikanisch, ihre Muttersprache wird dagegen mit Untertiteln übersetzt. Die Weißen wiederum sprechen bestes Hochdeutsch. Nun ja. Im dritten Teil, „Der letzte Kampf“ leben Shatterhand und Nscho-Tschi auf einer Ranch, auf der Shatterhand und Winnetou zufällig eine Ölquelle entdecken. Das kommt allerdings rasch heraus und mündet in großen Kämpfen.

Spielt Möhring Shatterhand durchaus glaubhaft als höflichen und naiven Deutschen, der schon bald Mut beweist, bleibt der aus Albanien stammende Schauspieler Xhelilaj (vielleicht gesehen in dem Film „Der Albaner“) als stolzer Indianerhäuptling doch eher farblos, trotz Kriegsbemalung. Positiv hervorzuheben ist, dass er erstaunlich oft oben ohne unterwegs ist. Auch die Mexikanerin Iazua Larios fällt nicht besonders auf, was an ihrer Rolle liegen mag, die aber als Schamanin durchaus emanzipierter auftritt als in den bisherigen Verfilmungen.

Umso mehr überzeugen die Nebendarsteller. Milan Peschel mimt einen schrulligen, aber liebenswerten Sam Hawkens, Jürgen Vogel glänzt als ungehobelter und skrupelloser Vorarbeiter Rattler, Fahri Yardim verkörpert gekonnt den nicht weniger gemeinen und verliebten Banditen El Mas Loco. Als guter alter Bekannter aus den Winnetou-Filmen kehrt sogar Mario Adorf als Santer Senior zurück.

Die Filmemacher schaffen es auf alle Fälle mit ihrer aufwendigen Produktion zu unterhalten. Das Team bestand aus bis zu 220 Personen, vor der Kamera kamen 76 Schauspieler und 4000 Komparsen zum Einsatz. Rund 500 Kostüme wurden angefertigt. Man könnte sich nun fragen, sind solche Western noch zeitgemäß, oder nur die Weiterführung der abenteuerlichen Vorstellungen eines deutschen Autors, der in seinem Kämmerlein schrieb, genährt durch Mythen und Erzählungen. Andererseits kommen die Ereignisse einem doch erstaunlich aktuell vor: Kampf um (indianisches) Land, um Öl, nicht zuletzt, sich bekriegende Volksgruppen. Und man wünscht sich, dass Völkerverständigung so einfach wäre.

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