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Ermittler bei der Arbeit: Paul Brix, Constanze Lauritzer, Anna Janneke.

Frankfurt-Tatort „Das Monster von Kassel“

Die Tatort-Kommissare sind eben einfach schlauer

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Der neue Frankfurt-Tatort „Das Monster von Kassel“ ist pfiffig und vermeidet Klischees.

Ehe sich nun die Einwohner Kassels beim Hessischen Rundfunk beschweren: Trotz des Titels „Das Monster von Kassel“ geht es in diesem neuen Frankfurt-Tatort (eigentlich: Viel-Kassel-wenig-Frankfurt-Tatort) eher gegen bornierte Frankfurter. Um Frankfurter mit dicken, vor allem wettertechnischen Vorurteilen. Die fürsorgliche Fanny, Zazie de Paris, hat Regenschirme für Paul Brix und Anna Janneke besorgt und drängt sie ihnen geradezu auf. Sogleich ist auch die Rede von „Hessisch Sibirien“, har har, aber dann schwitzen sich die beiden Ermittler in der nordhessischen Stadt einen ab.

Der eigentliche Witz der Geschichte von Stephan Brüggenthies und Andrea Heller in der Regie Umut Dags aber ist: Was als Horrorfilm beginnt – eine vermummte Gestalt schleppt eine Leiche, zerteilt diese Leiche mit einem Hackebeil, verteilt verpackte Körperteile – verwandelt sich schon bald und von einem Moment auf den anderen von einem Whodunnit in einen Krimi, bei dem es vor allem darum geht, wie der raffinierte und eisekalte (Hessisch Sibirien!) Täter überführt werden kann. Oh!, denkt die Rezensentin, und vielleicht noch schnell: Hä? Da hat die vermummte Gestalt ihre Kapuze schon abgestreift und wendet den Kopf .... Na so was.

Einige liebgewonnene Sonntagabend-Gewohnheiten werden enttäuscht

Ziemlich viel kommt nun anders, einige womöglich liebgewonnene Sonntagabend-Gewohnheiten werden enttäuscht: Kein SEK-Einsatz, der grotesk schiefgeht, keine Kommissarin, die, wie es in PR-Texten immer so schön heißt, selbst „ins Fadenkreuz“ des Mörders gerät, keine Intrigen zwischen den Frankfurter und den Kasseler Ermittlern – Christina Große spielt eine pfiffige nordhessische Chefin namens Constanze Lauritzer. Das alles geht mehr als nur in Ordnung.

Erstmal weiß der Zuschauer also viel mehr als die Polizei, aber „Das Monster von Kassel“ zeigt Kommissare, die unaufgeregt dranbleiben. Paul Brix, Wolfram Koch, radelt mehrfach die Strecke ab, die das Opfer genommen haben muss, und findet mal große, mal ganz kleine Hinweise. Anna Janneke, Margarita Broich, fotografiert zwar erneut herum, als gäbe es keine Spusi; doch während sie zuletzt, im katastrophal schlechten „Der Turm“, planlos herumtappen musste, darf sie nun dem schlauen Täter beweisen, dass sie schlauer ist. Und die noch bessere Schauspielerin.

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Und das will was heißen. Denn Barry Atsma („Bad-Banks-Holländer im Hessen-Tatort“ schreibt „Bild“) spielt den trauernden, trotz allem seinen Job als Talkmaster machenden Stiefvater furios. Und natürlich unterstützt er in allem die Polizei – und wirkt dabei sogar aufrichtig. Jedenfalls muss der Täter „ein Monster“ sein, sagt TV-Promi Maarten Jansen. Und aus Kassel, „aus unserer Stadt“ (Jansen), ist der Mörder doch bestimmt auch nicht. Da guckt Anna Janneke schon so, als wüsste sie es besser. Und sie weiß es bald ja tatsächlich besser.

Es freut, mal wieder einen Tatort zu sehen, in dem Grips gegen Grips antritt. In dem befragt und verhört wird, dass es eine Art ist. In dem geschickte Schachzüge zu bewundern sind – und durchaus auch die makabre, nach allen Regeln der Kunst gefilmte Irreführung am Anfang. Das Ende ist dafür ein kleines Märchen, aber das stört nicht wirklich.

„Tatort: Das Monster von Kassel“, ARD, So., 20.15 Uhr.

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