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Frankfurt-Tatort „Leben Tod Ekstase“ im Ersten: Auf einem höllischen Trip

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Von: Sylvia Staude

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Dr. Adrian Goser bereitet den Trip vor. HR/Bettina Müller
Dr. Adrian Goser bereitet den Trip vor. HR/Bettina Müller © HR/Bettina Müller

In „Leben Tod Ekstase“ ermittelt das Tatort-Team nach einer tödlichen Therapiesitzung. Ein angestrengter und darum auch ermüdender Frankfurt-Tatort in der ARD.

Spätestens als Festnetz- und Mobiltelefone nicht funktionieren, allerspätestens als der Streifenpolizist und Paul Brix sich in der dunklen Villa sofort trennen, einer nach oben, der andere nach unten läuft, allerallerspätestens aber, wenn die Waffen der Gesetzeshüter durch die Luft segeln, als hätte der Täter sie vorab einseifen können – da besteht kein Zweifel mehr, dass dies einer von den Tatorten ist, in dem die Polizei sich dümmer anstellt, als sie selbst erlaubt. Um von Vorschriften gar nicht zu reden. Würde ein Auffrischungskurs für Janneke und Brix, Margarita Broich und Wolfram Koch, helfen?

Eher nicht, denn Regisseur Nikias Chryssos, der mit Michael Comtess auch das Buch beim neuen Frankfurt-Tatort in der ARD verantwortet, möchte es so: Einen dieser blutigen (elf Tote, wenn wir richtig gezählt haben), fahrigen, sein spannendes Thema dabei aus dem Blick verlierenden TV-Krimis, bei dem die Macher vielleicht an Satire dachten, ohne auch das so richtig durchzuziehen.

Tatort: Leben Tod Ekstase
Anna JannekeMargarita Broich
Paul BrixWolfram Koch
Dr. Adrian GoserMartin Wuttke
JohnPit Bukowski
SydFrederik von Lüttichau
Ellen JensenAenne Scharz
Regie:Nikias Chryssos
Buch:Michael Comtess/Nikias Chryssos

Frankfurt-Tatort im Ersten: Inspiriert von realen Fällen?

Ein wahrer Fall mag den Anstoß gegeben haben für die Tatort-Folge „Leben Tod Ekstase“: Zwei Menschen starben vor Jahren in Berlin bei einer sogenannten psycholytischen Therapiesitzung. Unter anderem LSD wird dabei unter Aufsicht verwendet.

An Martin Wuttke als eine Art Guru liegt es nicht, dass von Ekstase bald keine Rede sein kann. Dr. Adrian Goser gibt seinen Patientinnen und Patienten – er sagt „Gefährten“ – alles an Ermutigung, verspricht eine „Reise zum Ursprung“, ein „drittes Auge“, dass sie gar greifen könnten nach dem goldenen Vlies.

Dann gibt er je einen Tropfen in Gläser mit Champagner. Dann sterben die Gefährten und Gefährtinnen gar fürchterlich. Einer, indem er im Wahn auf seinen Unterleib einsticht. Einer, indem er halluzinierend vom Balkon springt. Das Bild wird rot, die Kamera wackelt. „Verdammte Freaks“, stellt Brix nach Eintreffen fest. Und findet, dass Kollegin Janneke erstaunlich „esoterisch drauf“ ist.

Tatort am Sonntag: Frankfurter Ermittler:innen begeben sich in Gefahr

„10 Tage später“: Janneke und Brix kommen nicht weiter, Goser erinnert sich an nichts oder gibt vor, sich nicht zu erinnern. Vor Ort, in seiner Villa, soll seinem Gedächtnis aufgeholfen werden. Offenbar hat die Polizei den Ausflug aus der Untersuchungshaft in die Zeitung oder ins Internet gestellt, denn jemand scheint aufs Beste präpariert... siehe Anfang.

Fans der Serie „House of the Dragon“ beschwerten sich kürzlich über die Dunkelheit in einer Folge. Hier tapern Janneke, Brix, Gosen und ein Streifenpolizist durch dunkle Räume, als gebe es in der Villa keine Lichtschalter. Lassen sich umbringen, k. o. schlagen, die Waffe abnehmen. Aus dem Keller steigt ein Überraschungsgast (Pit Bukowski), der bewegungstechnisch an ein Frankenstein-Monster erinnert. Einen Spaß will sich der Regisseur machen?

Sendezeit

„Tatort: Leben Tod Ekstase“, ARD, So., 20.15 Uhr.

Sonntagabend im Ersten: Frankfurt-Tatort mit Rückblenden zu den Opfern

Es gibt kurze Rückblenden auf einige der bei Gosen Hilfe Suchenden – und das wäre doch ein Thema gewesen: die „verdammten Freaks“, Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen einem charismatischen Therapeuten folgen. Der eine, Syd, Frederik von Lüttichau, war Soldat und hat ein Kriegstrauma. Die andere, Ellen, Aenne Schwarz, wurde entführt, war tagelang eingesperrt, hat sich jeden Tag in die Haut geschnitten. Als Künstlerin hat sie sich à la Marina Abramovicz selbst verletzt.

Aber über alles wird hinweggehuscht, mit schnellen Schnitten, schwankender Kamera, unter Einsatz von reichlich Kunstblut. Und irgendwann wird (fast) jeder und jede gefragt, welcher sein oder ihr Lieblingsfilm mit Arnold Schwarzenegger ist. So dass die letzte komplette Nicht-Überraschung an diesem Abend Brix’ Antwort ist: Kindergarten Cop. (Sylvia Staude)

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