Corona im Schlachthof - sind uns Mensch und Tiere Wurst?
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Corona im Schlachthof - sind uns Mensch und Tiere Wurst?

Talkrunde in der ARD

Bei „Hart aber fair“ geht es um die (Billig-)Wurst: Frank Plasberg mit peinlichem Fauxpas

Der erbärmliche Auftritt eines Vertreters der Fleischindustrie erregt bei „Hart aber fair“ das Mitleid des Moderators Frank Plasberg.

  • In Schlachthöfen gibt es immer wieder Infektionen mit dem Coronavirus
  • Bei Frank Plasberg in der Sendung „hart aber fair“* werden die Zustände in der Fleischindustrie diskutiert
  • Zu kurz kommt mal wieder das Wohl der Tiere 

Die Corona-Krise fördert in vielerlei Hinsicht gesellschaftliche Missstände besonders zutage. So machen seit einigen Wochen immer wieder Infektionen mit dem Coronavirus in Schlachthöfen die Schlagzeilen. In vielen Betrieben sind die Arbeitsbedingungen prekär und die Mitarbeitenden in Massenunterkünften untergebracht. Das führt dazu, dass sie Mindestabstände nicht einhalten können. Frank Plasberg fragt in seiner Sendung „hart aber fair“ (ARD*) diese Woche deswegen „Corona im Schlachthof – Sind uns Mensch und Tiere Wurst?“.

„Hart aber fair“: Frank Plasberg versucht, zu viele Themen abzudecken

Wie so häufig, versucht Frank Plasberg dabei zu viele Themen in einer Sendung unterzubringen. Diesmal leidet die Frage nach dem Tierwohl darunter. Die Diskussion um prekäre Arbeitsbedingungen und Unterbringungsmöglichkeiten der Angestellten aus Osteuropa dominiert die Sendung „hart aber fair“ (ARD). Anette Dowideit, Investigativjournalistin der WELT, erklärt, die Unterkünfte der Beschäftigten seien teilweise „richtige Schrottimmobilien“, wofür die Menschen auch noch hohe Preise zu zahlen hätten. Abstand zu halten sei in den Unterkünften und in den Arbeitsstellen nicht möglich, zudem würde nicht immer Schutzkleidung bereitgestellt.

Frank Plasberg in „Hart aber fair“ bringt Arbeitsminister Hubertus Heil in die Diskussion ein

Diese Einschätzung unterstützt der Reporter des Deutschlandfunk, Manfred Götzke. Für eine Reportage unterhielt er sich mit rumänischen Gastarbeitern der Firma Westfleisch, in der er es einen Corona-Ausbruch gab. Dort wussten die Menschen in Quarantäne zum Teil nicht einmal, ob sie überhaupt mit Lebensmitteln versorgt werden würden. Lediglich diejenigen, die Geld zu Verfügung hatten, wurden laut Götzke mit Lebensmitteln versorgt. Dass auch sie nicht viel Geld haben, rechnet der Journalist eindrücklich vor: Nach Abzug aller Kosten hätten sie am Ende des Monats ca. 600 bis 700 Euro brutto übrig. Und das bei deutlich mehr als 40 Stunden pro Woche. Frank Plasberg (ARD) kommt an dieser Stelle seiner Pflicht als Moderator nach und schaltet Arbeitsminister Hubertus Heil in die Diskussion ein. So entsteht das erste Mal an diesem Abend ein produktiver Austausch zwischen den Gästen.

Heil bekräftigt den Willen der Bundesregierung, Werkverträge und Leiharbeit in der Fleischindustrie zu verbieten. „Die verschachtelte Konstruktion mit verschiedenen Subunternehmen ist die Wurzel des Problems“, so Heil. In Bezug auf die Fleischindustrie betont er: „Das ist organisierte Verantwortungslosigkeit“. Die diversen Subunternehmen in der Fleischindustrie tricksen laut Heil Gesetze aus, um die Menschen unter Mindestlohn zu bezahlen.

„Hart aber fair“: Der Vertreter der Fleischindustrie wird geschont

Glücklicherweise sitzt in der Sendung ein Vertreter der Fleischindustrie, um zu diesen Vorwürfen Stellung zu beziehen, könnte man als Zuschauerin meinen. Aus dem Mund von Heiner Manten, Vorsitzender des Verbands der Fleischwirtschaft (VDF) kommt zunächst aber lediglich Gestammel. Sein erbärmlicher Auftritt erregt sogar das Mitleid des Moderators. Beim Versuch, Manten ein paar vernünftige Worte zu entlocken, erlaubt Frank Plasberg sich jedoch einen peinlichen Faux-Pas. Unter völliger Missachtung des Mindestabstands redet er dem Geschäftsführer von Manten-Fleisch gut zu. „Ich möchte nicht, dass es Ihnen hier schlecht geht.“ So ein Mimimi um einen Mann, der den Vorwürfen über prekäre Beschäftigungs- und Unterbringungsmöglichkeiten offenbar nichts Fundamentales entgegenzusetzen hat, passt nicht gerade zum Namen der Sendung „hart aber fair“.

Seine Sprache wiedergefunden, betont Manten lediglich, von Verstößen gegen das Mindestlohngesetz nichts zu halten. Seine Aussage, die Arbeiter bei Manten-Fleisch würden nach Mindestlohn vergütet, sieht die WELT-Journalistin skeptisch. Diese Angabe liege weit über dem Durchschnitt im Rest der Branche, so Dowideit. Außerdem gibt Manten an, die Berichte über Unterbringungen in Massenunterkünften und die furchtbaren hygienischen Bedingungen in ebendiesen nicht zu glauben. „Das sind Einzelfälle“, so Manten. Dass er als Vertreter der Fleischwirtschaft ungern über diese Missstände spricht, ist verständlich; indem er jedoch so tut, als gäbe es quasi kein Problem, macht er sich völlig unglaubwürdig.

Von Josephine von der Haar

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Redaktionsnetzwerks.

Zur Sendung

„hart aber fair“: Die Sendung mit Frank Plasberg in der ARD-Mediathek.

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