Frank Plasberg diskutiert in „Hart aber fair“ (ARD) über die US-Wahlen 2020.
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Frank Plasberg diskutiert in „Hart aber fair“ (ARD) über die US-Wahlen 2020.

Frank Plasberg, „Hart aber fair“ (ARD)

US-Wahl bei Frank Plasbergs „Hart aber fair“ (ARD): Wer fährt die Hysterie herunter?

  • vonMichael Meyns
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Frank Plasberg diskutiert in „hart aber fair“ (ARD) die „Freie Welt vor einer Jahrhundertwahl“. Drunter macht man es nicht beim Vorabend der US-Wahlen 2020. 

  • Thema bei Frank Plasberg in „Hart aber fair“ (ARD): Die US-Wahlen 2020.
  • Eine Wahl, die für die USA und die Welt historisch ist - so zumindest suggeriert es die Presse.  
  • US-Wahlen 2020: Alle Nachrichten im Überblick.

Zum Thema „Trump oder Biden – Die freie Welt vor einer Jahrhundertwahl!“ - Natürlich mit Ausrufezeichen - hatte Frank Plasberg in „Hart aber fair“ (ARD) am Montagabend geladen, einen Tag vor der Präsidentschaftswahl in Amerika, einen Tag, bevor möglicherweise das Ende der Welt wie wir sie kennen, zumindest aber der westlichen Zivilisation, eingeläutet werden könnte.

„Hart aber fair“ (ARD) mit Frank Plasberg: US-Wahl 2020 mutiert zur „Schicksalwahl“

Das suggerieren die Schlagzeilen der deutschen Presse. Der Berliner Tagesspiegel fragte am Montag „Stirbt die US-Demokratie?“, der Spiegel beschreibt in seiner aktuellen Ausgabe das „Vermächtnis eines Brandstifters“ und setzt den noch-Präsidenten Donald Trump auf einen Thron über den Trümmern der Freiheitsstatue, während im Hintergrund eine verbrannte amerikanische Fahne müde weht. Alternativer Begriff zur Jahrhundertwahl war je nach Medium mal die „Schicksalswahl“, mal nicht weniger als die „wichtigste Wahl aller Zeiten“; weniger Fallhöhe ging nicht.

„Hart aber fair“ (ARD) mit Frank Plasberg: Sendung bodenständiger als gedacht

Die ARD-Sendung um Frank Plasberg selbst lief dann wesentlich bodenständiger ab, als der reißerische Titel erwarten ließ, in weiten Teilen auch zivilisiert, außer als zwei Amerikaner zu Wort kamen: George Weinberg, Aufsichtsratsmitglied der Republican Overseas Germany, glaubt fest daran, dass Donald Trump wiedergewählt wird, denn er habe erfolgreiche Innen- wie Außenpolitik gemacht. Sein Gegenpart Candice Kerestan von den Democrats Abroad Germany sah das naturgemäß ganz anders und sagte bei „Hart aber fair“, dass Donald Trump die Spaltung der Gesellschaft vorantreibt. Wie ihre jeweiligen Kandidaten bei der ersten Debatte ließen sich die Rivalen kaum zu Wort kommen und führten dem deutschen Fernsehzuschauer bei Plasberg sehr schön vor Augen, wie verhärtet die Fronten des amerikanischen Diskurses sind.

Frank Plasberg in „Hart aber fair“ (ARD): Auch Joe Biden wird nicht alles richten können

Ähnliches konnte auch Ingo Zamperoni berichten, Tagesthemen-Moderator, „Hart aber fair“ (ARD) zugeschaltet aus Washington, der durch seine amerikanische Frau und deren Verwandtschaft hautnah erlebt, wie die Polarisierung der amerikanischen Politik fortschreitet. Seine Verwandtschaft wählt teils Donald Trump, teils Joe Biden, und Zamperoni steckt mittendrin. Und erkennt in „Hart aber fair“ treffend, dass die Spaltung der Gesellschaft in keiner Weise Ergebnis der Präsidentschaft Trumps ist, sondern tiefer gehende Ursachen hat. Ursachen vor allem, die sich nicht so leicht kitten lassen, auch dann nicht, wenn Biden Präsident wird.

Was Norbert Röttgen, CDU, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses, bei Plasberg in der ARD ein wenig anders sieht. Er stellt bei „Hart aber fair“ die gewagte These auf, dass sich das deutsch-amerikanische Verhältnis bei einem Wahlsieg Bidens wieder normalisieren wird, betont aber auch, dass er durch die Polarisierung, die kaum Zwischentöne zulässt, die Demokratie in Gefahr sieht.

Frank Plasberg in „Hart aber fair“ (ARD) zur US-Wahl: Bitte kein knappes Ergebnis

Ähnlich argumentierte Christiane Lemke, Politologin in Hannover, die meinte, dass ein klarer Erfolg der Demokraten das beste für das Land wäre. Denn ein knappes Ergebnis, ein möglicherweise wochenlanges auszählen der Stimmzettel, würde das Vertrauen in die amerikanische Demokratie untergraben.

Zudem beschrieb Lemke bei „Hart aber fair“ in der ARD einen Aspekt, der in juristischen Kreisen diskutiert wird: Sollte Donald Trump verlieren, könnte er nach seiner Niederlage, wenn er nicht mehr durch das Amt des Präsidenten geschützt ist, durch vielfache Anklagen wegen Steuerbetrug und sexueller Belästigung in Bedrängnis kommen. Als Präsident hat er zwar das Recht, Begnadigungen auszusprechen, aber ob er sich auch selbst begnadigen kann? Das solche absurd anmutenden Fragen in Washington D.C. ernsthaft diskutiert werden, zeigt, in welchen Gefilden sich die Demokratie in Amerika aktuell bewegt.

„Hart aber fair“ (ARD) zur US-Wahl: Ein wenig mehr Gelassenheit täte gut

Vielleicht sollte man die Dinge jedoch mit ein wenig mehr Gelassenheit betrachten, nicht bei jeder Äußerung, bei jedem Tweet Trumps gleich den Teufel an die Wand malen und stattdessen den Worten von Matthew Karnitschnig lauschen, Europakorrespondent des US-Onlinemagazins Politico. Deutschland habe bei seiner Abneigung für Donald Trump vergessen, dass Amerika immer noch der wichtigste internationale Partner ist. Weniger Biden-Fans als Trump-Hasser seien die Deutschen, was daher herrührt, dass sie nicht verstehen, wie Amerika auf einen Demagogen wie Trump hereinfallen konnte. In seiner ruhigen Analyse betonte Karnitschnig in „Hart aber fair“ jedoch auch, dass es nicht nur Waffennarren und evangelikale Christen sind, die Trump wählen, sondern auch relativ vernünftige Menschen, die vieles an Trump furchtbar finden, aber vieles auch positiv sehen, seine Besetzung der Richterstellen im Supreme Court etwa oder auch seine Law and Order-Politik.

Zur viel diskutierten Frage, ob Donald Trump das Ergebnis anerkennen wird, bemerkte Karnitschnig bei „Hart aber fair“ in der ARD treffend, dass auch Hillary Clinton das Ergebnis der Wahl von 2016 immer noch nicht anerkannt hat. Die Folge? Keine. Wenn das Ergebnis also so eindeutig ausfallen wird, wie die Umfragen voraussagen, dann wird Trump die Wahl noch so sehr anzweifeln können, doch werden seine noch-Freunde innerhalb der republikanischen Partei ihn fallen lassen wie eine heiße Kartoffel. Und dann wird am 20. Januar 2021 Joe Biden als 46. Präsident der USA vereidigt werden, was zumindest bedeuten dürfte, dass das Maß an Hysterie, das den deutschen Blick auf Amerika in den letzten vier Jahren bestimmt hat, ein wenig heruntergefahren wird - hoffentlich. (Michael Meyns)

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