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Der Fluch der Fernbedienung

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Von: Daland Segler

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So manches Funkschloss ist weniger sicher, als man meinen sollte.
So manches Funkschloss ist weniger sicher, als man meinen sollte. © ZDF/medi cine medienproduktions gmbh/Steve Enste

3sat  zeigt in einem Dokumentarfilm die Vorzüge und Risiken der elektronischen Vernetzung unseres Alltags auf.

Was für eine schöne Vorstellung: Beim Verlassen des Arbeitsplatzes drückt man auf seinem Handy ein paarmal hin und her, und schon geht zuhause die Heizung an, der Backofen glüht vor für die Pizza, und die Feierabendbeleuchtung schaltet sich ein. Und das ist nicht einmal  Fantasie, das gibt es schon. Es nennt sich „smart home“ und klingt nicht zufällig so wie „Smart Phone“. Dank der Digitalisierung von immer mehr Bereichen unseres Alltags können wir uns das Leben auch angenehmer gestalten  – wenn wir schon wegen E-mail und Internet den Beruf auch am Wochenende nicht wirklich hinter uns lassen können. Der Sender 3sat hat jetzt eine 45-minütige Dokumentation über Vorzüge und Risiken der elektronischen Vernetzung unseres Daseins ausgestrahlt: „Smart Living“.

Doch Autor Tim Förderer rückt vor allem die Risiken in den Fokus. Ob es das komplett verkabelte Eigenheim ist oder bloß der digital arbeitende Stromzähler, ob es das Auto mit seinen mehr als 100 Rechnereinheiten, eine Drohne oder ein Passagierflugzeug ist: Stets bieten die elektronischen Systeme, ohne die heute eine technische Apparatur nicht auskommt, neben den Vorzügen auch – wenig bekannte  – Gefahren. Inzwischen häufen sich ja die Berichte über Möglichkeiten, ein Auto zu „hacken“, aber ernsthaft stellt sich wohl kaum ein Käufer eines Neuwagens die Risiken vor, die in den Chips stecken. Wobei: Es sind nicht die Bauteile selbst, die Angriffsflächen bieten, sondern es ist die Vernetzung mit der digitalen Außenwelt.

Ein PkW verfügt heute immer auch über eine Schnittstelle für die Diagnose – und damit ein Einfallstor für Eindringlinge. Reiner Kriesten von der Hochschule Karlsruhe demonstriert dem Filmemacher, wie er bei einem fremden Wagen nicht nur das Licht an- und ausschalten, sondern auch den Motor abstellen kann: der Fluch der Fernbedienung.

Ähnlich kann bei einem vernetzten Haus schon eine Außensteckdose benutzt werden, um per elektronisch übermitteltem Befehl etwa Fenster oder Türen zu öffnen. Und von den Stromzählern, die vom kommenden Jahr an laut EU-Beschluss Pflicht werden, lässt sich, sofern sie nicht per Code gesichert sind, mehr ablesen als der Energieverbrauch.

Was schon bei der privaten Nutzung der Elektronik problematisch sein kann, gewinnt eine andere Dimension bei großen Systemen. So räumt ein Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit ein, dass die Signale der Frequenzen zwischen Flugzeug und Tower nicht verschlüsselt seien. Man habe in der Vergangenheit eben die Sicherheit gegen den finanziellen Aufwand gerechnet – und gespart. Ein Amerikaner namens Chris Roberts will bereits den Hack eines Flugzeugs erfolgreich erprobt haben. „Vorausschauende Sicherheit ist nicht unbedingt die Stärke der smarten Welt“ folgert Autor Förderer. Mit anderen Worten: „Smart“  bedeutet auf den Umgang mit der Digitalisierung bezogen eben nicht: clever.

Mitunter gerät Förderers Film in die Nähe der Panikmache, wenn er etwa von den Möglichkeiten für Terroristen spricht (und dabei erklärt, wie die Schwachstellen funktionieren). Aber natürlich lässt er zugleich Experten für IT-Sicherheit darauf hinweisen, dass etwa Codes und Verschlüsselung wirksame Gefahrenabwehr bieten. Und das nicht nur vor Dunkelmännern. Der IT-Fachmann Ryan Satterfield weist darauf hin, wie leicht man Drohnen per Hack kapern könne – die Steuerung der in Mode gekommenen Flugkörper funktioniert offenbar ohne Verschlüsselung.

Und das ist gefährlicher, als wohl viele ahnen. Denn ein Tüftler namens John Matherly hat diese Sicherheitslücke als Marktlücke entdeckt und eine Suchmaschine namens Shodan entwickelt, die nicht wie Google nach Begriffen sucht, sondern nach elektronischen Verbindungen per Internet: Es hätten schon Kühlschränke Spam verschickt, berichtet er. Deshalb sein Rat: „Öffnen Sie nie Ihre Firewall!“

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