+
Gabriela Maria Schmeide (l.) und Helena Zengel in „Systemsprenger“. 

Deutscher Filmpreis

Filmpreis im Livestream: „Systemsprenger“ und „Berlin Alexanderplatz“ nominiert

  • schließen

Der Deutsche Filmpreis wird dieses Jahr via Livestream verliehen. Als Favoriten gelten „Systemsprenger“ und „Berlin Alexanderplatz“.

Es mag sein, dass in den nächsten Tagen hier und dort der Hermes-Bote an der Wohnungstür klingelt, um ein ganz spezielles Paket abzugeben. Schön in Geschenkpapier eingeschlagen, könnte sich in dem Karton eine goldene Statue von einigem Gewicht befinden: die Lola.

Der Deutsche Filmpreis wird in seiner 70. Ausgabe nicht wie üblich in einer schmissigen Gala verliehen, sondern in Virus-gerechter Distanz. Bei der Bekanntgabe der Nominierten vor sechs Wochen hatte es dem Präsidenten der Deutschen Filmakademie, Ulrich Matthes, schon geschwant, dass die Sache in diesem Jahr etwas anders über die Bühne gehen dürfte. Die Zeremonie werde auf jeden Fall stattfinden, sagte er, „in welcher Form auch immer.“

Deutscher Filmpreis wird dieses Jahr im Livestream verliehen

Die Form ist nun gefunden und sie hat sich bereits als Massenmedium in Zeiten des kollektiven Stubenarrests etabliert: In einer Live-Schalte kreuz und quer werden nicht nur Laudatoren und Preisträger zusammengebracht, es werden Reden gehalten, es wird getanzt und gelacht. Für Letzteres ist der Schauspieler Edin Hasanovic zuständig, der bei seinem Lola-Debüt vor zwei Jahren die Leute von den Sitzen gerissen hat. Dann reißt er sie heute eben von den Laptops. Zeitgleich zum Internet-Stream wird die Verleihung ab 22.15 Uhr auch live in der ARD übertragen. 

Deutscher Filmpreis 2020: „Systemsprenger“ und „Berlin Alexanderplatz“ gelten als Favoriten

Als Favoriten gehen in diesem Jahr die Filme „Berlin Alexanderplatz“ mit insgesamt elf Nennungen sowie„Systemsprenger“ mit zehn Nominierungen ins Rennen. Beide Filme stehen für eine Besonderheit der diesjährigen Auswahl. Das Sozialdrama „Systemsprenger“ der Regisseurin Nora Fingscheidt machte schon bei der Berlinale vor einem Jahr Furore, lief danach sehr erfolgreich auf diversen Festivals und im Kino. „Berlin Alexanderplatz“ von Burhan Qurbani hingegen ist ein Film der aktuellen Saison.

Ohne roten Teppich, dafür im Livestream: Deutscher Filmpreis 2020

Kurz nach seiner Premiere im Wettbewerb der Berlinale sollte er ins Programm kommen, stattdessen kam Corona. Das gleiche Schicksal traf „Undine“ von Christian Petzold, der ebenfalls für den besten Film nominiert ist. So konkurrieren auch in anderen Sparten Filme, denen der Rückenwind des Publikums fehlt.

Chancen auf eine Lola für den besten Film haben zudem „Es gilt das gesprochene Wort“ von Ilker Çatak über eine deutsch-kurdische Scheinehe am Bosporus, „Lindenberg! Mach dein Ding“ von Hermine Huntgeburth, sowie „Lara“ von Jan-Ole Gerster mit Corinna Harfouch als psychosozial gestörter Frau.

Darsteller von „Systemsprenger“ und „Berlin Alexanderplatz“ für deutschen Filmpreis nominiert

Bei den Darstellerpreisen richtet sich die Aufmerksamkeit in diesem Jahr besonders auf Albrecht Schuch, der gleich zweimal nominiert ist, für die männliche Hauptrolle in „Systemsprenger“ und seine Nebenrolle in „Berlin Alexanderplatz“. Als beste Hauptdarstellerin wetteifert die elfjährige Helena Zengel („Systemsprenger“) mit ihren erwachsenen Kolleginnen Anne-Ratte Polle („Es gilt das gesprochene Wort“) und Alina Serban („Gypsy Queen“). Auch dieser Film über eine alleinerziehende Roma-Frau, die sich in Hamburg wortwörtlich als Boxerin durchschlägt, war noch nicht im Kino zu sehen.

Deutscher Filmpreis 2020 im Livestream - Neue Kinofilme nominiert

Momentan ist es auch überhaupt nicht absehbar, wann sich daran etwas ändern könnte. Die Filmbranche ist vom sogenannten Shutdown des öffentlichen Lebens noch stärker betroffen als manch eine andere kulturelle Institution. Es geht ja nicht nur darum, eines Tages die Säle wieder zu öffnen und alles abzuspielen, was sich über Monate angestaut hat. Irgendwann ist der Vorrat aufgebraucht. Was heute nicht gedreht wird, kann morgen (oder übermorgen) nicht gezeigt werden. Und die Dreharbeiten ruhen derzeit nicht nur bei uns, sondern weltweit. Eine Liebesszene mit 1,50 Meter Sicherheitsabstand, um nur mal das Kinokerngeschäft zu erwähnen, ist dem Zuschauer schwer vermittelbar.

Insgesamt werden an diesem Abend um die drei Millionen Euro Preisgeld vergeben, die in neue Projekte investiert werden müssen. Die Lola als Soforthilfeprogramm, das ist das Filmjahr 2020.

Von Frank Junghänel 

Seine Fans liebten ihn für Filme wie „Slumdog Millionaire“ und „Life of Pi“. Nun ist der Schauspieler Irrfan Khan im Alter von nur 53 Jahren gestorben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion