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Woody Allen 1973 in "Der Schläfer".
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Woody Allen 1973 in "Der Schläfer".

Woody Allen

Der Filmneurotiker

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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Filmemacher Woody Allen, der ewige Pessimist, wird heute achtzig. Vielleicht arbeitet er auch an seinem Geburtstag - denn, wie er erklärte, besteht sein einziger Wunsch meist darin, arbeiten zu können.

Wahrscheinlich wird Woody Allen am heutigen 1. Dezember seinen 80. Geburtstag so widerstrebend feiern wie seinen 75. Familie und Freunde bestünden zwar auf einem Essen, hatte er damals erklärt, „aber das sicher nur, um ein Steak zu ergattern“. Und anlässlich des Kinostarts seiner aktuellen schwarzen Komödie „Irrational Man“ erklärte er gerade, sein einziger Wunsch bestehe darin, arbeiten zu können.

An Beschäftigung besteht freilich kein Mangel. Ein bekanntes Internet-Kaufhaus hat eine sechsteilige Fernsehserie bei Allen in Auftrag gegeben. „Ich habe mich mit Händen und Füßen gewehrt, aber sie erhöhten fortwährend ihr Angebot, bis mein ganzes Umfeld insistierte, jetzt könne ich nicht mehr ablehnen“, beklagte er sich darüber im vergangenen Mai in Cannes. „Ich habe keine Ahnung, wie ich das schaffen soll.“ Dabei dürfte der Auftraggeber schon jetzt zufrieden sein. Soviel positive Berichterstattung erlebte man dort selten. Und Woody Allen wird schon nicht mit einer Sozialkomödie über die schlechten Arbeitsbedingungen und die Steuertricks eines Online-Versenders aufwarten. Obwohl so ein Medien-Umschlagplatz nicht das schlechteste Ambiente für einen Woody-Allen-Film wäre.

Strengste Geheimhaltung

Strengste Geheimhaltung umweht seine Projekte stets bis kurz vor den Premieren. Zufällig beobachtete der Autor dieser Zeilen die Dreharbeiten seines neuen, noch unbetitelten Spielfilms in Los Angeles. Mit Jesse Eisenberg drehte er da im September vor den historischen Büroräumen des Taschen-Verlags, einer ehemaligen Art-Deco-Shopping-Mall. Auch die Kostüme lassen auf die 30er Jahr schließen. Seien wir gespannt, spätestens zum Cannes-Festival im kommenden Frühjahr wird der Vielfilmer fertig sein.

Woody Allens Karriere begann um 1950. Bereits mit 15 verdiente er als Gagschreiber, mit 30 war er schon Millionär. Und dann geschah etwas Erstaunliches: Von Film zu Film wurde seine Komik ernsthafter und wahrhaftiger – ohne dabei weniger komisch zu sein. 1977 rangierte Allen auf einer Ebene mit Martin Scorsese als Amerikas bedeutendster junger Autorenfilmer: Sein erstes wirkliches Meisterwerk, „Der Stadtneurotiker“, gewann vier Oscars – und spielte das Zehnfache seiner Produktionskosten ein. Vor zwei Wochen wählte Amerikas Autorenvereinigung Screen Writers’ Guild Allens „Der Stadtneurotiker“ zum lustigsten Drehbuch, noch vor Billy Wilders „Manche mögen’s heiß“.

Die Freude des ewigen Pessimisten darüber wird sich in Grenzen halten. Die Idee, dass man Kunstwerke miteinander in Konkurrenz treten lassen kann, etwa bei Festivalwettbewerben, ist ihm ein Graus. Und wie die meisten derartigen Umfragen zeugt auch die aktuelle Liste nicht gerade von filmhistorischer Kenntnis. Bis zurück auf Platz 82 muss man gehen, um einen „Chaplin“ zu finden („Moderne Zeiten“), dafür steht die Klamotte „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ auf Platz drei.

Aber die Geschmäcker sind nun einmal verschieden, selbst wenn man sich wie die beiden alten Damen in einem Luxushotel, von denen er im ersten Satz des „Stadtneurotikers“ erzählt, in der Sache einig ist. „Sagt eine der beiden: ‚Mensch, ist hier das Essen schlecht‘. Antwortet die andere: ‚Genau, und auch noch so kleine Portionen.‘“ Genau so, ergänzt der Filmemacher, der sich in dieser Szene direkt ans Publikum wendet, denke er über das Leben. Und es ist unwahrscheinlich, dass er an seinem Achtzigsten so viel anders darüber urteilen wird: „Es ist voller Einsamkeit und Elend, Leid und Unglück, und es ist viel zu schnell vorbei.“

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