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„Ich klage an!“ Ein Zeitungsjunge in Polanskis „J’accuse“ brüllt vielleicht auch die Wut des Regisseurs heraus.

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Filmfestspiele Venedig 2019: Die Filme, die Jury, die bewegte Geschichte 

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Welche Filme konkurrieren in Venedig um die begehrten Löwen? Und wer entscheidet über die Preise? Und was hat Mussolini mit dem Festival zu tun? Alle Infos rund um die Filmfestspiele.

Zuerst gab es keine goldene Löwen. Aber die Meinung des Publikums. Die erste „Ausstellung der internationalen Filmkunst“ auf Venedigs Lido-Insel 1932 war eine Reaktion der faschistischen Regierung von Benito Mussolini darauf, dass mehr Italiener ins Kino strebten denn zu Sportereignissen. 

Der Eröffnungsfilm, „Dr. Jekyll and Mr. Hyde“ aus den USA, wurde auch als „originellster Film“ des Festivals geehrt, sein Hauptdarsteller Frederic March wurde „bester Schauspieler“. Die „beste Schauspielerin“ war Helen Hayes in „The Sin of Madelon Claudet“, dem für das Publikum „bewegendsten Film“ der zwei Wochen auf der Insel. 

1934 folgte die zweite Ausgabe der Filmfestspiele – mit dem Versprechen, fortan jedes Jahr stattzufinden. Und erstmals gab es Preise. Aber keine Löwen. Dafür wurden „Mussolini-Pokale“ für den besten italienischen und für den besten ausländischen Film verliehen. Von 1940 bis 1942 verkam Venedig zum „Italienisch-deutschen Filmfest“, 1943 kam dann der Weltkrieg nach Italien. 

Der „Goldene Löwe“ wird ab 1949 verliehen

Zwischen den grausamen Schlachten den italienischen Stiefel hinauf entwickelte sich der „neorealistische Film“ und seine Feiern 1946 und 1947 in Venedig gelten heute noch als die Höhepunkte der Festivalgeschichte. Für den Hauptpreis des „Goldenen Löwen“ musste die Filmwelt bis 1949 warten. 

Erster Preisträger war Henri-Georges Clouzot für „Manon“ (nach der Prévost-Novelle „Manon Lescaut“). Zu dem Zeitpunkt war Venedig eines der drei wichtigsten Filmfeste der Welt, neben Cannes und Berlin. Das Glück aber währte nicht. 

Der Schock von 1968 sollte auf dem Lido gewaltig sein: Seit 1963 hatte man sich avantgardistischer Strenge verschrieben und die Revolten der späten 60er Jahre führten dazu, dass Preise out waren. Außerdem: der auf einem faschistischen Statut basierende Hauptpreis 1968 für „Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos“ des Deutschen Alexander Kluge erschien plötzlich sehr falsch. Erst 1980 gab es wieder Löwen (für Louis Malles „Atlantic City“ und „Gloria“ von John Cassavetes). 

Filmfestspiele Venedig: Der Wettbewerb im Überblick

Bei den 76. Internationalen Filmfestspielen in Venedig konkurrieren insgesamt 21 Filme um den Hauptpreis des Goldenen Löwen.

Eröffnungsfilm ist „La vérité (The Truth)“ von Koreeda Hirokazu (Frankreich, Japan)

„The Perfect Candidate“ von Haifaa al-Mansour (Saudi-Arabien und Deutschland)

„Om det oändliga (About Endlessness)“ von Roy Andersson (Schweden, Deutschland, Norwegen)

„Wasp Network“ von Olivier Assayas (Brasilien, Frankreich, Spanien, Belgien)

„Marriage Story“ von Noah Bombach (USA)

„Guest of Honour“ von Atom Egoyan (Kanada)

„Ad Astra“ von James Gray (USA)

„A Herdade“ von Tiago Guedes (Portugal, Frankreich)

„Gloria Mundi“ von Robert Guédiguian (Frankreich, Italien)

„Waiting for the Barbarians“ von Ciro Guerra (Italien)

Johnny Depp (Mitte) und Mark Rylance in „Waiting for the Barbarians“. vom italienischen Regisseur Ciro Guerra.

„Ema“ von Pablo Larraín (Chile)

„Lan xin da ju yuan (Saturday Fiction)“ von Ye Lou (China)

„Martin Eden“ von Pietro Marcello (Italien, Frankreich)

„La mafia non è più quella di una volta“ von Franco Maresco (Italien)

„The Painted Bird“ von Václav Marhoul (Tschechien, Ukraine, Slowakei)

„Il sindaco del Rione Sanità (The Mayor of Rione Sanità)“ von Mario Martone (Italien)

„Babyteeth“ von Shannon Murphy (Australien)

„Joker“ von Todd Phillips (USA)

„J’accuse (An Officer and a Spy)“ von Roman Polanski (Frankreich, Italien)

„The Laundromat“ von Steven Soderbergh (USA)

„Ji yuan tai qi hao (No. 7 Cherry Lane)“ von Yonfan (Hongkong)

Die Jury der Filmfestspiele in Venedig

Präsidentin der Jury der 76. Filmfestspiele von Venedig 2019 ist die argentinische Filmregisseurin und Drehbuchautorin Lucrecia Martel, die schon bei den 65. Filmfestspiele von Venedig 2008 Mitglied der Jury war.

Lucrecia Martel ist Präsidentin der Jury.

Martels Jury besteht aus folgenden Persönlichkeiten der Filmwelt:

Piers Handling, kanadischer Filmhistoriker und -kritiker;

Mary Harron, US-Filmemacherin – Sie ersetzt die kurzfristig abgesprungene Australierin Jennifer Kent;

Stacy Martin, französisch-britische Schauspielerin;

Rodrigo Prieto, mexikanisch-US-amerikanischer Kameramann;

Tsukamoto Shinya, japanischer Regisseur und Schauspieler;

Paolo Virzì, italienischer Regisseur, Filmproduzent und Drehbuchautor.

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