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Das große Banner wird in Cannes aufgehängt.
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Das große Banner wird in Cannes aufgehängt.

Cannes

Filmfestspiele in Cannes: Mit lautem Knall aus dem Dornröschenschlaf

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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Am Dienstag melden sich die Filmfestspiele in Cannes zurück – und das Kino aus der Auszeit.

Vielleicht ist es die wichtigste Festivalausgabe seit Jahrzehnten. Cannes meldet sich mit einem kompletten Programm zurück und mit dem Festival das Kino. Mit einem lauten Knall wird das Erwachen der Branche aus dem erzwungenen Corona-Dornröschenschlaf inszeniert. Und wenn diese gewaltige Premierenmaschine schon immer etwas von einem Ozeandampfer hatte, dann fährt er jetzt mit voller Kraft voraus. Schon im letzten Jahr hatte man sich mit der Corona-bedingten Absage äußerst schwergetan und sie bis weit in den Mai herausgezögert. Schließlich musste man sich dann mit der Veröffentlichung einer Filmliste und einer nachgeschobenen Wochenendveranstaltung für das örtliche Publikum begnügen.

Heute Abend eröffnet Leos Carax, der streitbare Einzelgänger unter den französischen Autorenfilmern, den Wettbewerb mit einem aufwendigen Musical: „Annette“ spielt in Los Angeles und konfrontiert ein Paar aus dem Showgeschäft mit einem Ereignis, das ihr Leben aus den Angeln hebt – der Geburt einer Tochter. Marion Cotillard und Adam Driver besingen die Schnittstellen von Magie und banalem Alltag, den Wirkungsraum von Carax’ Kinopoesie.

Aber auch an der Croisette sind dem Glamour und Partyrausch noch immer Grenzen gesetzt. Es herrscht Maskenpflicht in allen Innenräumen, in den Kinos gelten Sitzplatzbeschränkungen. Von der Nonchalance, die man gegenwärtig bei der Fußball-Europameisterschaft an den Tag legt, kann keine Rede sein. Auch die abendliche Modenschau auf dem Roten Teppich soll es nur mit Masken geben.

Kein spontaner Zutritt mehr

Erstmals erlauben die begehrten Pässe der gehobenen Kategorien nicht mehr den spontanen Eintritt in die Kinos, alle Journalistinnen und Journalisten brauchen Tickets, die zu ganz bestimmten Zeiten im Internet freigeschaltet werden. Cannes übernimmt dabei das Verfahren vom Filmfestival in Venedig, wo im vergangenen Herbst keine Infektionen nachgewiesen wurden.

Jurypräsident Spike Lee begrüßt die Gäste vom offiziellen Poster am Festivalpalais, doch es steckt mehr Ironie als Glamour in seinem Blick. Nur die obere Gesichtshälfte des Meisterregisseurs ist abgebildet, durch riesige Brillengläser blickt er skeptisch herauf zu den Palmen. Ob er gerade eine Maske trägt? Die Antwort liegt da, wo man sich auch die künstlerischen Botschaften der Wettbewerbsfilme wünscht – im Auge der Betrachterinnen und Betrachter.

Es ist ein imponierendes Aufgebot: Einige Filmschaffende haben ihre Beiträge ein Jahr aufgehoben, wie Wes Andersons Hommage an den Qualitätsjournalismus, „The French Dispatch“ um eine erfundene Zeitschrift im Stil des „New Yorker“. Auch der ehemalige Palmengewinner aus Thailand, Apichatpong Weerasethakul, hatte sein überwirkliches Drama „Memoria“ mit Tilda Swinton schon im vergangenen Jahr fertig.

Es ist eine von mehreren deutschen Koproduktionen, aber einen deutschen Regie-Credit findet man in den offiziellen Sektionen wieder einmal nicht. Auch der Frauenanteil im Wettbewerb will sich nicht deutlich erhöhen: Nur vier der 24 Wettbewerbsfilme stammen von Regisseurinnen, darunter die ungarische Berlinale-Gewinnerin von 2017: Ildikó Enyedis Seestück aus dem Zweiten Weltkrieg, „Die Geschichte meiner Frau“, wartet ebenfalls seit 2020 auf seine Premiere.

Gerade erst fertiggestellt wurden dagegen zwei anspruchsvolle Animationsfilme, die erst in den letzten Tagen außer Konkurrenz hinzukamen: Der Israeli Ari Folman, der dem Medium durch seinen Dokumentarfilm „Waltz With Bashir“ 2007 neue Türen öffnete, zeigt „Where Is Anne Frank?“: Nach seiner eigenen Comic-Adaption erzählt er aus der Perspektive von Anne Franks imaginärer Freundin Kitty von deren Suche nach dem verschwundenen Mädchen. Folman selbst ist ein Sohn polnischer Holocaust-Überlebender.

Aus Japan wurde in letzter Minute noch das neueste Werk des Anime-Meisters Mamoru Hosoda ins Programm gehoben. „Belle“ erzählt von einer Teenagerin, die als Internetberühmtheit Millionen Fans begeistert – doch in Wahrheit ein abgeschiedenes Leben mit ihrem Vater führt.

Es sind Geschichten wie diese, in denen die Erfahrungen der Corona-Zeit bereits eine künstlerische Aufarbeitung finden – und dabei zu einem jugendlichen Publikum sprechen, das besonders darunter zu leiden hatte. Die nächsten Tage werden zeigen, wie das Kino seinen Lockdown überstanden hat; die Goldene Palme wird am Samstag in einer Woche vergeben.

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