Die Fimfiguren Luise Menzel (Nicole Marischka), Nicole Lehnert (Lilith Häßle, von hinten) und Nasrin Karimi (Altine Emini) sitzen an einem grauen, schmucklosen Tisch in einem kleinen, fensterlosen Raum. Eine der Frauen sitzt im Vordergrund mittig, mit dem Rücken zum Bildbetrachter. Die zwei anderen Frauen sitzen ihr gegenüber und blicken sie herausfordernd an.
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Im Verhör: Ob Nicole (Lilith Häßle, in der Mitte) das abgebrochene Jurastudium jetzt noch helfen kann?

TV-Kritik

„Ein Schritt zu viel“ (ARD): Krimidrama überzeugt mit starken Figuren und komplexer Handlung

  • Tilmann P. Gangloff
    vonTilmann P. Gangloff
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„Ein Schritt zu viel“ (ARD) ist ein gut gespieltes und geschickt verschachteltes Sugar-Daddy-Krimidrama über einen Mann, der sein Herz an eine halb so alte Frau verliert. Die Rezension zum Film im Ersten.

  • Die ARD präsentiert am Mittwoch (11.11.2020) einen Film, dem die Fusion von Krimi und Drama virtuos gelingt.
  • „Ein Schritt zu viel“ (ARD) wartet mit komplexen Figuren auf, die dem Film Glaubwürdigkeit verleihen.
  • Für die Regisseurin Katharina Bischof ist es der erste lange Film, was man der Tragödie nicht anmerkt.

Wovon träumen reiche alte weiße Männer? Natürlich von einer jungen Frau. Das ist zwar ein Klischee, aber auch einigermaßen realistisch. Wo solche Träume enden können, erzählen Ulli Stephan (Buch) und Katharina Bischof (Regie) mit ihrem Film „Ein Schritt zu viel“. Während viele Krimis im Grunde Dramen sind, ist dieses Drama in der ARD eigentlich ein Krimi: Ein junger Mann liegt tot im eigenen Blut, ein älterer ruft einen Krankenwagen. Er versichert, er habe das Opfer so aufgefunden und einen Verdächtigen weglaufen sehen. Das wäre ein ganz gewöhnlicher Krimiauftakt, wenn der Ältere nicht zuvor in einer Art Prolog von einem Kollegen berichtet hätte, einem Zocker, der immer größere Summen verspielt und ihm erzählt habe: Je näher man dem Untergang sei, desto mehr spüre man, dass man noch lebe. Damals, sagt der Mann, habe er das nicht verstanden.

„Ein Schritt zu viel“: Neues Krimidrama in der ARD lässt spannende Charaktere aufeinandertreffen

Damit ist der Kern der Geschichte, die sich über einen Zeitraum von fünf Jahren erstreckt, umrissen: „Ein Schritt zu viel“, eine Produktion des Hessischen Rundfunks, handelt vom Untergang. Natürlich zieht sich auch die Frage nach den tödlichen Umständen durch den Film, der am 11.11.2020 im Ersten (ARD) läuft, aber zunächst mal geht es um Liebe: Friedrich Benning (Nicki von Tempelhoff) ist Banker, Mitte fünfzig, vermögend und geschieden. Eines Tages lädt ihn sein Freund und Kollege Lars (Marc Hosemann) zu einer ausgelassenen Nacht mit zwei attraktiven jungen Frauen ein.

TV-Kritik über Krimidrama in der ARD: Es geht um besitzergreifende Liebe

Als Friedrich klar wird, dass Lars die beiden bei einem teuren Escort-Service engagiert hat, ist er zunächst schockiert; aber dann will er Nicole (Lilith Häßle) wiedersehen. Die Jura-Studentin lässt sich auf eine Beziehung ein, selbst wenn der großzügige Friedrich gewisse Besitzansprüche an den Tag legt: Er möchte nicht, dass sie weiter für die Escort-Agentur arbeitet, und kauft ihr ein Apartment.

Krimidrama in der TV-Kritik: Film in der ARD wartet mit komplexen Figuren auf

Das geht so lange gut, bis Nicole den Software-Entwickler Josch (Daniel Sträßer) kennenlernt. Sie trifft sich immer seltener mit Friedrich und immer öfter mit Josch. Als die beiden ein Kind erwarten, will sie die Beziehung zu ihrem Gönner endgültig beenden, aber der Banker ändert einfach das Vorzeichen, schlüpft fortan in eine Art Vaterrolle und möchte Nicoles Tochter ein liebevoller Opa sein.

TV-Kritik zu Film „Ein Schritt zu viel“ (ARD): Kreativer Genremix aus Krimi und Drama

Der besondere Reiz dieser eigentlich ganz einfachen „Sugar Daddy“-Geschichte liegt in ihrer Erzählweise: Der Film trägt die früheren Ereignisse in Form von geschickt mit der Rahmenhandlung verknüpften Rückblenden nach, so dass sich erst nach und nach das ganze Bild ergibt. Das visuelle Konzept folgt dabei einem ebenso schlichten wie bewährten Muster: Die Aufnahmen aus früheren Tagen sind hell, bunt und freundlich, die Gegenwart ist trist und farblos. Natürlich werden Friedrich und Nicole von einer Kommissarin (Nicole Marischka) befragt, und ebenso selbstverständlich gilt der ältere Mann als dringend tatverdächtig; schließlich drängt sich die Vermutung, er habe seinen Nebenbuhler aus dem Weg geräumt, regelrecht auf. Aber „Ein Schritt zu viel“ ist eben kein Krimi, weshalb die Ermittlungen eher beiläufig stattfinden; zentrale Figur sind nicht die Kommissarin und ihre misstrauische junge Kollegin (Altine Emini), sondern Friedrich und Nicole.

TV-Kritik zum Film „Ein Schritt zu viel“ in der ARD: Klischeehafte Handlung geschickt vermieden

Obwohl die Handlung alle Voraussetzungen dafür mitbringt, verzichten Stephan und Bischof darauf, die Geschichte als Tragödie eines lächerlichen Mannes zu erzählen. Der Banker benimmt sich keineswegs wie ein verliebter alter Trottel, der die Realität ausblendet; er hat nach einem Leben, das voll und ganz von seiner Arbeit bestimmt worden ist, endlich erkannt, dass es Wichtigeres gibt als die Karriere. Da er viel Geld hat, bedeutet es ihm nichts; deshalb finanziert er Nicole, Josch und ihrer Tochter wie selbstverständlich eine größere Wohnung. Er gewährt dem jungen Mann sogar einen äußerst großzügigen Kredit, den er später selbst abzahlt.

„Ein Schritt zu viel“ (ARD): TV-Kritik attestiert Charakteren viele glaubwürdige Wandlungen

Friedrich macht zwar in den Gegenwartszenen einen leicht verwahrlosten Eindruck, aber eine charakterliche Entwicklung durchlaufen vor allem Josch und Nicole: Parallel zu den Bildern, die ihre Farben verlieren, kommt der jungen Frau auch die anfängliche Unbeschwertheit abhanden; gegen Ende wirkt sie fast verhärmt. Auch Josch wandelt sich: Anders als die doch eher einseitige Beziehung von Nicole und Friedrich erzählt der Film in der ARD die Geschichte von Nicole und Josch als echte Romanze, doch der junge Mann büßt seine Rolle als Sympathieträger mehr und mehr ein.

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Nicole, die eigentlich Jura-Studentin ist, lernt während ihrer Arbeit als Escortdame den wesentlich älteren Friedrich kennen. Er verliebt sich in Nicole und kümmert sich liebevoll um sie. Er mietet ihr ein Apartment, kauft ihr schicke Kleider - und merkt nicht, dass es Nicole bald zu viel wird. Dann lernt sie den gleichaltrigen Josch kennen und wird schwanger von ihm. Friedrich versteht die Welt nicht mehr. Eines Nachts findet er den blutüberströmten Josch in Nicoles Wohnung. Was ist passiert?😨 Heute um 20:15 Uhr im @das_erste mit @lilithhaessle @danielstraesser , Nicki von Tempelhoff und anderen. Casting: Nathalie Mischel ( unterstützt von @filmmakers.de ) / #einschrittzuviel #imersten #drama #krimi #schauspiel #casting #filmmakers #sendehinweis

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Krimidrama „Ein Schritt zu viel“ in der ARD ist erster Langfilm der Regisseurin

Für Katharina Bischof ist „Ein Schritt zu viel“ nach einigen Kurzfilmen und diversen Serienfolgen die erste Langfilmregie, aber das ist ihrer Arbeit nicht anzusehen. Ganz vorzüglich ist auch die Führung der Schauspieler. Beim erfahrenen Nicki von Tempelhoff ist das nicht weiter überraschend, aber Lilith Häßle spielt hier ihre erste Fernsehfilmhauptrolle. Mehr als nur einen guten Eindruck hinterlässt auch Amanda da Gloria als Nicoles beste Freundin; sie ist bereits in Roland Suso Richters Film „Grzimek“ (als uneheliche Tochter des Tierfilmers) sehr positiv aufgefallen. Ulli Stephan hat unter anderem die Drehbücher für den romantischen Thriller „Ohne dich“ und für das Psychodrama „Im Netz“ (beide 2014) geschrieben. In dem Film verliert eine Frau nach einem Identitätsdiebstahl die Kontrolle über ihr Leben.

„Ein Schritt zu viel“ (ARD): TV-Kritik findet kaum Schwachstellen im neuem Krimidrama

Im Grunde ergeht es Nicole ganz ähnlich; das gewalttätige Ende der Geschichte ist daher zwar nicht unausweichlich, aber auch nicht überraschend. Einziges Manko des Films sind die mit Ausnahme des Prologs völlig überflüssigen und aus dem Zusammenhang gerissenen Zwischenkommentare von Friedrich und Nicole in die Kamera. (Tilmann P. Gangloff)

„Ein Schritt zu viel“: Mittwoch, 11.11.2020, 20.15 Uhr im Ersten und in der ARD-Mediathek.

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