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Erzbischof von Clugny (Rüdiger Vogler), Maria von Burgund (Christa Théret), Maximilian (Jannis Niewöhner).

"Maximilian", ZDF

Von Feinden umzingelt

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Der aufwändige und exzellent gefilmte Dreiteiler "Maximilian ? Das Spiel von Macht und Liebe" ist vorzügliches historisches Fernsehen mit vielen Bezügen zur Gegenwart.

Wenn Hollywood Geschichten aus längst vergangenen Zeiten erzählt, sorgen Aufwand, Action, Besetzung und Werbung dafür, dass solche Produktionen ihr Publikum finden. Aber warum sollten sich die Zuschauer einen Film anschauen, der im späten Mittelalter spielt, der von Herrschern erzählt, die nur Historiker noch kennen, dessen Hauptrollen von kaum bekannten Nachwuchsschauspielern verkörpert werden und der zudem 270 Minuten dauert?

Weil das europäische Fernsehen mit „Maximilian – Das Spiel von Macht und Liebe“ zeigt, wozu es fähig ist; weil die Handlung viele Rückschlüsse zur heutigen Verquickung von Politik und Wirtschaft zulässt; weil der Dreiteiler eine große Liebesgeschichte erzählt, obwohl es bis zur ersten Begegnung des Liebespaars knapp 180 Minuten dauert; weil die Darsteller keine Weltstars sein mögen, aber sehenswerter sind als viele Hollywoodgesichter; und weil der Film auf eine kunstvolle Weise fotografiert ist, die höchsten Maßstäben gerecht wird.

Außerdem bürgen die beiden wichtigsten Verantwortlichen gewissermaßen für Qualität: Das deutschsprachige Fernsehen hat den Österreichern Martin Ambrosch (Buch) und Andreas Prochaska (Regie) mit „Spuren des Bösen“ eine der besten Krimireihen zu verdanken.

Dass das Duo in der Lage ist, historischen Stoffen überraschende Seiten abzugewinnen, hat es mit „Das Attentat – Sarajevo 1914“ (2014) bewiesen, als es die Geschichte der Ermordung des österreichisch-ungarischen Thronfolgers als Politthriller im Stil von Oliver Stones Kennedy-Drama „JFK“ erzählte.  

Damit erst gar keine Zweifel aufkommen, worum es bei „Maximilian“ geht, trägt der Dreiteiler den Zusatz „Das Spiel von Macht und Liebe“. Das ist als Signal zwar etwas schlicht, aber nicht verkehrt, schließlich erzählt der Film, wie „Game of Thrones“ im europäischen Mittelalter funktionierte: Die Herrscher verheirateten ihre Kinder untereinander, um auf diese Weise Allianzen zu schließen. Maria von Burgund (Christa Théret), Tochter von Karl dem Kühnen, ist nach dessen Tod 1477 die mächtigste Frau in Europa, doch sie hat ein Problem, und das ist ihr Geschlecht: Das Herzogtum ist ein französisches Lehen und darf nur von einem Mann regiert werden. Zur gleichen Zeit muss der Habsburger Friedrich III. (Tobias Moretti), bettelarmer Kaiser des Heiligen Römischen Reichs, im fernen Wien machtlos mit ansehen, wie die Ungarn immer öfter ins Land einfallen.

Er ist überzeugt, dass nur eine Chance gibt, sein Reich zu retten: Sein Sohn Maximilian (Jannis Niewöhner) muss Maria heiraten. Die beiden sind jedoch viel zu stolz, um eine arrangierte Vernunftehe einzugehen. Die Vorzeichen ändern sich allerdings, als der angeschlagene Ludwig XI. (Jean-Hugues Anglade), Friedrichs großer Kontrahent, Maria als Gattin für seinen Sohn auserwählt.

Diese Geschichte ist es fraglos wert, erzählt zu werden, zumal sich die Frage, was das alles mit uns zu tun hat, rasch erübrigt. Ambrosch und Prochaska haben die Handlung zwar nicht als Allegorie auf die Gegenwart konzipiert, weshalb sich die Parallelen eher implizit ergeben; dennoch lässt sich „Maximilian – Das Spiel von Macht und Liebe“ dank des ausschließlich strategischen Kalküls der Herrschenden und der daraus resultierenden wechselnden Allianzen als Spiegel der heutigen Weltpolitik betrachten.

Ein Ereignis ist der Dreiteiler jedoch wegen der Umsetzung. Die Bildgestaltung ist ein Genuss. Kameramann Thomas Kiennast hat allem Anschein nach auf künstliche Lichtquellen verzichtet. Diese Ästhetik lässt viele Aufnahmen wie Gemälde wirken und verleiht dem Film eine spezielle Atmosphäre. Die Innenaufnahmen wirken dank Fackeln oder Kerzenlicht beinahe heimelig. Die Außenaufnahmen gerade im Morgengrauen oder bei Nebel sind zwar ähnlich kunstvoll, aber auch in jeder Hinsicht düster. Beides korrespondiert perfekt mit dem Schicksal der Habsburger: Friedrich verschanzt sich in seiner Burg, weil er draußen um sein Leben fürchten muss. Als Maximilian heimlich zur Jagd geht, entkommt er prompt nur knapp einem Überfall der „Schwarzen Armee“ des ungarischen Königs (Mark Zak).

Nicht minder sehenswert sind die beiden Hauptdarsteller: Die Französin Christa Théret verkörpert die Herzogin als moderne Frau mit sympathisch subtiler Ironie, Niewöhner spielt Maximilian als Ritter ohne Furcht und Tadel, sorgt aber auch für die nötigen Zwischentöne, die nachvollziehen lassen, warum sich Maria in ihn verliebt. Das ZDF wird wissen, warum es „Maximilian – Das Spiel von Macht und Liebe“ erst in der sogenannten Second Primetime ab 22 Uhr zeigt, zwar immerhin an drei Abenden hintereinander, aber zum Auftakt auf dem Sonntagssendeplatz, auf dem das Publikum Krimis aus Großbritannien oder Skandinavien erwartet; der Dreiteiler hätte eine Ausstrahlung um 20.15 Uhr verdient. 

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