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Berlinale: In Film und Funk ist Sexismus längst nicht überwunden

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Von: Bascha Mika

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Doris Day sagte es charmanter: „Nicht ich werde älter, sondern mein Kameramann.“
Doris Day sagte es charmanter: „Nicht ich werde älter, sondern mein Kameramann.“ © dpa

Eine Analyse von Bascha Mika.

Berlin/Frankfurt - Kino könnte so schön sein – wenn es nicht all den Mist reproduzierte, mit dem wir im realen Leben zu kämpfen haben. Mit Sexismus und Geschlechter-Stereotypen beispielsweise. Wie stellte einer von Hollywoods Vorzeigemännern so klarsichtig fest? „Männer haben einen erheblichen Vorteil: Wir kriegen Falten, werden fett und glatzköpfig oder weißhaarig und keinen schert’s.“*

Seit Jahren lässt die „MaLisa-Stiftung“ zusammen mit Partnerinstitutionen untersuchen, wie es um die Rolle von Frauen vor und hinter der Kamera steht. Und ob sich ein Fortschritt hin zu mehr Gleichberechtigung abzeichnet. Die neueste, jetzt von der Universität Rostock vorgelegte Analyse, trägt den sperrigen Titel: „Fortschrittsstudie zur audiovisuellen Diversität“. Untersucht wurden 390 Filme, die zwischen 2017 und 2020 im deutschen Kino liefen. Doch vergleicht man die Ergebnisse dieser Studie mit der vorangegangenen von 2017 … ist Fortschritt eher Fehlanzeige.

Sexismus in Film und Funk: Kaum gute Nachrichten

Na gut, an einer Stelle kommt etwas Freude auf. Frauen sind im deutschen Film inzwischen fast ebenso häufig Protagonistinnen wie ihre männlichen Kollegen. Das zeigt sich auch deutlich bei Streaming-Diensten wie Netflix; da sind Serienheldinnen ganz selbstverständlich und sehr erfolgreich. Deutschland hatte deutlich Nachholbedarf. Noch vor wenigen Jahren wurden wichtige Rollen sehr viel häufiger männlich denn weiblich besetzt.

Der Anteil von Frauen auf der Leinwand ist also gestiegen. Das war’s dann aber auch schon mit den guten Nachrichten. Die Freude vergeht, sobald man sich die Ausgestaltung der weiblichen Rollen anschaut. Da geht es um die altbekannten, entnervenden Muster: Frauen müssen jung und schlank sein, um zum Zuge zu kommen, während Männer problemlos dick und faltig sein dürfen. Frauenfiguren über 30 werden zunehmend seltener; und wenn es um Figuren über 50 geht, sind die zu zwei Dritteln männlich. Fazit: Das Bild von Frauen, das da gezeichnet wird, ist so sexistisch wie eh und je.

Sexismus in Film und Funk: „Männer gibt es in vielen Facetten, Frauen nicht“

Zudem werden Frauen, wie die Rostocker Professorin Elizabeth Prommer beschreibt, „im Kontext von Partnerschaft und Beziehung erzählt“. Selbst Prommer ist überrascht, „wie eng der Erzählkorridor für weibliche Filmfiguren nach wie vor ist. Männer gibt es in vielen Facetten, Frauen nicht.“ Deutsche Kinoproduktionen bilden all die Vielfalt weiblichen Lebens nicht ab – dass Frauen Berufe haben, Befähigungen, Sehnsüchte, Ziele und Leidenschaften, die keineswegs nur auf’s männliche Universum ausgerichtet sind. Ganz offenbar haben die Filmschaffenden den 50 Jahre alten, frauenbewegten Kalauer noch immer nicht begriffen: Eine Frau ohne Mann ist wie ein Fisch ohne Fahrrad.

Deutlich besser ist der Befund, wenn eine Frau Regie geführt hat oder das Drehbuch schrieb. Dann werden Frauen im Film nicht nur sichtbarer, sondern auch anders dargestellt. Doch auch hinter der Kamera sind Frauen noch wenig gewollt. Nur ein Viertel der 390 Kinofilme durften sie inszenieren und nur bei einem knappen Viertel davon waren sie für das Drehbuch verantwortlich. Ist den Verantwortlichen für solch hinterwäldlerische Entscheidungen eigentlich klar, wie sehr es immer mehr Frauen ankotzt, sich derart üblen Zuständen weiterhin auszusetzen? Egal ob vor oder hinter der Kamera oder im Zuschauerraum? (Bascha Mika)

* Ach übrigens: Die männliche Einsicht zu Beginn des Textes stammt von George Clooney. Seine Kollegin Doris Day sagte es Jahrzehnte zuvor notgedrungen charmanter: „Nicht ich werde älter, sondern mein Kameramann.“.“

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