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Fatih Akin (l.) mit seinem Hauptdarsteller Jonas Dassler.

Berlinale

Läuft wieder für Fatih Akin

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Fatih Akin kennt die Höhen und Tiefen des Geschäfts. Jetzt ist mit „Der goldene Handschuh“ wieder im Rennen.

Man mag es kaum glauben bei all den erfolgreichen Filmen der jüngeren Zeit, die dem deutschen Kino Ehrungen wie Oscar, Golden Globe und Europäischer Filmpreis eingebracht haben: In den letzten 32 Jahren gab es nur einen deutschen Beitrag, der in Berlin den Goldenen Bären gewann. Und wie! Als Fatih Akin 2004 mit „Gegen die Wand“ die Berlinale aufmischte, setzte er einen Ton, den man lange vermisst hatte. So voller Liebe, Zärtlichkeit und Wahnsinn war dieser Film, dass die Juroren gar nicht umhin kamen, ihn mit Preisen aller Art zu ehren.

Für den 1973 in Hamburg geborenen Regisseur und Autor begann mit dem Triumph bei der Berlinale eine Zeit rauschhafter Erfolge und tiefer Demütigungen. Schon ein Jahr nach dem Bärensieg wurde Akin in die Jury von Cannes eingeladen, wo er für „Auf der anderen Seite“ später den Drehbuchpreis gewann.

Dann ging es für Fatih Akin mit „The Cut“ zum Festival nach Venedig, wo er mit seinem Epos über den Völkermord an den Armeniern zum ersten Mal in seiner Karriere das große Scheitern erleben musste.

Hintergrund: Die Berlinale zieht alle Register

In den Kritiken wurde ihm als Regisseur das kinematographische Format für einen solches Monumentalwerk abgesprochen, es gab harte Verrisse, die ihn tiefer trafen, als er es sich nach außen hin anmerken ließ. Und beim Publikum floppte der Film dann auch, was für ihn das Schlimmste war.

Die Verunsicherung war groß nach diesem Projekt, in das er seine ganze künstlerische Ambition und als Produzent auch viel Geld gesteckt hatte. Die Erlösung aus dieser Krise folgte fast beiläufig. Nachdem ein Kollege die Regie zu der Romanverfilmung „Tschick“ abgegeben hatte, kam Akin ins Spiel. Er hatte zu dieser Zeit keine Pläne und so übernahm er den Auftrag – zum ersten Mal ohne sein Team, ohne seine Produktionsfirma und nach einem fremden Script.

Es war eine Befreiung. „Tschick“ wurde ein Hit. Die Verkrampfung löste sich, die Liebe kehrte zurück. Schon damals befasste sich Akin mit Heinz Strunks Horrorgeschichte „Der goldene Handschuh“ über den Frauenmörder Fritz Honka, der in den siebziger Jahren an der Reeperbahn sein Unwesen trieb.

Nun überschlug sich alles. Denn vorher sollte er noch „Aus dem Nichts“ drehen, für den Rachethriller wurde Fatih Akin mit dem Golden Globe ausgezeichnet, seine Hauptakteurin Diane Kruger gewann in Cannes den Preis als beste Schauspielerin. Wenn es läuft, dann läuft es. Nun also die Rückkehr nach Berlin, wo Dieter Kosslick den Film kürzlich als „Das goldene Handtuch“ ankündigte. Schusslig wie er ist.

Die Filmkritiker der FR berichten fortlaufend von der Berlinale

Die Meinung der FR im Leitartikel: Endlich Frauensache! Berlinale-Chef Dieter Kosslick hat die Zahl der weiblichen Filmemacher bei dem Filmfestival deutlich erhöht. Das ist mehr als angemessen.

Erste Berlinale-Eindrücke von FR-Filmkritiker Daniel Kothenschulte: Nach einem fatalen Eröffnungsfilm beginnt die Berlinale mit imponierenden Sozialdramen aus Deutschland und Frankreich. 

Der scheidende Berlinale-Direktor Dieter Kosslick im Interview der Frankfurter Rundschau über die Lust am Kino in Zeiten von Streaming-Manie und großen Filmwerken auf Armbanduhr-Monitoren: „Wir sind kein Festival, das bunte Bilder zeigt.“

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