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Dwayne Johnson (l) als Secret-Service-Agent Luke Hobbs und Jason Statham als Ex-Elitesoldat Deckard Shaw.

„Fast & Furious: Hobbs & Shaw“

„Fast & Furious: Hobbs & Shaw“ im Kino: Konservatives Machokino

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Das einfallslose Serienprodukt „Fast & Furious: Hobbs & Shaw“ zeigt wie tief das Mainstream-Kino in der Krise steckt.

Wenn sich das Mainstreamkino derzeit um sein Überleben sorgt, sieht es sein Heil in den sogenannten Franchises: Filmserien und ihren Spin-Offs. Es ist verständlich, dass die Filmwirtschaft glaubt, das serielle Erzählen, das den Streaming-Portalen zu solcher Beliebtheit und Marktmacht verholfen hat, sei auch der sicherste Weg, junge Leute doch noch ins Kino zu locken. Aber werden sie auch noch wiederkommen, wenn sie ein paar Filme von der Qualität von „Fast & Furious – Hobbs & Shaw“ gesehen haben?

Selten hat man einen Actionfilm mit so schlechter Action gesehen, selten derart liebloses und selbstgefälliges Starkino. Die beiden alternden Haudegen Luke Hobbs (Dwayne Johnson) und Deckard Shaw (Jason Statham) sind die meiste Zeit damit beschäftigt, sich gegenseitig mit ein paar gehässigen Bemerkungen zu foppen. Der erste ist ein Bundesagent, der zweite ein ehemaliger britischer Militärsoldat; endlos können sie einander ihre jeweilige Einzigartigkeit demonstrieren: Hobbs ist ein folgsamer Befehlsempfänger, Shaw wiederum ein Maverick, der sich wenig aus Hierarchien macht. Zusammen aber repräsentieren sie natürlich das komplette Arsenal gesammelter Macho-Tugenden, die man mit der gebotenen Ironie ja auch ganz lustig finden kann.

Fast & Furious – Hobby & Shaw: geradezu unzeitgemäß primitive Digitaleffekte

Dass ihr Gegenspieler noch maskuliner wirkt, liegt erst einmal daran, dass dieser geheimnisvolle Brixton von Idris Elba gespielt wird, einem unterforderten Stargast. Im Körper dieser nicht ganz menschlichen Kampfmaschine verbirgt sich allerdings noch einiges an Elektronik. Das sollte man im Männlichkeitswettbewerb eigentlich als Doping werten. Das Objekt der Begierde ist eine teuflische Kriegswaffe, ein fernsteuerbarer Virus.

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Offiziell nennt sich dieser Film ein „Spin-Off“, was gewissermaßen als Entschuldigung gelten soll, auf alle Schauwerte zu verzichten, die die besseren der „Fast & Furious“-Filme zu vergnüglichen „No-Brainern“ gemacht hat. Verständlich, wenn sich Hollywood entschlossen haben sollte, angesichts der Realität keine Straßenrennen mehr zu glorifizieren. Aber was gibt es statt der spektakulären Stunts denn sonst noch zu bewundern? In diesem Fall sind es geradezu unzeitgemäß primitive Digitaleffekte.

Und noch einmal fragt man sich: Mit wem möchte ein solches Kino noch konkurrieren, wenn es einerseits hinter den seriellen Qualitäten der Streaming-Dienste zurückbleibt, aber auch keine besseren Bilder liefert als die Gaming-Industrie?

Erzkonservatives Machokino

Wie es scheint, glaubt man vor allem in jenem Bereich punkten zu können, der am wenigsten kostet, bei den Dialogen. An Geschwätzigkeit, nicht jedoch an Humor, kann es der von David Leitch inszenierte Film mit Fernsehserien der 70er Jahre aufnehmen, mit „Die Zwei“ oder „Starsky und Hutch“. Jede Woche erlebt man derzeit aufs Neue, wie traurig es ist, wenn eine Ära zu Ende geht. Wie im Hollywood der frühen sechziger Jahre tut sich eine Industrie schwer, von überkommenen Formeln abzuweichen, um sich auf veränderte Sehgewohnheiten einzustellen.

Vor genau fünfzig Jahren lieferte der Independentfilm „Easy Rider“ einen heilsamen Schock. Aus diesem Überraschungserfolg wurde das New Hollywood geboren, eines der spannendsten Kapitel der Filmgeschichte. Tatsächlich zeigen Filme wie die „Fast & Furious“-Serie, was aus der Aufbruchstimmung und dem Freiheitsversprechen von „Easy Rider“ geworden ist, ein erzkonservatives Machokino. Immerhin kam es in den besseren Filmen mit der nötigen Selbstironie daher. Die ist nun der Selbstgefälligkeit gewichen.

Der Film

Fast & Furious – Hobby & Shaw . USA 2019. Regie: David Leitch. 136 Min.

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