Familie Schulz aus der neuen ARD-Serie "Unter Gaunern".
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Familie Schulz aus der neuen ARD-Serie "Unter Gaunern".

"Unter Gaunern" (ARD)

Familienfreundliche Ganoven

In der ARD ist Christina Do Rego als Polizistin in einer kriminellen Sippe unterwegs. Es ist der Regie von Sophie Allet-Coche zu verdanken, dass "Unter Gaunern" trotzdem funktioniert.

Von David Segler

Die ARD startet eine neue Serie, um den Vorabend aufzupolieren. In „Unter Gaunern“ spielt Christina do Rego die Hauptrolle - eine Mitwirkende der bislang letzten wirklich erfolgreichen Vorabendserie „Türkisch für Anfänger“, deren Ende nun auch schon wieder sieben Jahre her ist.

Do Rego spielt Betty Schulz, die mit Bravour ihre Polizeiausbildung abgeschlossen hat. Ihr Problem: Sie wohnt in einer Familie von Kleinkriminellen, die nichts von Bettys neu erlerntem Beruf wissen. Für sie geht Betty bei ihrer besten Freundin im Fitnessstudio arbeiten. 

Natürlich ist Betty nicht die Protagonistin unter lauter Antagonisten. Bettys Eltern - wie ihr Bruder und Großvater, die alle unter einem Dach leben - haben sich so familien- wie  vorabendfreundlich darauf verständigt: keine Waffen, keine Drogen. Man begnügt sich damit, geschmuggelte Handys unter die Leute zu bringen. „Sanft gaunern“ heißt es einmal in der Pilotfolge. 

Der Konflikt, den Betty zwischen ihrem Beruf und ihrer Familie hat, ist tatsächlich erfrischend. Statt ums Verlieben und die Familienplanung geht es jetzt eben um die besten Methoden, ein kriminelles Dasein zu führen.

Die Figuren sind relativ typisiert: Da gibt es den kauzigen Opa, der immer eine Anekdote von früher auf Lager hat, den Vater mit harter Schale und weichem Kern, die fürsorgliche Mutter und den hippen jungen Bruder, der „Respect“ sagt, statt Respekt, wie es der Großvater ausspricht. Die Reaktion des Opas: „Die deutsche Sprache ist auch am Arsch“.

Es gibt noch Bettys andere Welt, die Kollegen bei der Polizei, auch mit typischen Figuren, wie der schleimig nette Kollege und die Furie als Chefin, die es aber am Ende natürlich doch immer gut meint mit ihrem Zynismus. Angesiedelt in Bremen, wo man sich mit „Mahlzeit“ begrüßt.

Es ist der Regie von Sophie Allet-Coche zu verdanken, dass dieses von Christian Jeltsch geschriebene Szenario, das doch etwas zu sehr konstruiert daherkommt, trotzdem als gute Unterhaltung funktioniert. Coche gibt der ersten Folge etwas Federleichtes und weiß mit Augenzwinkern auf andere Filme und Serien zu verweisen, inklusive Marilyn Monroes Tanz im Parkhaus und der Frettchen-Szene aus The Big Lebowski.

Wenn man sich weiter diese Leichtigkeit bewahrt und den Moment, in dem Betty ihre Identität der Familie preisgeben muss, nicht allzu lange künstlich herauszögert, könnte es der Beginn einer neuen eigenwilligen Kult-Serie sein. Bei der ARD hofft man sicherlich darauf.

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