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Kino

Der Falke und die Hure

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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Erschreckend eindimensional: Julio Medems Männerfantasie "Caótica Ana" versetzt sich selbst den Todesstoß. ( Mit Video)Von Daniel Kothenschulte

Die Gedanken sind frei und die schmuddligen erst recht. Mann kann sie nicht erraten, kein Jäger erschießen… Filme dagegen sind teuer, bisweilen durchaus zu erraten und erschossen werden sie dann auch schon mal, nämlich von den Kritikern. Und selbst wer seinen Finger bislang nie am Abzug wähnte, wird mit blutigen Händen die Rezension von "Caótica Ana" beenden. Eigentlich eine schöne Farbe in den frühen Meisterwerken von Julio Medem.

Der strahlende Jungfilmer von "Vacas" und dem "Roten Eichhörnchen", der früh gereifte Traumtänzer zwischen den Realitäten und Begehrlichkeiten von "Die Liebenden des Polarkreises" und "Julia und der Sex" ist mit fünfzig zum Altherrensex übergegangen. Ohne Warnung und Überleitung. Geradewegs wie in einem jener Zeitsprünge, aus denen seine frühen Meisterwerke ihr Kapital schlugen.

Diesmal erzählt er lähmend-linear von einer vorgeblichen Chaotin, einer Urfrau namens Ana. Die 19-jährige New-Age-Künstlerin, die in einer Höhle auf Ibiza lebt, bis sie von einem gleich nach dem Akt fahnenflüchtigen Liebhaber erdbebengleich entjungfert wird, verfügt über ein tausendjähriges Gedächtnis. Ein Hypnotiseur entlockt ihr die Erinnerungen zahlloser geknechteter Frauen der Geschichte, weiblichen Tauben, die sich - wie es eine gebetsmühlenhaft wiederholte Sequenz versinnbildlicht - männlichen Falken darbieten.

Mit Falkenaugen jedenfalls beobachtet die Kamera den Teenager Manuela Vellés in der Hauptrolle. Von der mädchenhaften Naturschönheit unter Rastalocken reift sie äußerlich zur Gothic-Frau und bleibt doch nur das Pin-up-Girl ermüdend-selbstzweckhafter Nacktszenen.

Fast den ganzen Film über beherzigt Ana die Maxime ihrer Freundin, einer pseudo-feministischen Videokünstlerin: alle Männer seien Vergewaltiger, alle Frauen Huren. Man hat es schon einmal gehört; auf die Illustration könnte man verzichten. Bis Ana dann ausgerechnet bei einem sadistischen US-Amerikaner, der für Bushs Irak-Krieg wirbt, zur Fäkalattacke ansetzt.

Als hätte man in Spanien nicht auch ein Scherflein dazu beigetragen, fasst Medem seine Kriegs-Kritik in plumpen Anti-Amerikanismus - und versetzt seinem erschreckend eindimensionalen Film damit selbst den Todesstoß. Kein Kritiker könnte dabei treffsicherer vorgehen als der Filmemacher selbst.

Trailer: "Caótica Ana"

Caótica Ana, Regie: Julio Medem, Spanien 2007, 116 Minuten.

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