1. Startseite
  2. Kultur
  3. TV & Kino

„Fakt oder Fake“: Staunen, raten und lernen im Bayerischen Fernsehen

Erstellt:

Von: Harald Keller

Kommentare

Fakt oder Fake
Bayerisches Fernsehen FAKT ODER FAKE, „Folge 1“, am Freitag (25.03.22) um 22:05 Uhr. Von links: Michael Altinger, Sebastian Meinberg, Elena Uhlig und Alexander Herrmann. © BR/Sandrats Media GmbH/Roman Zach-Kiesling

Eine neue Unterhaltungsshow des Bayerischen Fernsehens überprüft Gerüchte, Volksweisheiten und unglaubliche Videos auf ihren Wahrheitsgehalt.

Es könnte wie eine rasche Reaktion auf jüngere Ereignisse erscheinen, wenn das Bayerische Fernsehen eine Unterhaltungssendung mit dem Titel „Fakt oder Fake“ ins Programm nimmt. Aber ganz so fix war man in München nicht. Das Format wurde von dem Unternehmen Sandrats Media entwickelt und hatte 2019 im österreichischen ORF Premiere.

Wer den Sender empfangen kann, erlebt ein Déjà-vu. Auch die deutsche Fassung wurde von Sandrats Media produziert. Die Kulissen sind identisch, wie beim Original schrieb Severin Rosenberger die Bücher und Heidelinde Haschek, eine erfahrene Unterhaltungsregisseurin, führte Regie. Ein übliches Verfahren. Auch das deutsche Studio von „Wer wird Millionär?“ unterscheidet sich nicht vom Vorbild, das einst in den englischen Elstree Studios gebaut wurde.

Änderungen gibt es beim Personal. Die Moderation übernahm Sebastian Meinberg, das Rateteam der ersten Sendung besteht aus dem Koch und Moderator Alexander Herrmann, Schauspielerin Elena Uhlig und Kabarettist Michael Altinger, Fernsehzuschauern als Gastgeber der Sendung „Schlachthof“ ein Begriff.

„Fakt oder Fake“ (Bayerisches Fernsehen): Schwindeleien und Scharlatanerien

Jede Sendung beginnt mit einem einfachen filmischen Trick. Im Vorspann der Auftaktsendung klammert sich Meinberg horizontal an einen Zaun und droht vom Orkan davon geweht zu werden. Aber der heftige Wind kommt aus dem Laubbläser, und helfende Hände halten Meinberg außerhalb des Bildrahmens an den Beinen.

Visuelle Fälschungen dieser Art sind Thema der Unterhaltungsreihe, aber auch Volksweisheiten, moderne Mythen und Besserwissereien wie die, dass Frauen mehr reden als Männer oder, ein Segment aus der österreichischen Version, dass ein Schnäpschen nach dem Essen der Verdauung zuträglich ist. Vorweggenommene Auflösung: nein, ist es nicht. Tatsächlich anzuraten ist vielmehr ein Verdauungsspaziergang.

„Fakt oder Fake“ (BR)Die Gäste der Sendung
Alexander HerrmannKoch und Moderator
Elena UhligSchauspielerin
Michael AltingerKabarettist

Keine Sendung, in der nicht im Web kursierende Videos mit verblüffenden Darbietungen examiniert werden. Kann man mittels Ventilatoren einen Feuerwirbel aufsteigen lassen? Lässt sich durch die Verbindung zweier Chemikalien eine Quellmasse erzeugen, die in Sekundenschnelle haushoch wuchert und an den Gruselfilm „Der Blob“ erinnert?

„Fakt oder Fake“ (Bayerisches Fernsehen): Schwacher Auftakt

Das Panel hat die Aufgabe, die aufgeworfenen Fragen und eingespielten Videos zu diskutieren und schließlich ein Votum abzugeben – Fakt oder Fake? Natürlich wurde dem Trio aufgegeben, bei seinen Überlegungen möglichst witzig zu agieren. Herrmann, Uhlig und Altinger sind denn auch sehr bemüht. Das merkt man leider, viele Beiträge wirken angestrengt, oft aufgesetzt.

Panel-Shows wie diese leben von der Spontaneität und den Pointen der Gäste, Humorprofis sind eindeutig im Vorteil. Die Premierensendung lässt in dieser Hinsicht noch zu wünschen übrig. Zwar fliegen gelegentlich Funken, aber nicht auf dem Gebiet des Wortwitzes. In den folgenden fünf Ausgaben werden die Ratenden ausgewechselt. Zu erwarten sind unter anderem Chrissie Eixenberger, Lisa Bitter, Patrick Lindner, Willy Astor. Es kann also besser werden.

Auch der Moderator Sebastian Meinberg zeigt ausgerechnet in der ersten Sendung merkliche Formschwächen, verhaspelt sich gleich bei der Einleitung erheblich und muss sich mit einem dürren „Sie wissen, was ich meine“ aus der Malaise retten. Normalerweise schneidet man solche Patzer oder setzt neu an, aber das ist eine Kostenfrage.

Zur Sendung

„Fakt oder Fake“, Freitag, 25.3.2022, 22:05 Uhr, Bayerisches Fernsehen

„Fakt oder Fake“ (Bayerisches Fernsehen): Nicht zur Nachahmung empfohlen

Für die Aufklärung der aufgeworfenen Fragen sorgen jeweils ausgewiesene Expertinnen und Experten. Lehrreich ist dabei, an welchen Details man gefälschte Videos – und davon gibt es viele – erkennen kann. Bei physikalischen und chemischen Zauberkunststücken wird das Gezeigte experimentell nachgestellt. Flammen lodern, es kracht, qualmt und quillt, Dinge fliegen durch die Luft. Solche Passagen erinnern an die langjährig erfolgreiche „Knoff-Hoff-Show“ des ZDF, wo Moderator Joachim Bublath es auch gern krachen ließ. Bisweilen wird der Zusatz nötig: Bitte nicht nachmachen.

Die Inhalte bleiben durchweg auf einer unverfänglichen Unterhaltungsebene. Brisante politische Fakes sind hier – auch das ließe sich humorvoll umsetzen – kein Gegenstand. In der österreichischen Ur-Version wurde einmal gezeigt, wie Donald Trump seine rötliche Gesichtsfarbe erklärt – die Energiesparlampen sind schuld –, auch überprüfte man die Aussage, die Luft in den Städten sei heute besser als jemals zuvor. Möglich, dass das Team der deutschen Sendung aus diesem Themenbereich noch etwas einfließen lässt. Bislang stand nur eine Sendung von insgesamt sechs zur Sichtung zur Verfügung, und die besitzt deutliches Verbesserungspotenzial. (Harald Keller)

Auch interessant

Kommentare