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EU-Serie „Parlament“: Politiksatire im Stil der Büro-Comedy „Stromberg“

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Von: Moritz Post

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Parlament 1. und 2. Staffel
Serie „Parlament“: Ein satirisch überzeichnetes und zugleich glaubhaftes Bild des bürokratischen Apparats. © WDR/Esther Schwarz/Benoît Linder/Maxim Burgun

Am meisten überzeugt „Parlament“ auf der Ebene des Lachens: Den Macher:innen der Serie gelingt ein Trilog der Komik in Deutsch, Englisch und Französisch.

Frankfurt – Um einen satirischen Zugang zur Arbeit der Europäischen Union zu erhalten, muss der geneigte EU-Bürger nicht mehr die Arbeit des ehemaligen EU-Abgeordneten Martin Sonneborn verfolgen. Und auch am Tag der Europawahl muss keine Wählerin mehr den beschwerlichen Weg ins Wahllokal antreten, um die Satirepartei „Die PARTEI“ wählen. Ein Ausflug in die Mediathek der ARD genügt. Dort ist nun die zweite Staffel der Politiksatire „Parlament“ verfügbar.

In der europäischen Co-Produktion, die sich der drei halboffiziellen Amtssprachen der europäischen Institutionen – Deutsch, Englisch, Französisch – bedient, dreht sich alles um den parlamentarischen Assistenten Samy (Xavier Lacaille). Im Stile der deutschen Büro-Comedy „Stromberg“ irrt Samy durch den Arbeitsalltag des EU-Parlaments, in dem er sich stets aufs Neue im Irrsinn zwischen europäischer Bürokratie und nationalpolitischen Interessen zurechtfinden muss.

EU-Serie „Parlament“ (ARD): Kritik am realen Irrsinn der Bürokratie

Dabei gelingt es den Autor:innen von „Parlament“ in der zehn Folgen (á 30 Minuten) umfassenden zweiten Staffel erneut, ein satirisch überzeichnetes und zugleich glaubhaftes Bild des bürokratischen Apparats zu zeichnen. Die komplizierte Verfasstheit des Europäischen Parlaments mit seinen Fraktionen und nationalen Interessen wird ebenso nachvollziehbar, wie das Zusammenspiel des Parlaments mit der EU-Kommission und dem Europäischen Rat. Die Zuschauer:innen erhalten einen Einblick, wie zermürbend das Finden von Mehrheiten im Parlament sein kann. Und wie der Widerstreit von institutionellen und nationalen Interessen demokratisch errungene Beschlüsse des Parlaments in wenigen Sekunden im Trilog mit Kommission und Rat zunichtemachen kann.

Die Serie

Die zweite Staffel von „Parlament“ ist ab sofort in der ARD-Mediathek verfügbar und wird in 5er-Folgen am 31.10. und 7.11. ab 20:15 Uhr in ONE gezeigt.

„Parlament“ gelingt bei aller Kritik am realen Irrsinn der EU-Bürokratie jedoch der Spagat, die Europäische Union und ihre Institutionen nicht als aufgeblasenes Konstrukt zum Verteilen von Geldern an aufs Abstellgleis geratene Politiker:innen darzustellen. Wenngleich die Produzent:innen wohl daran tun, vor jeder Folge einen „Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen sind Zufall“-Disclaimer einzublenden. Zu vielen der zur Schau gestellten Klischee-Personen drängt sich das ein oder andere real existierende Gesicht zum Vergleich auf. Der rein männlich und rein deutsch besetzte Club, der beim Mittagessen die eigentlichen Entscheidungen trifft, fehlt selbstverständlich auch nicht.

„Parlament“ (ARD): Mit Begeisterung für die Demokratie

So deprimierend ein solches Bild eigentlich sein müsste, zeigt „Parlament“ aber auch die Seiten des Europäischen Parlaments, die die zwischen Strasburg und Brüssel pendelnde Institution so liebenswert wie begeisterungsfähig macht: Trotz aller institutioneller Mängel der EU wird deutlich, wie vor allem junge Menschen aus ganz Europa aufeinandertreffen und weshalb sie bei aller nationaler und politischer Unterschiedlichkeit mit Begeisterung für die Demokratie arbeiten und für politische Inhalte brennen. Die Kulissen, vor denen sie das tun, sind realistisch gewählt, die bürokratischen Themen glaubhaft und die schauspielerische Leistung der beteiligten Schauspieler:innen sehr gut.

Am meisten überzeugt „Parlament“ jedoch auf der Ebene des Lachens: Den Macher:innen der Serie gelingt ein Trilog der Komik in Deutsch, Englisch und Französisch. Jeder Sprache wird in den Drehbüchern mit großem handwerklichem Geschick der Raum für ihre je eigene Komik eingeräumt. So kommen dreisprachig gleichermaßen Sprachwitz wie komisches Understatement zum Tragen. Großen Raum nimmt die Komik des Sich-Nicht-Verstehens unter den Protagonist:innen aus allen EU-Ländern ein und offenbart damit die verbindende (Nicht-)Wirkung einer (scheiternden) Pointe über Sprachgrenzen hinweg. Deshalb empfiehlt es sich auch bei Sprachunkenntnis, die Serie dringend nicht in der deutschen Synchronisation zu schauen. Schon lange war das Lesen von Untertiteln nicht mehr so vergnüglich. (Moritz Post)

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