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Der Nicht-Politiker Donald Trump ist US-Präsident.

"Alle gegen Trump", ZDFinfo

"So etwas gehört sich nicht für einen seriösen Politiker"

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Mit einem "Doku-Schwerpunkttag" beleuchtet ZDFinfo in mehreren Filmbeiträgen die Situation in den USA vor den Midterm-Wahlen.

Die Liste ist lang. Und sie  wird täglich länger. Die Provokationen, Grobheiten und Lügen des Präsidenten Donald Trump sind in der Geschichte der Vereinigten Staaten ohne Beispiel. Er spaltet das Land, er hetzt gegen Minderheiten, er verhöhnt Frauen und begrüßt es, wenn Journalisten angegriffen werden, die er pauschal als „fake news“ diffamiert. Und vermutlich haben seine verantwortungslosen Ausfälle mittelbar dazu beigetragen, dass nun einer seiner fanatisierten Anhänger Briefbomben an demokratische Politiker geschickt hat. Noch ist nichts bekannt über den oder die Täter, aber die Zielpersonen des Anschlags sprechen dafür. Trump verurteilte die versuchten Anschläge pflichtschuldigst, warf aber zugleich „den Medien“ Mitschuld an der Eskalation der Gewalt vor. Wenn aber einer mitschuldig an der Eskalation der Gewalt ist, dann ­ – der Präsident selbst.

ZDF info zeigt jetzt im Rahmen eines „Doku-Schwerpunkttages“ zur aktuellen politischen Situation in den USA auch Michael Kirks Film "Trump gegen alle – Parteikrieg bei den Republikanern" (der genauere Originaltitel lautet: "Trump's Takeover").

Darin schildert der Autor vor allem, wie der Nicht-Politiker Trump das politische Establishment seiner eigenen Partei soweit demütigt, dass die Partei derzeit wie eine Ruine erscheint. Trump scheint keine Hirnwindungen zu haben, sondern nur einen Strang, und der ist programmiert auf: „Gewinne, stehe am Ende als Sieger da, um jeden Preis.“ So erklären sich seine Ausfälle gegen die Spitzen der eigenen Partei, wenn sie sich nicht seinem Willen beugten etwa Senator Jeff Flake oder der greise John McCain.

Dem Präsidenten war es gleichgültig, dass die Wähler ihre Abgeordneten mit wütenden Ausfällen überzogen, weil die Gesundheitsreform nicht realisiert wurde. Wenn Trump dem Wahlvolk etwas zu sagen hat, dann hetzt er mit Twitter-Meldungen oder bei Auftritten. Er ist permanent im Wahlkampf, weil er da, wie ein Beobachter sagt, auf seine Fähigkeiten als Verkäufer zurückgreifen kann. Ein Verkäufer allerdings, der jeden „billigen Jakob“ noch vornehm erscheinen lassen würde.

Ein Tiefpunkt der politischen und persönlichen Inkompetenz des Immobilienhais aus New York war seine Behauptung, es habe „Gewalt auf allen Seiten gegeben“, nachdem bei Demonstrationen von Nazis  (die bei einem Fackelzug grölten: „Juden werden uns nicht ersetzen“) und den folgenden Gegendemonstrationen ein rechtsextremer Mann in Charlottesville mit seinem Auto in die Menge  gerast war und eine Frau getötet hatte. So eine Aussage „gehört sich nicht für einen seriösen Politiker“, urteilte Jeff Flake, und  Parteifreund Paul Ryan sekundierte: „Eine Vorherrschaft der Weißen ist widerlich. Dieser Fanatismus widerspricht allen Werten unseres Landes.“

Der Präsident habe sich „mit den schlimmsten Elementen unserer Gesellschaft identifiziert“, befand ein Senator, und die Folgen nicht nur  dieser Ausfälle Trumps ließen die republikanische Partei immer weiter erodieren. Mehr als 40 Republikaner wollen nicht erneut kandidieren ­­– ein Desaster für die Partei und scheinbar ein Sieg für den erratischen Präsidenten. Das werden die nächsten Wahlen zeigen. Und wenn sich herausstellen sollte, dass tatsächlich ein Trump-Anhänger die Briefbomben geschickt hat, dürfte es selbst der notorische Lügner im Weißen Haus schwer haben, unbeschadet aus den Wahlen hervorzugehen.

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