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Die 90er: Karoline Schuch und August Wittgenstein als gute Polizistin und schlechter Polizist.
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Die 90er: Karoline Schuch und August Wittgenstein als gute Polizistin und schlechter Polizist.

„Das Geheimnis des Totenwaldes“

Es ist nie vorbei

  • Judith von Sternburg
    vonJudith von Sternburg
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„Das Geheimnis des Totenwaldes“ erzählt von der Langzeitwirkung des Verbrechens und der Langwierigkeit kriminalistischer Arbeit.

Der Titel „Das Geheimnis des Totenwaldes“ klingt konventioneller, als dieser Dreiteiler ist. Das Besondere ist nicht so sehr das Vehemente und Schaurige, das die mysteriöse Mordserie in den niedersächsischen Wäldern rund um die fiktive Kleinstadt Weesenburg allerdings ebenfalls zu bieten hat. Außergewöhnlich jedoch wird die Geschichte durch die beklemmende Zähigkeit der Ereignisse, eine Lehrstunde über Beharrlichkeit, sogar über die Langeweile kriminalistischer Berufe und zugleich über den unüberwindbaren Schrecken, den das Verbrechen im Leben hinterlässt.

Vielleicht ist es der reale Alptraum hinter der starken Produktion, der in diese hineinwirkt. „Das Geheimnis des Totenwaldes“ greift die so genannten Göhrde-Morde von 1989 auf, die erst vor wenigen Jahren halbwegs geklärt werden konnten. Die Monstrosität der Taten, die fatale Mischung aus Pech, Tragik und Unvermögen bei den Ermittlungen haben eine Dimension, die die Fiktion nicht mehr vergrößern kann. Es sind gerade die unglaublichen Details – dass ein zweiter Doppelmord keinen Kilometer vom Tatort des ersten stattfand, an dem zu diesem Zeitpunkt die Polizei Spuren sicherte –, die sich Drehbuchautor Stefan Kolditz nicht ausdenken musste. Dass die Namen nun fiktiv sind, Details verändert wurden, gibt dem Buch und der Regie von Sven Bohse lediglich die Freiheit, die Geschichte ganz und gar selbst zu erzählen.

Und die Figuren ungezwungen und lebhaft neu zu entwickeln. Matthias Brandt, der wie immer seine Rolle mit Ruhe und Höflichkeit restlos beglaubigt, spielt den LKA-Chef von Hamburg, dessen in Trennung lebende Schwester – Silke Bodenbender mit der sensationellen Skizze einer verstörten, geradezu am Boden zerstörten, aber fabelhaften Frau – 1989 in Weesenburg verschwindet. Ein Zusammenhang zu den beiden Doppelmorden wurde damals und wird nun ebenso im Film früh vermutet und spät nachgewiesen. Der Hauptverdacht fällt auf den Schwager, Nicholas Ofczarek. Um den Gärtner, Hanno Koffler, kümmert sich zunächst niemand, obwohl der hellwachen jungen Kriminalistin, Karoline Schuch, durchaus auffällt, dass er munter vor sich hin lügt.

Auch im Leben war es jener dann pensionierte LKA-Chef und Bruder der verschwundenen Frau, der am Ball blieb. Die schnöde Wurschtigkeit der Weesenburger Polizei ist im Film jedenfalls haarsträubend, aber nicht so richtig unglaubwürdig. Im Gegenteil wird die Weesenburger Ermittlercombo in Gruppendynamik, dem Umgang mit neuen Kolleginnen (der Hellwachen) und alten Bekannten berufstätigen Personen über kurz oder lang bekannt vorkommen. Bemerkenswert allerdings, wie lange sich hier das „Fräulein“ gehalten hat. „Das Geheimnis des Totenwaldes“ erzählt auch davon, wie man zu einer Schande für seinen Beruf werden kann, und zwar nicht wegen eines kleinen Fehltritts, sondern wegen systematischer Ignoranz. Sehr unangenehm.

Weil „Das Geheimnis des Totenwaldes“ Zeit hat und mit der Zeit etwas anzufangen weiß, gibt es Holzwege und Ablenkungen. Die reife Kunst der Maskenbildner lässt das Personal über die Jahrzehnte ernstzunehmend altern. Es ist eine Freude, die achtziger, dann die neunziger Jahre in Kleidung, Haartracht und Wohnzimmereinrichtung zu verfolgen und gedanklich in jene Zeit zurückzukehren, als ein Golf noch aussah wie ein Golf. Der Soundtrack entsprechend. Kolditz, Bohse und ihr Team sind sorgfältig, aber sie verlieren die Tragödie nie aus dem Blick: das weggenommene Leben, die untröstlichen Angehörigen, die zehrende Ungewissheit.

Faszinierend uninteressant ist das Böse selbst, das lediglich böse ist, noch dazu, schau an, einfach gestrickt.

„Das Geheimnis des Totenwaldes“: ARD, Mi., 20.15 Uhr, Teile 2/3 am 5./9. Dezember. Am 9. im Anschluss um 21.45 Uhr die Dokumentation „Eiskalte Spur“. Alle Teile schon jetzt in der Mediathek.

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