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Zum Tod von Ralf Wolter - er hat sich nicht geirrt

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Von: Harry Nutt

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Der Schauspieler Ralf Wolter.
Der Schauspieler Ralf Wolter. © Peter Endig/dpa

Der Volksschauspieler Ralf Wolter, bekannt aus Karl-May-Filmen, ist gestorben.

Wer in seinen jungen Jahren fließend den Namen Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al Gossarah aufsagen konnte, signalisierte damit, dazugehören zu wollen – zu was auch immer. Der orientalisch anmutende Singsang war der vollständige Name eines Begleiters der Karl-May-Figur Old Shatterhand, noch eine dieser zuletzt unter den Verdacht auf kulturelle Aneignung geratenen mythisch-literarischen Figuren.

Der von Ralf Wolter geprägte Hadschi Halef Omar und auch sein Sam Hawkens waren Witzbolde, Sidekicks, deren Aufgabe in den „Winnetou“-Filmen nicht zuletzt darin bestand, das dräuende Männer- und Blutsbrüderpathos zu brechen. Was bleibt einem kleinen Mann mit Glatze, so wird sich der 1926 in Berlin geborene Ralf Wolter gedacht haben, anderes übrig, als die eigene Gewöhnlichkeit zur Karikatur zu verfeinern. Nun ist der Schauspieler mit 95 Jahren gestorben.

Ralf Wolter hat in den fast siebzig Jahren seiner schauspielerischen Laufbahn das Kunststück fertiggebracht, die Nebenfigur zur Hauptaufgabe seiner Leinwandpräsenz zu machen. Hunderte von Kurzauftritten waren sein Geschäft, auf diese Weise wirkte er in Dutzenden Klassikern der Filmgeschichte mit, etwa als russischer Agent in Billy Wilders Berlin-Komödie „Eins, zwei, drei“ oder in den Wolfgang-Neuss-Filmen „Das Wirtshaus im Spessart“, „Wir Kellerkinder“ und „Wir Wunderkinder“.

Ralf Wolter war ein altersloser Tausendsassa des deutschen 50er-Jahre-Kinos, über das Kurt Scheel, der Herausgeber der Zeitschrift „Merkur“ einmal gesagt hat: „Wenn die 68er-Revolte nicht gekommen wäre, hätte es einen Aufstand der Kinogeher gegeben.“

„Wenn ich mich nicht irre, hihihi.“

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