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Eine Dokumentation über Ursachen und Folgen von Waldbränden und mögliche Gegenmaßnahmen

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Vom Ende des gemäßigten Klimas

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Eine Dokumentation über Ursachen und Folgen von Waldbränden und mögliche Gegenmaßnahmen

Es fängt an wie ein Kulturfilme über Feuer und darüber, was die menschliche Zivilisation dem Feuer verdankt und warum die Feuerstelle seit je der Mittelpunkt eines Gefühls von Heimeligkeit ist. Gleichwohl ist die Kehrseite des Feuers, seine gefährliche, bedrohliche, vernichtende Seite, fast schon ein Gemeinplatz. Und um einen wichtigen Aspekt davon, nämlich um Waldbrände, geht es in diesem Film. 

Manche meinen, es liege am Klimawandel, für den das viel zu warme und viel zu trockene Jahr 2018 ein beunruhigendes Exempel geliefert hat. Andere meinen, es sei vor allem Leichtsinn oder böse Absicht, immerhin werden 96 Prozent aller Waldbrände von Menschen verursacht. Dass eine rein ökonomisch auf Holzertrag ausgerichtete Forstwirtschaft eine wichtige Rolle spielt, ist unbestritten. 

Alles in allem stehen also für die verheerenden Waldbrände des vergangenen Jahres genügend Ursachen zur Debatte; sehr effektiv wirken alle zusammen. Das beste Gegenmittel scheint vorerst unter dem Namen Firewatch auf dem Markt zu sein. Es handelt sich um ein System zur Früherkennung von Feuer. Entwickelt wurde es in den 90-er Jahren vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, inzwischen wird es international immer häufiger eingesetzt. 

Aber eben nur zur Warnung vor Bränden, damit die Feuerwehr schneller und effektiver arbeiten kann. An den Ursachen kann Firewatch nicht drehen. Almut Faas‘ Dokumentation über Waldbrände in Europa und den USA ist durchaus gründlich und entfacht keine vorschnelle Dramatik. Aber was sollte man auch noch dramatisieren, wenn man etwa berichten kann, dass jedes Jahr auf dem Planeten Erde durch Feuer eine Waldfläche von etwa einem Drittel der Fläche Europas verloren geht? Die Idee, dass der Wald wieder nachwächst, muss vor einer solchen Dimension der Vernichtung kapitulieren. 

Dass das Feuer den Klimawandel – eine seiner Ursachen – beschleunigt, indem es Millionen Tonnen von Kohlendioxid, das in den Wäldern gespeichert ist, freisetzt, ist eine alarmierende Tatsache. Immer häufiger gibt es riesige Waldbrände auch in Regionen, die früher dafür nicht bekannt waren – im Bundesland Brandenburg etwa, das im letzten Sommer in Punkto Feuergefahr gleichauf mit dem mediterranen Griechenland lag. 

Da genügte schon der Funkenflug eines bremsenden Güterzugs. Außerdem liegt in Brandenburg eine unbekannte Menge von verrottender Weltkriegs-Munition in den Wäldern herum, was brände verursachen und Löscharbeiten gefährden kann. Oder nehmen wir Schweden, das zahllose Touristen aus früheren Jahren her noch als Schauplatz verregneter Sommerurlaube in Erinnerung haben und das im vergangenen Jahr lichterloh brannte. 

Dass die Feuerwehren im vorsorglichen und reichen Schweden über keine Löschflugzeuge verfüg(t)en, verweist darauf, wie wenig vorbereitet wir auf den Klimawandel und seine Folgen sind: Konzepte aus der Zeit der gemäßigten Klimazone veralten. Das gilt vor allem auch für den Mittelmeerraum, der seit Jahrzehnten regelmäßig von großflächigen Brandkatastrophen heimgesucht wird. Die Hilflosigkeit der Feuerwehren jedenfalls ist erschreckend, aber sie ist nicht die Ursache des neuen Großfeuer-Zeitalters. Gleichwohl ist es wichtig, sich nicht in Ohnmacht angesichts einer schlimmen Entwicklung einzurichten. Französische Feuerwehren scheinen da auf einem guten Weg zu sein.

Europa brennt. Arte, Samstag, 25. Mai, 21.45 Uhr. Im Netz: Arte +7

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