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„Westwall“ erzählt die ungewöhnliche Liebesgeschichte von Nick (Jannik Schümann) und Julia (Emma Bading).
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„Westwall“ erzählt die ungewöhnliche Liebesgeschichte von Nick (Jannik Schümann) und Julia (Emma Bading).

„Westwall“

Emma Bading: „Immer noch wird in Schubladen gedacht“

Schauspielerin Emma Bading spricht im Interview über den Politthriller „Westwall“, Gruppendruck und ihr Outing.

Das Leben von Polizeischülerin Julia Gerloff gerät völlig aus den Fugen, als sie sich in den geheimnisvollen Nick Limbach verliebt. Nick ist nicht der, als der er sich ausgibt. Als sie nach der ersten Liebesnacht ein Hakenkreuz auf seinem Rücken entdeckt, ist Julia entsetzt. Aber auch ihre Gefühle für ihn sind stark. Emma Bading spielt die Hauptrolle in dem sechsteiligen Politthriller „Westwall“ von Isa Prahl nach dem Drehbuch von Benedikt Gollhardt, in weiteren Rollen sind unter anderen Jannik Schümann, Jeanette Hain, Devid Striesow und Rainer Bock zu sehen.

Haben Sie sich vor diesem Projekt mit Rechtsradikalismus und rechtem Terror beschäftigt? Und wenn ja, zu welchen Erkenntnissen sind Sie gekommen?

Als das Drehbuch zu „Westwall“ auf dem Tisch lag, habe ich gemerkt, dass ich, wenn ich mich klar positionieren will, hinsehen muss. Ich muss die vielfältigen Gründe verstehen lernen, warum Menschen nach rechts abdriften, um diese zu hinterfragen. Interessant finde ich den soziologischen Begriff der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit. Es scheint etwas Urmenschliches zu sein, sich anderen Gruppen gegenüber als „wertiger“ anzusehen – oder als ungerechter behandelt.

Die rechten Tendenzen betreffen ja im Film auch Polizei und Verfassungsschutz, also Institutionen, denen man als Bürgerin und Bürger absolut vertrauen können muss...

So etwas schürt natürlich auch Ängste, klar. Ich war zu Recherchezwecken eine Woche lang auf der Hochschule der Polizei in Oranienburg bei Berlin und habe mit den Dozenten über dieses Thema gesprochen. Die fühlen sich natürlich falsch gesehen und sagen: „So sind wir nicht, und wir wollen auch nicht, dass ein solches Bild von uns gezeichnet wird.“

Glauben Sie, dass die Polizei zu wenig tut, um rechte Tendenzen in ihren Reihen aufzudecken und zu sanktionieren?

Das weiß ich nicht, dazu habe ich zu wenig Einblick in die Strukturen der Polizei.

Wenn Sie in die Situation Ihrer Filmfigur kommen würden, dass Sie jemanden treffen, der Ihnen sagt, er sei bei den Rechten gewesen, habe aber mit ihnen gebrochen – wie würden Sie sich verhalten?

Wenn da Gefühle mit im Spiel sind wie bei Julia, ist das schwer zu sagen. Ich kann sehr gut verstehen, dass sie Nick noch eine Chance gibt. Ich finde, es ehrt sie, dass sie die Hoffnung nicht aufgibt und an das Gute im Menschen glaubt.

Sie persönlich würden ihm keine zweite Chance geben?

Das ist schwer zu beantworten. Wenn man selbst drinsteckt in einer solchen Beziehung, ist das etwas ganz anderes, als wenn man ganz theoretisch darüber redet. Und natürlich spielt die Angst, sein Umfeld durch so eine Entscheidung zu verlieren, auch noch eine entscheidende Rolle.

Zur Person:

Emma Bading , geboren 1998 in Monheim am Rhein, debütierte bereits als 13-Jährige in dem Kinofilm „Halbschatten“. Einem größeren Publikum wurde sie bekannt durch ihre Rollen in der Kinokomödie „Grüner wird’s nicht, sagte der Gärtner und flog davon“ an der Seite von Elmar Wepper sowie in dem Fernsehfilm „Play“ über eine computerspielsüchtige Schülerin.

„Westwall“ steht ab diesem Samstag in der ZDF-Mediathek bereit.
ZDF Neo zeigt den Sechsteiler dann in zwei Triplefolgen am 7. und 8. Dezember jeweils um 21.45 Uhr.

Sie meinen den Gruppendruck?

Ja, man sucht dieses Zugehörigkeitsgefühl, auch gerade als Jugendliche, um jenseits des Elternhauses einen Halt zu finden. Deswegen kann ich gut verstehen, wenn die Freunde sagen: „Das sind wir, und das sind wir nicht. Entweder du gehörst zu uns oder zu denen.“ Aber so einfach ist es halt leider oft nicht.

Apropos Druck – Sie entstammen einer Schauspielerfamilie. Ist das eher eine Belastung – oder hilft Ihnen der Name vielleicht sogar?

Tatsächlich trifft keines von beidem zu. Durch meine Familie habe ich nie irgendwelche Vorteile gehabt bei Castings oder so. Was auch damit zu tun hat, dass meine Eltern hauptsächlich im Theaterbereich tätig waren und sind. Ich glaube, der einzige Vorteil ist tatsächlich, dass ich die Schauspielerei mit der Muttermilch aufsaugen durfte. Meine Eltern haben mit mir als Fünfjähriger Spiele gespielt, die man eigentlich in der Schauspielschule mit den Studenten spielt, deswegen war mein ganzes Aufwachsen eine Art Schauspielausbildung. Das war ein ganz natürlicher Raum für mich, in dem ich groß geworden bin.

Keine besonders strenge elterliche Kritik also?

Ehrlich gesagt sind meine Eltern immer total baff über das, was ich mache, sie unterstützen mich sehr und sind gespannt, was da noch so alles aus ihrer Tochter herauswächst.

Sie haben bei der Aktion „Act out“ mitgemacht, bei der Schauspielerinnen und Schauspieler ihre sexuelle Orientierung offenbart haben. Was haben Ihre Eltern dazu gesagt?

Ich habe sehr viel ängstliche Resonanz bekommen aus meinem Umfeld generell, nicht nur von den Eltern. Aber gerade das war für mich der ausschlaggebende Grund, mitzumachen. Denn wenn man immer noch Angst haben muss, zu seiner sexuellen Orientierung zu stehen, dann zeigt das, dass sich dringend etwas ändern muss, damit bei den nachfolgenden Generationen erst gar kein Outing mehr nötig ist.

Karin Hanczewski, eine der Initiatorinnen, hat in einem Interview beklagt, dass ihr nur noch lesbische Rollen angeboten würden. Wie sind Ihre Erfahrungen?

Ich habe keinerlei Auswirkungen gespürt. Ich finde es auch witzig, dass es jetzt heißt: „Emma Bading, die lesbische Schauspielerin“. Ich habe mich ja ganz klar als bisexuell geoutet. Das zeigt, dass immer noch in Schubladen gedacht wird. Es können aber auch zwei verschiedene Dinge nebeneinander existieren, in diesem Fall die Liebe zu Männern und die Liebe zu Frauen. Da sind wir wieder an dem Punkt, an dem man sagen muss: Es gibt eben mehr im Leben als nur entweder – oder. Lasst uns bitte versuchen, die Schubladen aus unseren Hirnen zu reißen.

Interview: Rudolf Ogiermann

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